Von Ole Reißmann
Der überraschendste Moment des ganzen Films kommt im Abspann: Elf Lieder werden dort genannt, die zu hören waren. So viele? Dabei rauscht in "Distanz" über weite Strecken des Films nur Autoverkehr oder Blätter im Wind, mal kratzt ein Rechen auf Gehwegplatten, dann und wann brummt ein Kühlschrank.
"Distanz" ist ein stummer Film, es wird kaum etwas gesprochen. Wenn jemand doch etwas sagt, schweigt Daniel, die Hauptfigur, weiter beharrlich vor sich hin. Ken Duken spielt die Rolle mit stoischer Ruhe. Keine Miene verzieht der sanfte Gärtner bei seinem unaufgeregtem Tagwerk. Auch dann nicht, als er ein Gewehr stiehlt und einem Menschen in den Kopf schießt. Einfach so.
Ein wenig Hoffnung für sinnsuchende Kinozuschauer keimt auf, als sich eine Arbeitskollegin an Daniel heranmacht. Gar nicht so einfach, wenn der Gegenüber keine Lust auf Kommunikation hat. "Ich mag dich trotzdem", beschließt Jana, gespielt von Franziska Weisz. Mit ihrem unbedingten Willen nach Nähe ist sie das genaue Gegenteil von Daniel.
Sie macht sich zu seiner Freundin, zieht sogar in seine weitgehend leere Wohnung ein. Die beiden sehen gut aus miteinander, ein nettes Paar. Das könnte schon werden, mag man als Zuschauer denken, sie wird den Eigenbrötler zu uns Menschen lotsen. Und ist da nicht endlich eine emotionale Reaktion in Daniels Gesicht? Greift er nicht sogar ihre Hand?
Präzise inszenierte Sinnlosigkeit
Doch Daniel mordet einfach weiter. Der Berliner Nachwuchsregisseur Thomas Sieben verzichtet auf Deutungen. Stattdessen beobachtet er einfach, oft mit quälend langen Einstellungen, in denen so recht nichts passieren mag. Und was gäbe es auch schon zu sagen? Sieben, dessen Spielfilmdebüt als Eröffnung der Reihe "Perspektive Deutsches Kino" auf der Berlinale lief, lässt die Erwartung der Zuschauer nach Sinn und Erklärung einfach ins Leere laufen. Daniels abrupte Ausbrüche tödlicher Gewalt bleiben letztlich rätselhaft.
Eine Motivation ist lediglich bei Jana erkennen, doch weil sich "Distanz" konsequent auf Abstand zu seinen Figuren hält, bleibt auch sie dem Zuschauer unzugänglich. Leicht kann man sich als Unbeteiligter, der man als Zuschauer nun einmal ist, von der präzise inszenierten Sinnlosigkeit abschrecken lassen. Das ist mutig von dem jungen Filmemacher - und verstörend für das Publikum.
Versucht man aber, diese Distanz zu überwinden, muss man verzweifeln. Ohnmächtig sieht man Daniel zu, möchte ihn an den Schultern packen und durchschütteln. Das wiederum schafft nicht jeder Film. "Distanz" mag zwar anstrengend, wenig unterhaltsam und trotz kurzer 82 Minuten Laufzeit langatmig sein. Doch dank hervorragender Schauspieler und sauberer Inszenierung ist es ein glänzend gelungenes Experiment.
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Auch mir schoss während des Films dieser Gedanke durch den Kopf (unbeabsichtigtes Wortspiel), aber wenn man diesen Gedanken weiterdenkt, müsste man im Grunde jegliche Berichterstattung über Amokläufe und Serienmörder verbieten. [...] mehr...
Der Plot erinnert mich an "The Spiral" (2007) von Adam Green: "Der erfolglose Maler Mason arbeitet, um zu überleben, in einem Call-Center. Er ist ein einsamer Einzelgänger - sein einziger Kontakt zur Welt ist [...] mehr...
Also, ich weiss nicht, woher Sie Ihre Sichtweise auf den Film nehmen. Weder in der von Ihnen offenbar gelesenen Kritik, noch in dem von Ihnen offensichtlich nicht gesehenen Film wird geschlachtet und/oder verherrlicht, noch zum [...] mehr...
...Mördern an sich eifern also anderen Menschen nach? Interssant, wirklich! Vielleicht sollten wir dann die zahlreichen Beispiele deutscher Mordkunst - den Tatort - mal untersuchen und ggf. verbieten? Und Highschool [...] mehr...
Es mag ja Menschen wie Herrn Reissmann oder 'sappelkopp'(der HartzIV-Empfänger anscheinend für durchweg geistig unter seinem Niveau stehend hält, was wiederum einen Einblick in seine eigene geistige Qualifikation gibt) geben, die [...] mehr...
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