Von Hannah Pilarczyk
Über drei Jahre haben die Filmemacher Agostino Imondi und Dietmar Ratsch die Geschwister Hassan, 18, Lial, 19, und Maradona, 14, Akkouch begleitet. Die drei leben mit ihrer Mutter und zwei weiteren Geschwistern seit frühester Kindheit im Berliner Bezirk Neukölln. Doch sie sind ständig davon bedroht, diese Heimat zu verlieren: 2003 wurden sie bereits einmal in den Libanon abgeschoben. In dem vom Krieg gezeichneten Land fühlten sich die Akkouchs jedoch fremd und kehrten schließlich zurück nach Deutschland. Seitdem kämpfen die Akkouchs darum, dass sie legal im Land bleiben dürfen. Bislang sind sie nur geduldet - und fast jeder Monat, den Hassan weiter auf die Schule geht und fürs Abitur lernt, muss von den Behörden genehmigt werden.
Unterm Strich müssen 1500 Euro rauskommen
Auf der diesjährigen Berlinale wurde "Neukölln Unlimited" in der Reihe Generation 14plus gezeigt und sorgte dort bereits für begeisterte Kritiken und die Auszeichnung als bester Film der Reihe. Unaufgeregt und doch eindrücklich erzählen Imondi und Ratsch vom herzlichen Zusammenhalt der Akkouchs: Wie sich die sechs auf engstem Raum arrangieren und wie sich die beiden Ältesten Hassan und Lial für ihre Familie einsetzen - obwohl sie mit dem Erwachsenwerden und ihren verschiedenen Jobs eigentlich schon genug zu tun haben.
Doch zwischen Schule, Freunden und Abendschicht muss immer wieder Zeit für einen Besuch bei der Ausländerbehörde geschaffen werden. Die schreibt vor, dass die Familie nur bleiben darf, wenn sie finanziell halbwegs eigenständig ist - weshalb die Einkünfte der Kinder in die Familienkasse wandern: 500 Euro von Hassans Auftritten mit der Breakdance-Gruppe, ein paar hundert Euro aus Lials Ausbildung bei einem Sportpromoter, vielleicht etwas von ihren Urban-Konzerten. Wenn unterm Strich rund 1500 Euro herauskommen, muss keiner abgeschoben werden. Kaum zu fassen, dass sich das Schicksal von sechs Menschen so leicht berechnen lässt - und dass die Geschwister trotzdem weiterschuften.
So sympathisch die Protagonisten sind und so beeindruckend ihre verschiedenen Talente von Gesang bis Breakdance ausfallen: Ein wenig überrascht die Begeisterung, die "Neukölln Unlimited" bislang hervorgerufen hat, dann doch. Ist ein klischeefreier Blick auf Einwanderer und ihre Lebensumstände wirklich eine Sensation?
Im typischen Dieter-Bohlen-Sprech
Anscheinend ja. Und warum das so ist, führt "Neukölln Unlimited" selber vor: Der kleine Bruder Maradona macht Probleme. Er ist ein hochbegabter Tänzer, doch wird er ständig von der Schule suspendiert. Er läuft mit ungeladenen Pistolen durch den Kiez und träumt doch davon, durch die RTL-Castingshow "Deutschland sucht das Supertalent" groß rauszukommen. "Mit mir kann man arbeiten", sagt er im typischen Dieter-Bohlen-Sprech nach der ersten Auswahlrunde. "Dein erster richtiger Geburtstag seit der Abschiebung", sagt sein Bruder Hassan, als er Maradona zu dessen 14. Geburtstag mit einer riesigen Cremetorte überrascht. "Deinen nächsten feierst du bestimmt im Knast."
Mit solchen Sprüchen und Szenen rückt Maradona langsam in den Mittelpunkt des Films: Man fängt an, sich um ihn Sorgen zu machen, aber auch sich zu ärgern, dass er den Einsatz seiner Geschwister nicht achtet. So beweist er letztlich, dass die medienwirksamste Geschichte immer noch die von der schwierigen, stets gefährdeten Integration ist. Die repräsentativste Geschichte ist sie deshalb aber noch lange nicht - und weil das "Neukölln Unlimited" genauso nachdrücklich klar macht, hat der Film alle Begeisterung eben doch verdient.
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Ich hatte mir einen Einblick in ein anderes Neukölln erhofft, dafür bekam ich einen Werbetrailer für die Libanesen- Familie vorgesetzt, der mich zunehmend verärgert hat. Mamma kann prima Deutsch, der Sohn macht Abitur und die [...] mehr...
300.000 Libanesen in Berlin? Laecherlich....Es sind nicht so viele und eben von denen die unter Libanesen gefuehrt werden sind die meisten Kurden die sich nur als Libanesen ausgegeben haben um als Kriegsfluechtlinge anerkannt zu [...] mehr...
Naja, diese Familie ist ja unproblematisch - die versuchen ja alle zu arbeiten, die Kinder wollen etwas lernen, engagieren sich... und nach Ehrenmorden scheint es da auch nicht zu riechen. Wenn alle Einwanderer so wären, gäbe es [...] mehr...
S.g.Frau Hannah P. Wollens Sie die Menschen in Neukölln und Kreuzberg für dumm verkaufen. Das als die Realität dort darzustellen ist absurd. Die 6 Leute sind auf kriminellen weg zurück nach Deutschland gekommen und erhalten zu [...] mehr...
Sind das wirklich Vorurteile und wird mit dem Film irgendwas widerlegt? Nehme an, kein Kritiker ist so weit weg von der Realität, dass er die Existenz integrierter bzw. integrationsfähiger Libanesen & Co. für unmöglich hält. [...] mehr...
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