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09.09.2010
 

Liebeskomödie "Verlobung auf Umwegen"

Braut mit Hau weg

Von Daniel Sander

Liebeskomödie "Verlobung auf Umwegen": Iren sind menschlich
Fotos
Kinowelt

Welch Horror: Jung, schön, erfolgreich - aber unverheiratet! Da muss man ja um die halbe Welt reisen, um dem Freund einen Antrag zu machen. Bei so viel Uralt-Moral helfen auch gute Schauspieler und ein talentierter Regisseur nichts. Die Komödie "Verlobung auf Umwegen" scheitert am entsetzlichen Drehbuch.

Anna ist wirklich nicht zu beneiden. Ja, sie ist jung und schön, sie liebt ihren Job als Innenausstatterin in Boston und sie ist erfolgreich. Sie mag auch einen sehr attraktiven Freund haben, einen Herzchirurgen, der sie auf Händen trägt. Aber was bedeutet das schon, wenn ihr doch das einzige fehlt, worin eine Frau ernsthaft Erfüllung und Bestimmung finden kann: die Ehe. Auch nach Jahren glücklicher Beziehung hat der Liebste ihr noch keinen Antrag gemacht. Welch Horror.

Natürlich ist sie nie auf die Idee gekommen, ihn selbst mal zu fragen. Das gehört sich nicht. Bis Anna (Amy Adams) von einem Schlupfloch erfährt, das sie doch noch vor einem Leben in ewiger Schande bewahren könnte: In Irland soll es den Frauen selbst erlaubt sein, die Männer zur Hochzeit aufzufordern. Unglaublich! Allerdings immer nur in einem Schaltjahr, am 29. Februar. In Annas Filmwelt ist das zufällig bald, und noch dazu ist ihr Freund (Adam Scott) geschäftlich auf dem Weg nach Dublin. Also nichts wie hinterher.

Wahnhafter Heiratsdrang

Auch wenn das Frauenbild des Films es vermuten lässt - "Verlobung auf Umwegen" von Regisseur Anand Tucker spielt nicht in den fünfziger Jahren. Es ist auch kein Psychodrama über eine gestörte Persönlichkeit, die ihre Unfähigkeit zum Glücklichsein mit wahnhaftem Heiratsdrang zu heilen versucht. "Verlobung auf Umwegen" will eine Komödie sein, und deshalb landet Anna nach einem Unwetterflug nicht in Dublin bei ihrem Freund, sondern in einem gottverlassenen Kaff auf der anderen Seite Irlands. Dort muss sie viele Irrungen und Hindernisse überstehen, um rechtzeitig in die Hauptstadt zu gelangen und ihr Glück zu finden.

Natürlich nicht bei ihrem schleimlockigen Freund. Wer seine Freundin so lange auf die Ehe warten lässt, kann in der Logik des Films nur ein schlechter Mensch sein. Aber es gibt ja auch noch Declan (Matthew Goode), den ungekämmten irischen Pub-Besitzer und Taxifahrer, den Anna trotz heftiger anfänglicher Antipathie engagiert, um doch noch nach Dublin zu kommen. Ihm wurde einst das Herz gebrochen, und jetzt glaubt er nicht mehr an die Liebe. Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass sich das bald ändern wird.

Unerschöpfliche Quelle platter Witze

"Verlobung auf Umwegen" ist ein schönes Beispiel dafür, dass auch hervorragende Schauspieler und ein begabter Regisseur nichts gegen ein entsetzliches Drehbuch ausrichten können. Das Autorenduo Deborah Kaplan und Harry Elfont hat schon filmische Grausamkeiten wie "Verliebt in die Braut" mit Patrick Dempsey oder "Wie überlebt man Weihnachten" mit Ben Affleck zu verantworten, und beweist sich auch hier wieder als unerschöpfliche Quelle breit getretener Klischees und platter Witze. Am lustigsten finden es die beiden, ihre Hauptfigur zu demütigen. Anna stolpert, fällt, landet im Schlamm, danach jammert sie jedes Mal wie ein Kleinkind. Und Declan steht daneben und amüsiert sich über das ungeschickte Frauchen, damit auch der Zuschauer weiß, dass er jetzt lachen soll.

Die allseits beliebte Amy Adams ("Verwünscht") versucht tapfer, ihrer tumben Rolle ein bisschen Charme abzutrotzen - dass sie sich nach zwei Oscar-Nominierungen aber entschlossen hat, in so einem Schwachsinns-Film mitzuspielen, lässt Zweifel an ihrem Geschmack aufkommen. Regisseur Anand Tucker hat vor ein paar Jahren mit "Shopgirl" eine originelle Liebeskomödie vorgelegt, die sich traute, ein paar neue Wege zu gehen und auf mehr hoffen ließ. In "Verlobung auf Umwegen" sorgt er mit relativ straffer Inszenierung immerhin dafür, dass sich das Elend nicht in die Länge zieht.

Trotzdem wird man nun deutlich weniger hoffnungsvoll auf seine künftige Karriere blicken.


Verlobung auf Umwegen. Regie: Anand Tucker. Mit Amy Adams, Matthew Goode. Start: 9.9.

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insgesamt 14 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.10.2010 von Orthell: Absolut nie sehenswert

Diesen Film sollte man sich nicht einmal anschauen, wenn man müde am Abend noch etwas "seichtes" sehen will. Die Handlung ist derart vorhersehbar und abgedroschen, dass das Ärgernis mit jeder Filmminute steigt. Einzig [...] mehr...

15.09.2010 von bicyclerepairmen: ..

Eben. Nicht mehr und nicht weniger. ( Und die beiden aus dem Pub sahen eben genau aus wie welche..) Wie schon hier schon mal gesagt, man muss ja nicht alles mit den Brüdern Karamasow vergleichen... mehr...

15.09.2010 von Velbert2: Wo ist das Problem?

Ich verstehe nicht ganz, was der Autor für Probleme mit der Geschichte dieses Filmes hat. Filme sind immer dann am besten, wenn sie etwas zeigen, das es in der Realität so nicht, oder nicht (mehr) so häufig gibt. Die [...] mehr...

09.09.2010 von snugly: einfach (und) gut

Ja, die Story ist ein Faden ohne Makrame-Zwischenlage. Und Ja, es passiert nichts, was das Herz kurzfristig zu schlagen aufhören läßt. Es ist die Linie der Liebesfilme, wie sie immer aufs neu gestrickt werden, er der ruhige Held, [...] mehr...

09.09.2010 von Shimodax: Shocking!

Welch Horror: Ein Hollywood Mainstream-Film mit Rollenklischees! Ich bin entsetzt! Vermutlich wird der Autor als nächstes (welch Horror!) über Profitgier in der Bankenbranche lamentieren. mehr...

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