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16.03.2010
 

Irak-Thriller "Green Zone"

Halbgares aus dem Höllenlabyrinth

Von Christian Buß

"Green Zone": Jagd nach Amerikas Gewissen
Fotos
2010 Universal Studios

Renn, Matt Damon, renn! In der "Bourne"-Trilogie jagte der Star seinem verlorenen Gedächtnis nach, jetzt schnauft er im Irak-Thriller "Green Zone" dem verlorenen Gewissen der USA hinterher. Ein hochmoralischer Film mit einem bedenklich simplen Verhältnis zur Wahrheit.

Taubendreck, überall stinkt elender Taubendreck vor sich hin. Klar, da könnten schon ein paar Krankheitserreger drin sein, als chemischer Kampfstoff aber geht der Vogelkot beim besten Willen nicht durch. Den soll der US-Offizier Miller (Matt Damon) mit seinem Trupp in den ersten Monaten des Irak-Kriegs aufstöbern. Doch hinter jedem Fabriktor in Bagdad und Umgebung, vor dem er vorsichtig "Sesam öffne dich" sagt, klafft nur die Leere. Von den sagenhaften Massenvernichtungswaffen, über die Saddams Regime verfügt haben soll, fehlt jede Spur. Wofür ist die US-Armee dann aber in den Krieg gezogen?

Als der gute Soldat Miller bei einer Manöverkritik Zweifel anmeldet an den Quellen, von denen die Infos zum Waffenaufstöbern stammen, stößt er auf gemischte Reaktionen. Clark Poundstone (Greg Kinnear), oberster Beamter des Pentagon im Irak, mahnt ihn zum Gehorsam. Doch der CIA-Mann und Nahost-Kenner Martin Brown (Brendan Gleeson) ermutigt den Offizier, den Widersprüchen auf eigene Faust nachzugehen.

CIA versus Pentagon - das klingt nach unübersichtlichen Grenzverläufen und komplizierten Machtstrukturen. Doch die "Green Zone", wie die Amerikaner nach ihrem Einzug das Regierungsviertel von Bagdad genannt haben, ist in Paul Greengrass' gleichnamigem Polit-Thriller trotzdem ein ziemlich überschaubares Refugium: Der CIA-Mann ist auf der Suche nach der Wahrheit, der Statthalter des Pentagon versucht diese für die eigenen Zwecke zu vertuschen. So einfach ist das.

Klar, die historische Wahrheit spricht gegen das Pentagon. Das Ministerium hat die Lüge von chemischen Kampfstoffen, mit der George W. Bush seinen Irak-Feldzug legitimiert hat, immer wieder befeuert. Doch wie Greengrass in seinem Film (mit Bezug auf Rajiv Chandrasekarans 2008 erschienenes Sachbuch "Imperial Life in the Emerald City: Inside Iraq's Greene Zone") diesen Manipulationsvorgang zur persönlichen Angelegenheit eines einzigen Mannes erhebt, das ist schon arg simplifizierend. Massenvernichtungswaffen im Irak? Bei ihm ist das vor allem eine mit allen Mitteln hochgehaltene Lüge des Pentagon-Sesselfurzers Poundstone.

Ein-Mann-Verschwörung

Um das Ein-Mann-Komplott aufzuklären, muss Miller deshalb die von Poundstone kontrollierte Green Zone verlassen und in den Ruinen Bagdads Beweise gegen den Pentagon-Oberen sammeln. Die irakische Hauptstadt erscheint dabei als Höllenlabyrinth, das mit Handkamerasprints durchmessen wird. Doch auch wenn die grandios entfesselte Inszenierung an Greengrass' dreiteiligen Amnesie-Thriller "Bourne" erinnert: Die konstante Verunsicherung, in der sich "Bourne"-Star Damon auf der Suche nach dem verlorenen Gedächtnis befand, stellt sich in "Green Zone" nicht ein.

Greengrass, "der Meister des choreografierten Chaos" ("Village Voice"), tut zwar so, als versetze er sich in die subjektive Aufklärerrolle des gelinkten Soldaten - doch erhebt er sich gleichzeitig immer wieder mit dem bequemen Wissen der historischen Wahrheit über seinen Helden. Im Film gibt es dafür eine geradezu symbolische, immer wieder auftauchende Einstellung: Während Miller nachts am Boden von Hauseingang zu Hauseingang, von zerschossener Laterne zu zerschossener Laterne huscht, rauscht Greengrass' Kamera immer wieder mit dem Hubschrauber über den Getriebenen.

Amerikas Gewissen nachjagen

Nur in einem Punkt gelingt es "Green Zone" (Drehbuch: Brian Helgeland), die komplizierte geopolitische Gemengelage in den ersten Tagen der amerikanischen Besatzung nachzuzeichnen. Miller stößt im Tohuwabohu von Bagdad auf einen entmachteten General der Bath-treuen irakischen Armee (Yigal Naor, spielte in der britischen TV-Serie "Die Husseins" schon den irakischen Diktator). Eine zwielichtige Gestalt ist dieser Mann: Er hat einerseits unter Saddam dessen Diktatur gestützt, andererseits aber versichert er nun glaubhaft, dass er bei einem geheimen Treffen mit Pentagon-Mann Poundstone Beweise vorgelegt habe, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen besitze.

In der Figur des Generals spielt Greengrass dann doch ansatzweise die Komplexität der Situation durch. Inzwischen sind sich die meisten Experten darüber einig, dass es einer der größten Fehler der Amerikaner gewesen ist, die irakischen Militärs komplett zu entmachten, statt sie in den Wiederaufbau einzubinden.

Dieser Argumentationslinie folgt Greengrass in seinem Film nun tatsächlich bis an die Schmerzgrenze: Als Charakter, so viel erscheint sicher, ist Saddams Ex-Scherge untragbar - als strategischer Partner hätte er jedoch verhindern können, dass Bagdad in Blut und Chaos versinkt. Auf einmal sieht sich Miller, der den General vor seiner Flinte hat und hin und her gerissen ist von seinen Gefühlen, grausam involviert im Machtkampf des Post-Hussein-Iraks.

Ein wirklich seltener großer Polit-Kino-Moment in "Green Zone" ist das. Für weitere politische Feinabwägungen fehlt dem Film der Atem - irgendwann geht Greengrass schlicht und einfach die Puste aus bei seiner hochtourigen Jagd nach Amerikas verlorenem Gewissen.

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insgesamt 2 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
18.03.2010 von Barhäuptling: - - - - -

Es sind die üblichen Flimmerfilmchen nach Hollywoodmanier. Die Bourne-Identität und Nachfolger konnten mich keinen Moment überzeugen. Gottchen, sind die ultracool... Matt Damons Schauspielkünste sind auch nicht herausragend. So [...] mehr...

16.03.2010 von mic123: .

Warum sind die USA jetzt nochmal im Irak einmarschiert? Ach ja, wegen dem Frieden. - Lässt sich Gewissen eigentlich irgendwo kaufen? mehr...

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"Green Zone"

(USA 2010)

Regie: Paul Greengrass

Buch: Brian Helgeland, nach dem Sachbuch von Rajiv Chandrasekaran

Darsteller: Matt Damon, Greg Kinnear, Brendan Gleeson

Produktion: Universal Pictures

Länge: 115 Minuten

Start: 18. März 2010

Offizielle Website zum Film







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