Von Thorsten Dörting
Berlin und Zombies? Bei diesem Begriffspaar kommen einem dann ja schon ein paar Assoziationen in den Sinn; untot wirkende Latte-Macchiato-Schlürfer etwa, die ihr Prekariatsdasein in Prenzlberger Cafés fristen, oder mediengeile Hinterbänkler, die auf der verzweifelten Suche nach einer Fernsehkamera um den Reichstag herumstolpern.
Ach nee, mögen Sie jetzt denken, mal wieder billiges Berlin-Bashing, und recht haben Sie, öde ist das. Also vorweg: So mau wie die Einstiegspointe in diesen Text ist "Rammbock", Deutschlands erster ernstzunehmender Zombiefilm, nicht. Im Gegenteil.
Dieser Befund überrascht, denn "Rammbock" kommt großspurig daher: Der Film, der diese Woche in den deutschen Kinos startet, will nicht nur Zombieschocker sein, sondern zugleich Romanze; ein Hybrid also, in dem ein Thirtysomething um die Liebe seines Lebens kämpft - und um sein Leben.
Der leicht verpeilte Michael (gespielt mit herrlich stoischem Ösi-Charme: Michael Fuith) reist aus seiner Heimat Österreich in die deutsche Hauptstadt, um seine Beziehung zu retten. Doch als er in der Wohnung seiner Ex-Freundin eintrifft, empfängt ihn nicht die Geliebte, sondern ein selbst für deutsche Verhältnisse äußerst aggressiver Klempner (samt Lehrling). Der folgende Tobsuchtsanfall des Gas-Wasser-Meisters, das wird schnell klar, verdankt sich keiner unbezahlten Rechnung, sondern einem Virus, das im Nu Berlin in eine Art Untotenreich voller rasender Infizierter verwandelt, die durch die Straßen marodieren.
Michael bleibt da nichts anderes übrig, als die Suche nach seiner geliebten Gabi (Anka Graczyk) zu verschieben und sich gemeinsam mit dem Lehrling namens Harper (Theo Trebs) in der Wohnung zu verbarrikadieren; eine Idee, die auch andere in dem Wohnblock hatten. Unter dem Ansturm der wütenden Krankenhorde sucht die Hausgemeinschaft nun per Fenster-zum-Hof-Kommunikation nach Wegen, um aus der urbanen Hölle zu entfliehen - und verhält sich alsbald untereinander auch nicht mehr sonderlich human.
So entfaltet sich ein kammerspielartiges Horrorszenario, in dem letztlich die klassischen Problemlagen des Zombiefilms durchexerziert werden: Was geschieht, wenn eine Gesellschaft zusammenbricht und der dünne Firnis der Zivilisation abblättert? Mutiert der Mensch im Kampf gegen eine unmenschliche Bedrohung zwangsläufig zum Unmenschen? Ist er nicht selbst sein größter Feind? Kann er sich zum Helden aufschwingen, der sich opfert, damit andere leben können?
"Rammbock" ist das Erstlingswerk des Österreichers Marvin Kren und des deutschen Drehbuchautoren Benjamin Hessler. Die beiden haben die jüngeren Blutauffrischungen des Genres aufmerksam studiert. Ihr Film ist kein Zombiereißer in dem schon leicht verwesten Stil des Altmeisters George Romero. Hier hüpft kein Heer Untoter aus den Gräbern, sondern hier bricht das Chaos - wie in Danny Boyles "28 Days Later" oder dem spanischen Überraschungserfolg "Rec" - wegen einer biologischen Anomalie aus, eines Virus ex machina sozusagen.
Für Genre-Kenner bietet "Rammbock" in dieser Hinsicht also nichts Neues. Der Film überzeugt denn auch eher als behutsam eingedeutschte Nachahmung internationaler Vorbilder (der Zombie erlebt ja gerade eine breite popkulturelle Wiederauferstehung). Damit erlangt er aber in dem zart erblühenden hiesigen Horrorgeschäft eine Professionalität, die etwa hölzern inszenierte und miserabel gespielte ProSieben-Produktionen wie "Gonger" und "Hepzibah" nie erreicht haben.
Ist Liebe nicht schlimmer als jeder Virus?
Hausbewohner und Erkrankte in "Rammbock" jedenfalls sehen aus und sprechen, wie Berliner vermutlich irgendwie aussähen und sprächen, wenn sich die Stadt in eine Zombiehölle verwandelte. Das Ensemble spielt dosiert und konzentriert, der Regisseur inszeniert die Wohnblock-Wagenburg-Situation souverän. Und schließlich verdienen die Macher einen Preis für ihren Mut, die Liebesgeschichte zwischen Michael und Gabi derart konsequent zu Ende erzählen. Ganz am Schluss warten da nämlich ein paar große Fragen: Was ist schon der Tod, wenn die ewige Liebe lockt? Was schon das Leben, wenn ein geliebter Mensch stirbt? Und: Erzeugt die Liebe nicht die wahnsinnigste aller Rasereien, schlimmer noch als jedes Virus?
Wer auf einer so nuancierten Note enden will, verzichtet natürlich schon zuvor auf allzu exzessive Blutduschen und handelsübliche Gedärme-Pornografie; was möglicherweise zudem am begrenzten Budget der "Rammbock"-Macher liegen dürfte; nur rund 64 Minuten dauert ihr sogenannter Mittelfilm.
Mitverantwortlich für die Produktion zeichnet übrigens das ZDF, wo der Film in gekürzter - aber nicht zensierter - TV-Fassung im Dezember laufen wird. Was nach einem mauen Einstiegsgag in den Text auch eine maue Ausstiegspointe garantiert: Wo sonst sollten deutsche Untote debütieren als bei einem Sender, dessen Publikum wegen seines hohen Durchschnittsalters gerne als scheintot verlacht wird?
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Ich habe den Film bereits auf dem 5 Seen Festival gesehen und um die Worte vom Abendblatt zu verwenden: "Der deutsche Horrorfilm "Rammbock" ist beängstigend gut" Natürlich darf man keine Hollywoodproduktion [...] mehr...
ist der Film ja ganz gut. Aber mal ehrlich - für einen gut sechzig Minuten langen Streifen, von dem ich dazu auch noch weiß, dass er in knapp drei Monaten im Fernsehen läuft, werde ich an der Kinokasse kein Geld locker machen. Da [...] mehr...
Lieber Herr Clausen, bei diesem Film sind unsere Rundfunkgebühren genau richtig. Der Film ist im Rahmen der ZDF Film-Förderung "Das kleine Fernsehspiel" entstanden. Hier wird jungen Regisseuren, Drehbuchautoren, [...] mehr...
Also ich konnte mit übertriebenen Gore-Szenen in Horrorfilmen noch nie viel anfangen.Horrofilme werden ja für meinen Geschmack nicht dadurch gut bzw. besser, das Unmengen an Blut&Co. vergossen wird, sondern das Stimmung [...] mehr...
Mein liebes Münchner Kindl! Sie sollten doch auch mal zwischen den Zeilen lesen ;-) - nix anderes sollte gesagt sein ... "Sturm der Liebe" ist doch auch ein reines Splatter-Genre ... "Sturm der Liebe", [...] mehr...
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