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21.07.2010
 

Action-Debakel "Knight and Day"

Stahlvisage trifft Kicher-Blondchen

Von Christian Buß

Foto: 20th Century Fox

In James Mangolds Agentenkomödie "Knight and Day" lächeln sich Tom Cruise und Cameron Diaz an den Rand der Besinnungslosigkeit. Leider erfolglos: Als Schmunzel-Terminatoren bleiben sie auch in Badehöschen unattraktiv.

Wenn man die Hälfte seines 100-Millionen-Dollar-Budgets für das Lächeln der beiden Hauptdarsteller ausgibt, dann sollen die gefälligst ihre Gesichter in Bewegung setzen. So oder so ähnlich hat sich das offenbar Regisseur James Mangold gedacht. Und deshalb grinsen, grienen und wiehern Tom Cruise und Cameron Diaz, die beide Gagen von weit über 20 Millionen Dollar verdienen, als wollten sie jeden einzelnen Dollar wieder hereingrimassieren. Tragikomischer als in "Knight and Day" hat sich die Ökonomie des Blockbusterkinos noch in keinem Film offenbart.

Dabei fragt man sich, weshalb die beiden Stars ausgerechnet in einem Actionreißer, in dem sie von einer mörderischen Situation in die nächste schlittern, ohne Unterlass ihre göttlichen Grübchen zeigen? Das soll wohl mit der Charakterzeichnung zu tun haben: Während Cruise in der Rolle des undurchsichtigen Ex-Geheimagenten Roy Miller seine wahren Ambitionen hinter einem Dauerlächeln zu verbergen versucht, kichert sich Diaz als unbedarftes Blondchen aus manch gefährlicher Situation heraus, in die er sie bugsiert hat.

So übersichtlich die Mimik der beiden Hauptdarsteller, so undurchsichtig ist der Plot: Schuld daran ist eine neuartige, sich selbst aufladende Batterie, die sowohl von spanischen Waffenhändlern als auch von abtrünnigen amerikanischen Nachrichtendienstlern begehrt wird. Cruise verteidigt dieses Wunderwerk als Spionage-Freischärler gegen die einen wie die anderen und nimmt dabei ungefragt die Hilfe der von Diaz gespielten Automechanikerin June Havens in Anspruch.


Eine wirklich starke Szene, so fair muss man sein, gibt es gleich zu Beginn: Gerade haben sich die beiden beim Besteigen eines Flugzeugs kennengelernt, da geht sich June auf der Bordtoilette schminken, während Roy der gesamten Crew samt Piloten den Garaus macht. Danach serviert er Drinks, als wäre nichts gewesen. Die Maschine aber fliegt mit leerem Cockpit durch die Nacht.

Lausige Digital-Tricks

Doch was als aberwitziges Szenario eines Kontrollverlusts daherkommt, wird bei näherer Betrachtung zum Sinnbild für die ganze Machart des Blockbusters: Einen Piloten gab es hier anscheinend auch nicht. Regisseur Mangold, der sich mit Polizei-Krimis wie "Copland" oder Neo-Western wie "Todeszug nach Yuma" als Genre-Fachmann hervorgetan hat und klassische Suspense-Stoffe ansonsten in ihrer innersten Logik durchdringt, ist mit seiner explosiven Agentenkomödie irgendwie überfordert.

Ohne jede Plausibilität schlägt sein Film an allen möglichen Touristenzielen auf: Auf den Azoren oder an der kalifornischen Küste, in Salzburg oder Sevilla. Es wirkt ein bisschen, als hätte ein großer Touristikveranstalter die Route vorgegeben.

Wenn aber die Hälfte des Budgets für die Stars draufgeht und die andere für Reisekosten, dann bleibt für Stunts oder Spezialeffekte kein Geld mehr übrig. So lausige digitale Nachbearbeitungen wie in "Knight and Day" hat man schon lange nicht mehr in einer Hollywood-Großproduktion gesehen. Besonders die gepixelten Stiere bei einer Verfolgungsjagd durch Sevilla wirken wie aus einem anderen Film hereinkopiert.

Unter Gesichtspunkten des Actionkinos ist dieses Werk ein Super-GAU. Das fällt gerade im Vergleich mit seinen direkten Genre-Vorbildern auf: Anders als bei James-Bond- oder Bourne-Filmen, aber auch anders als bei Cruises eigener "Mission Impossible"-Serie, werden die authentischen Orte in "Knight and Day" nicht in eine fiktive Handlung eingewoben - sie werden einfach schnöde in den Computer eingespeist und dort zur digitalen Kulisse.

