Von Jörg Böckem
Das Kölner Label Rapid Eye Movies macht sich seit beinahe anderthalb Jahrzehnten um die Verbreitung des asiatischen Films in Deutschland verdient. In der aktuellen Asia Edition liefert der Verleih eine Werkschau, die eindrucksvoll den Facettenreichtum des modernen fernöstlichen Kinos zeigt, darunter Kim Ki-duks poetisch-abgründiges Kammerspiel "Hwal - Der Bogen", der Action-Kracher "Aragami - Hyper Samurai Sword Action" um das Duell eines Samurai mit dem Gott des Krieges und drei weitere Filme, deren Storys so abgründig wie romantisch daherkommen.
Da gibt es zum Beispiel die Science-Fiction-Liebeskomödie "Cyborg She" des Regisseurs Kwak Jae-young, der eine Romanze mit Actionsequenzen, "Terminator"-Zitaten und Slapstik mischt: Ein junger Mann, unscheinbar und ohne Freunde, schlendert allein durch Straßen und Geschäfte. Es ist sein Geburtstag, er kauft sich selbst ein Geschenk.
Der Einzelgänger erinnert sich an seinen letzten Geburtstag, an ein außergewöhnliches, durchgedrehtes Mädchen, das in sein Leben krachte, seine Gefühle für eine aufregende Nacht durcheinanderbrachte und dann verschwand, nachdem sie ihm gestanden hatte, dass sie aus der Zukunft stammt. Seitdem wartet Jiro auf die Rückkehr dieses Mädchens. Tatsächlich erscheint sie auch in dieser Nacht und eröffnet ihm, dass sie ein Cyborg ist und von seinem zukünftigen Ich in die Vergangenheit entsandt wurde.
Schuld und Sühne und Organspenden
Daneben gibt es den lakonischen "Blessing Bell", der ein stillgelegtes Fabrikgelände in der Morgendämmerung zeigt: Ein schweigender Mann wandert scheinbar ziel- und teilnahmslos durch heruntergekommene Industrieanlagen, Straßen, Gassen und Gebäude. Er trifft einen sterbenden Yakuza, der über Schuld und Sühne, das Leben nach dem Tod und Organspenden philosophiert, einen Mörder, der mit seinem Schicksal und der Liebe hadert, und eine verzweifelte junge Mutter, die ihre beiden Kinder in einem Hausbrand zu verlieren droht.
Und es gibt "Stratosphere Girl": Angela, 18, lernt auf ihrer Abiturfeier in Deutschland einen DJ aus Tokio kennen, der ihr von seiner Heimatstadt erzählt. Das Mädchen, mangabegeisterte Comic-Zeichnerin, träumt von einem aufregenden Leben jenseits der Einfamilienhaussiedlung ihrer Eltern und dem Steuerbüro ihres Onkels, in dem sie in Zukunft arbeiten soll. Ein Leben, das sie sich in ihren Zeichnungen ausmalt. Sie reist nach Tokio, arbeitet als Hostess in einem Club, versucht, einen Mordfall zu klären und gerät in eine bizarre Welt aus Drogen und Prostitution.
Der wunderbare Coming-of-Age-Film nimmt eine Ausnahmestellung ein: Er wurde zwar in Tokio gedreht, aber von einem Europäer, dem Hamburger Matthias X. Oberg, mit virtuosen Bildern inszeniert.
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