Von David Kleingers
Wenn dem Horrorgenre die Ideen ausgehen, muss die Bibel herhalten. Man kann das schamlos finden oder einfach konsequent, denn wo sonst finden sich neben Heilsversprechen so viele Schreckensszenarien?
Mitten in der Fastenzeit kommt nun also "Legion", der statt Enthaltsamkeit ein sattes Endzeitspektakel verspricht. Was eine frohe Botschaft für Freunde spekulativer B-Filme hätte sein können, offenbart sich jedoch als erschreckend biederer Feldgottesdienst für schießwütige Sonntagsschüler.
Wenigstens der Auftakt ist flott, düster und dreist: Weil Gott den Glauben an die Menschen verloren hat, will er sie für immer im Orkus verschwinden lassen. Zu diesem Zweck lässt er seine himmlischen Heerscharen die Apokalypse einläuten. Allein Erzengel Michael (Paul Bettany) desertiert und landet auf der Erde, genauer in den Vereinigten Staaten.
Beflügelt von Gewalt
Dort stutzt er seine Flügel, packt eine Menge Feuerwaffen ein und fährt in die Mojave-Wüste. Michaels Ziel ist das entlegene Diner "Paradise Falls" von Bob Hansen (Dennis Quaid), in dem eine zusammengewürfelte Schicksalsgemeinschaft noch nicht ahnt, dass heute das Jüngste Gericht auf der Speisekarte steht.
Neben einigen gestrandeten Gästen und dem Koch Percy (Charles S. Dutton) sind auch Hansens Sohn Jeep (Lucas Black) sowie die hochschwangere Kellnerin Charlie (Adrianne Palicki) vor Ort. Während das Chaos über Gottes eigenes Land hereinbricht, wundern sich die Diner-Gäste noch über den Ausfall von Telefon und Rundfunk.
Doch bald mehren sich auch hier böse Omen, etwa in Form von Heuschreckenschwärmen und einer besessenen Rentnerin, die plötzlich zähnefletschend durchs Lokal wütet.
Höchste Zeit also für die Ankunft des abtrünnigen Michael, der den Ungläubigen mit dem Gewehr in der Hand seine Mission verkündet: Nur die Geburt von Charlies unehelichem Kind könne das Ende der Welt noch verhindern. Und damit es überhaupt zur Niederkunft kommt, müssen die anrückenden Unheilsbringer mit Waffengewalt aufgehalten werden.
Dieser grobe Unfug wäre viel leichter zu akzeptieren, wenn Autor und Regisseur Scott Stewart seinem kruden Crossover aus Weihnachtsgeschichte und Gotteskrieg ein wenig Tempo verliehen hätte. Stattdessen schlagen sich die menschlichen Darsteller mit müden Dialogen und peinlichen Dämonenfratzen herum, beim Nachladen zwischen monotonen Feuergefechten entsteht keineswegs Atmosphäre, sondern nur Langeweile.
Allein Paul Bettany sorgt als durchtrainierte Kampfputte für etwas Trash-Appeal: Mit Schwingen, MG und Schwert taugt sein Weltgerichtsengel Michael durchaus zum kitschigen Airbrush-Motiv fürs Plattencover einer christlichen Metal-Band.
Unchristliche Moral
Richtig gruselig ist letztlich nur die ideologische Ausrichtung des Films. Abgesehen von einem kurzen, wenig glaubwürdigen Lippenbekenntnis zur Nächstenliebe propagiert "Legion" unumwunden das Überleben der Stärkeren. Ein buchstäblich wehrhaftes Christentum verschanzt sich bis an die Zähne bewaffnet, verteidigt das ungeborene Leben und befördert seine Feinde mit der Panzerfaust ins Jenseits, statt erst das Gespräch mit dem Gegenüber zu suchen.
Beabsichtigt oder nicht: "Legion" operiert so auf dem Niveau fundamentalistischer Milizen in den USA. Auch die schwören auf Bibel und Gewehr und glauben Gott an ihrer Seite im Kampf gegen den Rest der Welt.
Das bleibende Bild in einem sonst so eindrucksarmen Film ist deshalb eine Kleinfamilie, die in ihrem Wagen mit vollgepacktem Waffenhalter lächelnd gen Horizont fährt. Das Motiv wäre als satirischer Kommentar zu militanten Familienwertbewahrern bestens geeignet, nur leider ist es völlig ernst gemeint.
Auf anderen Social Networks posten:
Dazu muss mann jedoch sagen,das die erwähnten alle wesentlich älter waren als die USA, die sich erst nach einem verheerenden Bürgerkrieg zusammenfanden. Mann sollte erst einmal die ethnischen Konflikte dort ausbrechen lassen [...] mehr...
Zustimmung,Zustimmung..... etwas sollte jedoch korrigiert werden und zwar bestehen die USA mal gerade etwas ueber 200 Jahre oder sieht man den Nord Sued Civil War als Gruendungspunkt erst 140 Jahre,wogegen das Habsburger [...] mehr...
Ihrer Sicht der Dinge kann ich nur zustimmen. Möchte jedoch anfügen das in etlichen Ländern das Volk zu einem EU Beitritt befragt wurde.Ich verweise auch auf die Abstimmungen in Dänemark und Frankreich Irland mit der [...] mehr...
Warum sollten die Deutschen sparen und Disziplin an den Tag legen und Kürzungen und Lebensqualitäts-Abbau hinnehmen müssen, wenn die Süd-Länder EUROPAS ein „Faß ohne Boden“ für unsere „alternativlosen“ riesigen [...] mehr...
Ein Völker-oder Staatenbund, der von einigen wenigen Machtpolitikern gegen den Willen der großen Mehrheit der Beteiligten beschlossen wurde, fällt IMMER auseinander-leider müssen das auch immer die Unschuldigen ausbaden. [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Kino | RSS |
| alles zum Thema Durchgeblickt | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH