Damon: Gegen solche Schubladen ist man machtlos, aber ich sage trotzdem: Die Filmfiguren haben nur mein Gesicht gemeinsam. Bourne ist ein Phantasieprodukt und moderner Superheld. Die "Green Zone"-Rolle basiert dagegen auf den Eindrücken eines Mannes, der an der Suche nach Massenvernichtungswaffen beteiligt war. Wir bemühten uns zwar, spektakuläre Actionsequenzen zu integrieren, die das Publikum unterhalten sollen. Doch zugleich war uns klar, dass die Geschichte in einer realen Welt mit realen Problemen spielt, deren Folgen uns alle bis heute beschäftigen.
SPIEGEL ONLINE: Filme über den Irak-Krieg sind bisher ausnahmslos gefloppt. Warum sollte es bei "Green Zone" anders sein?
Damon: Als wir vor drei Jahren mit der Arbeit begannen, hatten wir natürlich keine Ahnung, wie die Stimmung des Publikums sein wird. Sind wir zu früh dran? Zu spät? Gibt es überhaupt ein Interesse an der Dramatisierung der Hintergründe des Kriegsbeginns oder ist allein das Wort Irak Kassengift? Ich weiß es nicht. Wir konnten nur in die erzählerische Stärke eines Verschwörungsthrillers vertrauen und mussten in Kauf nehmen, am Ende womöglich ignoriert zu werden.
SPIEGEL ONLINE: Sind Sie gerüstet für das übliche Kreuzfeuer von Linken wie Rechten, denen Irak-Kiegsfilme aus Hollywood beinahe automatisch zu amerikahörig oder -kritisch sind?
Damon: Meine Meinung spielt zwar keine Rolle, aber ich gab zu Kriegsbeginn zu Protokoll, dass ich die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak für einen faulen Vorwand hielt. Dafür steckte ich von konservativen Kommentatoren viel Prügel ein. 75 Prozent der Amerikaner waren damals anderer Meinung als ich. Doch als nach und nach die Wahrheit ans Licht kam, stellten sich viele die entscheidende Frage: Wie konnte es so weit kommen? Diese Bewusstseinsveränderung zeichnen wir am Beispiel eines Soldaten nach. Daran ist nichts parteiisch, unpatriotisch oder propagandistisch. Sondern es geht um die Ergründung fundamentaler Wahrheiten. Der Grund für einen Kriegseintritt ist essentiell. It's all that fucking matters.
SPIEGEL ONLINE: Greengrass beginnt Filme auch ohne fertiges Drehbuch, löst Probleme am liebsten spontan und plant Nachdrehs bis kurz vor der Premiere ein. Liegt Ihnen diese riskante Arbeitsweise?
Damon: Diesmal war es besonders kompliziert, weil Drehbuchverfasser Brian Helgeland wegen des Autorenstreiks das Skript nicht anrühren durfte, als wir in Produktion gingen. Doch ich liebe das kontrollierte Chaos, weil es viel Raum für kreative Unfälle lässt und das Gefühl von Authentizität verstärkt.
SPIEGEL ONLINE: Könnten Sie das beispielhaft erläutern?
Damon: Paul arbeitet gern mit Handkameras, deren Kapazität jedoch nur für elf Minuten kontinuierlichen Filmens ausreicht. Bei der traditionellen Arbeitsweise wird ein Skript in seine Einzelteile zerlegt und in zahllosen Schnipseln verfilmt. Paul setzt jedoch Sequenzen von bis zu einer Stunde an, bei denen er Schauspielern nur vage Vorgaben macht und ansonsten frei improvisieren lässt. Pausen vermeidet er durch die Nutzung zweier Kameras, so dass zwischendurch die Magazine gewechselt werden können. Dazu erhalten wir durch einen Knopf im Ohr Anweisungen, oder er lässt außerhalb unseres Sichtfelds Gefechtslärm erzeugen. Alles nur, um kontrollierten Druck aufzubauen. Mein Job ist es, instinktiv auf all das zu reagieren. Das sorgt für Verunsicherung und Anspannung - und offen gestanden sind auch viele Einstellungen richtig beschissen. Aber wenn es funktioniert, entstehen magische Momente, die niemand hätte planen können.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben mit Altmeistern wie Spielberg, Scorsese und Coppola ebenso gedreht wie mit jüngeren Top-Regisseuren wie Soderbergh. Gibt es beim Inszenieren einen Unterschied zwischen Vertretern dieser Generationen?
Damon: Nein, jeder Filmemacher hat seinen individuellen Stil. Der Job ist mit so viel Druck verbunden, und es müssen endlos Entscheidungen getroffen werden - da bestimmt die Persönlichkeit des jeweiligen Regisseurs die Arbeitsatmosphäre. Die beste Beschreibung hat Soderbergh mal geliefert: Einen Film zu machen, ist wie das Erstellen eines gigantischen Mosaiks - aus einem Zentimeter Entfernung. Wer eher schüchtern ist, bleibt auch am Set ruhig. Und Leute mit aufbrausendem Temperament schreien viel. Aber es gibt eine sehr wichtige Gemeinsamkeit aller A-Liga-Regisseure. Sie hören auf die Leute, mit denen sie arbeiten, ohne sich von den Ideen anderer bedroht zu fühlen. Diese Ideen können von jedem Mitglied der Crew kommen. Oder wie Clint Eastwood zu sagen pflegt: Er heuert gute Leute an, die ihm dabei helfen, dass er gut in seinem Job aussieht.
Das Interview führte Roland Huschke
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"Matt Damon" :-D Bourne fand ich schon ganz nett, Green Zone werd ich mir auch anschauen. mehr...
Ich werde mir den Film definitiv ansehen. Die Arbeit von Matt Damon gefällt mir im Allgemein sehr gut, er ist ein gut aussehender Mann, der allerdings auch echt rüberkommt, ich habe ihm Jason Bourne ebenso abgekauft wie den guten [...] mehr...
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