Von David Kleingers
Die Lust am Skandal gehört untrennbar zum Musikgeschäft. Da können Produzenten noch so lange über die Bedeutung des Talents fabulieren oder deutsche Casting-Shows plötzlich auf ein polizeiliches Führungszeugnis ihrer Bewerber pochen - ohne die Selbstdarsteller, Grenzgänger und Enthemmten wäre das ganze Business nicht mehr geschäftstüchtig.
Warum überhaupt darf eine gealterte Glam-Kapelle wie Mötley Crüe noch um den Globus tingeln, wenn nicht aufgrund ihrer liebevoll in der Bandbiographie "The Dirt" dokumentierten Entgleisungen? Auch hatte die Welt wohl kaum ernsthaft auf das legendär verspätete Guns N'Roses-Album gewartet - vielmehr erhoffte man sich mit der Veröffentlichung von "Chinese Democracy" neue Eskapaden von Frontmann Axl Rose.
Das Leben eines Stars darf Tragödie oder Farce sein. Allein kreuzbrave Normalität verbietet sich. Denn sonst hätte man nur noch biedere Bands wie Coldplay, die bei allem Fleiß doch immer wie musizierende Buchhalter wirken.
Autor und Regisseur Nicholas Stoller hat diese Lektion augenscheinlich verstanden und widmet seine Komödie "Männertrip" der Auferstehung eines gefallenen Rockengels mit dem schönen Namen Aldous Snow (Russell Brand). Befeuert von Alkohol, Kokain und Sex füllt der britische Sänger jede Klatschkolumne aus, seit er seine Karriere mit dem ebenso dämlichen wie despektierlichen Betroffenheitssong "African Child" gegen die Wand gefahren hat.
Rührend und rabiat
Im Clip zur infamen Single tänzelt Snow in Messiaspose zwischen schwarzafrikanischen Kindern. Vor lauter Selbstergriffenheit merkt er freilich nicht, was für rassistischen Kitsch er da eigentlich produziert, und schon diese gekonnte Parodie aller schlimmen Powerballaden mit ethnographischem Einschlag lohnt das Kinobillet.
Während Snows öffentlicher Niedergang den Boulevard unterhält, herrscht auf der anderen Seite des Atlantiks Untergangsstimmung. Dort muss der junge Labelangestellte Aaron Green (Jonah Hill) erkennen, dass sein Musikenthusiasmus inmitten der Plattenkrise nicht gefragt ist. Aber dann schlägt der arglose Aaron vor, für sein Idol Aldous Snow ein Comeback-Konzert im Greek Theatre in Los Angeles zu veranstalten. Und überraschend stimmt sein strenger Boss Sergio Roma (Sean "P Diddy" Combs) zu. Von ihm erhält Aaron denn auch die vermeintlich simple Order: "Get him to the Greek".
So auch der Originaltitel von Stollers Film, was für den deutschen Markt wohl nicht genug nach derbem Amüsement klang. "Männertrip" verspricht dagegen eher den peinlichen Witz einer Vatertagstour, doch das wiederum entspricht nicht der Humorphilosophie von Produzent Judd Apatow ("The 40 Year Old Virgin", "Knocked Up"). Bekanntlich kann dessen Kino rabiat und rührig zugleich sein, und ebenso gestaltet sich die gemeinsame Irrfahrt von Aaron und Aldous.
Selbige beginnt in London, wo Aaron seinen Schützling nur mit größter Mühe vom Tresen loseisen kann. Die Odyssee von England via New York und Las Vegas bis nach L.A. ist reich an prekären Episoden, deren Unterhaltungswert nicht zuletzt der fatalistischen Nonchalance des ungleichen Paars geschuldet ist. Da gibt es üble Trinkgelage inklusive Kotzanfall, Drogen landen in allen undenkbaren Körperöffnungen - und selbst der gute, alte Rockstandard der demolierten Hotelsuite findet seinen Platz, wenn auch unter neuen Vorzeichen.
Nur Leidenschaft ist niemals lächerlich
Nicht viel länger als ein guter Popsong verweilt der Film in einer Szenerie, bevor die Nummernrevue weitergeht. Als zusätzlichen Zierrat gibt es gelassen eingestreute Gastspiele von Show-Schwergewichten wie Christina Aguilera, Pharrell Williams und Pink. Auch Metallica-Drummer Lars Ulrich, bislang wahrlich nicht für Selbstironie bekannt, lässt einige charmante Scherze auf seine Kosten zu. Den schönsten, weil absurdesten Auftritt hat jedoch der international renommierte Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugman, eine intellektuelle Celebrity, bei der Aaron wie ein Backfisch ins Schwärmen gerät.
Apatow-Protegé Jonah Hill und dem vielbegabten britischen Selbstvermarkter Russel Brand - der als beredter Ex-Junkie und Verlobter von Katy Perry reichlich Schlagzeilenerfahrung mitbringt - ist es indes zu verdanken, dass die emotionale Annäherung ihrer Figuren glaubhaft bleibt. Der narzisstische Star im Selbstzerstörungsmodus und sein aufopferungsvoller Begleiter finden im Chaos nicht nur zueinander, sondern entdecken im Anderen verlorene geglaubte Leidenschaften wieder. Dazu zählen auch Aarons stressreiche Beziehung zu der angehenden Ärztin Daphne (Elisabeth Moss) sowie Aldous' ewige Amour fou mit Jackie Q (großartig: Rose Byrne), einer völlig hemmungslosen, aber im Grunde herzensguten Popdohle.
Die angenehm moralinfreie Lebenslektion dieses flotten Uptempo-Stücks: Abweichlertum ist nur eine Seite des Rock'n'Roll. Auf der anderen steht in großen Leuchtlettern Liebe. "Männertrip" mag vieles veralbern, nur nicht die Leidenschaft seiner strauchelnden Kuschelrocker. Und wie wichtig es ist, dieses Feuer zu behalten, davon kann wirklich jeder ein Lied singen.
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Also wer "Hangover" mochte wird auch diesen Film auch mögen. Die richtige Mischung aus Satire und derben Zoten. mehr...
Stroke the furry wall. mehr...
Ich war eben drin. Mein Urteil: Man kann SPON, wie immer, vertrauen. Der Film ist spitze! mehr...
Also ist der Film Mist? Ich wollte nämlich reingehn. mehr...
Dazu muss man Filmkritiker sein. An einen Rüdiger Suchsland reicht es aber noch nicht heran. mehr...
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