Kein Gramm zu viel

Das einzige, was in "Knight and Day" echt ist, sind die Körper der Stars. Und mit diesen geht der Regisseur auch entsprechend hausieren. Diaz ist inzwischen Ende 30, Cruise Ende 40. Beide sind eigentlich schon auf dem Sprung ins Charakterfach gewesen. Diaz etwa spielte in dem Sterbemelodram "Beim Leben meiner Schwester" ohne jeden Grübchenschmu eine überforderte Mutter, Cruise in "Operation Walküre" mit steifer Noblesse den kriegsversehrten Nazi-Widerständler Stauffenberg.

Doch nun zeigen sie, vielleicht weil mit Charakterdarstellungen einfach keine Mega-Gagen zu machen sind, noch einmal ihre makellosen Körper. Beim handlungstechnisch vollkommen unmotivierten Kokosnussaufschlagen am Strand eines Südseeparadieses fährt die Kamera genüsslich um die Hüft- und Bauchpartien der beiden Stars herum: kein Gramm zu viel! Was als künstlerische Schmach für Regisseur Mangold daherkommt, ist zugleich ein Sieg für die Personal Trainer von Cruise und Diaz.

An alte Superstar-Zeiten anschließen können die beiden Hauptdarsteller mit "Knight and Day" trotzdem nicht. Und das liegt daran, dass ihnen beim überhitzten Witz die wohltemperierte Ironie abgeht, die solch ein Stoff zur gelungenen Umsetzung bedarf.

Zwei deutliche Bezugsgrößen des Films sind Stanley Donens "Charade" und Alfred Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" - doch gerade daran lässt sich Cruises Vermessenheit besonders gut dokumentieren: Selbst wenn er einen Actionfilm dreht, tut er das zur Image-Veredelung. In den beiden Klassikern kämpfte sich ein damals schon weit über 50 Jahre alter Cary Grant durch Verschwörungsszenarien, die ihn an die schönsten Touristen-Spots der Welt führten; im Nacheifern des großen alterslosen Gentleman Grant sucht Cruise nun einen Ausweg aus der Misere des Älterwerdens.

Schmunzelnde Stahlvisage

Doch während es Cary Grant gelang, trotz sardonischen Lächelns stets hochkonzentriert und extrem empfindsam zu agieren, verwechselt Cruise Ironie mit Teilnahmslosigkeit. Egal, ob seine Figur kopfüber aufgehängt in irgendeinem Verlies auf die Exekution wartet, oder ob der geliebte weibliche Sidekick im Kugelhagel der Feinde niedergemäht zu werden droht - stets schmunzelt Cruise mit unangemessener Stahlvisage vor sich hin.

Bei allen absurden Gefahren, denen der Agent ausgesetzt ist: Ein Hochofen, der das Aggro-Lächeln dieses Grins-Terminators zum Schmelzen brächte, ist leider nicht dabei.

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insgesamt 12 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.01.2011 von black_crow: Die Kritik ist einfach unpassend. Geiler Film!

Die Kritik ist so schlecht und unpassend, dass ich mich hier anmelden musste. Wir, das sind meine Freundin und ich, haben den Film heute gesehen und sind absolut begeistert. Der Film hat alle unsere Erwartungen übertroffen und [...] mehr...

18.12.2010 von Tertos:

Jeder der diese Kritik liest sollte sie sogleich wieder vergessen. Sie ist gelinde gesagt absoluter Schwachsinn. Knight and Day ist eine super Action-Komödie die sich selber nicht ernst nimmt und gut unterhält. Wenn man dem [...] mehr...

23.07.2010 von Christian B.: hihi

Bis auf die Stiere fand ich den Film garnicht mal so schlecht, die Frage ist was erwartet man von so einem Film? Dieser Film ist Popcornkino, Cameron Diaz ist bezaubernd wie immer und in der 20 Uhr Vorstellung, die auch gut [...] mehr...

21.07.2010 von angst+money: Einspruch

Als wenn es darum (physikalische Korrektheit) ginge. Es ist ja schließlich kein Dokumentarfilm. Was ich allerdings auch finde ist, dass dabei immer nochmal versucht wird, einen draufzusetzen, was zu inflationären Ausmaßen [...] mehr...

21.07.2010 von Jenli: Märchen

Filme dieser Art sind eben moderne Märchen. Die Gesetze der Physik interessieren da nicht. Siehe auch "Crouching Tiger, Hidden Dragon" mit seinen schwebenden und springenden Akteuren. Im Gegensatz zu "Knight and [...] mehr...

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Knight and Day

USA 2010

Regie: James Mangold

Buch: Dana Fox, James Mangold

Darsteller: Tom Cruise, Cameron Diaz, Peter Sarsgaard, Maggie Grace, Viola Davis

Produktion: Tree Line Films, Twentieth Century-Fox Film

Verleih: Fox

Länge: 109 Minuten

Start: 22. Juli 2010

Offizielle Website zum Film






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