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Matt Damon "Ich wollte fliegen wie Superman"

In "Dogma" mimt Matt Damon an der Seite seines besten Kumpels Ben Affleck einen gefallenen Engel. Ein Gespräch über Männerfreundschaften, das Gefühl, in Hollywood zweite Wahl zu sein, und den Wechsel von Ford zu Ferrari.

Steht auf Hollywoods heiliger Liste: Matt Damon
DPA

Steht auf Hollywoods heiliger Liste: Matt Damon

SPIEGEL ONLINE:

Warum wollten Sie bei so einem gotteslästerlichen Film wie "Dogma" mitzuspielen?

Damon: (Lacht) Zum einen ist der gar nicht so antireligiös, wie viele meinen. Er macht sich nur über die bigotte Art von Religionsausübung lustig. Und zum anderen ist "Dogma" einfach ein wunderbar cooler Film.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch sorgte "Dogma" in den USA für Zündstoff. Haben Sie keine Angst, sich damit Ihre Hollywood-Karriere zu beschädigen?

Damon: In solchen Kategorien denke ich nicht. Ich wähle meine Rollen nach dem Bauchgefühl aus. Und mit Ben Affleck einen gefallenen Engel zu spielen - das ist doch etwas, oder?

SPIEGEL ONLINE: Sie stehen wohl am liebsten mit Ihrem Freund Ben Affleck vor der Kamera?

Damon: Ja, wir haben schon vier Filme zusammen gemacht. Nach "Der Außenseiter" und "Good Will Hunting" sind wir jetzt in "Dogma" und bald auch in "All The Pretty Horses" zu sehen. Und noch nie haben wir uns um eine Rolle gestritten, das können Sie mir glauben.

SPIEGEL ONLINE: Für Ihren letzten Film, "Der talentierte Mr. Ripley", haben Sie eine Million Dollar bekommen - Tom Cruise hätte mindestens das Zwanzigfache verlangt...

Damon: In Hollywood kursiert eine kleine Liste mit den Namen von Stars, die gerade für volle Kinokassen sorgen. Da stehen Tom Cruise, Leonardo DiCaprio und Brad Pitt ganz oben. Ich bin mir sicher, dass jedes Drehbuch, das ich angeboten bekomme, von diesen drei bereits abgelehnt wurde. Da mache ich mir nichts vor, aber ich bin sehr froh, überhaupt auf dieser Liste zu sein.

Matt Damon mit Gwyneth Paltrow, seiner Partnerin in "Der talentierte Mr. Ripley" und die Dauerfeundin von Ben Affleck
AP

Matt Damon mit Gwyneth Paltrow, seiner Partnerin in "Der talentierte Mr. Ripley" und die Dauerfeundin von Ben Affleck

SPIEGEL ONLINE: Sie haben vor kurzem immerhin Leonardo DiCaprio bei "All The Pretty Horses" ausgebootet...

Damon: ...was wohl daran lag, dass sich die Dreharbeiten mit "The Beach" überschnitten haben. Da war plötzlich ich am Zug. Aber eigentlich ist es doch verrückt, dass man jahrelang mit Freuden die größten Opfer bringt, um dann schließlich festzustellen, dass man eigentlich null Chancen hat. Was um alles in der Welt treibt einen dazu, einen Beruf zu ergreifen, bei dem 95 Prozent - zumindest in Hollywood - arbeitslos sind?

SPIEGEL ONLINE: Größenwahn?

Damon: (Zuckt die Achseln) Vielleicht. Eine Portion Größenwahn gehört sicher dazu.

SPIEGEL ONLINE: Im Ernst: Warum wollten Sie Schauspieler werden?

Damon: (Überlegt) Es war die Sehnsucht, in einer anderen Persönlichkeit voll und ganz aufzugehen.

SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie tatsächlich Lust, ein völlig anderer Mensch zu sein?

Damon: Nicht wirklich. Ich wollte immer ich selbst sein - nur eben besser. Zum Beispiel mit dem Talent eines Marlon Brando. Das letzte Mal, dass ich wirklich jemand anderes sein wollte, liegt lange zurück, da war ich gerade einmal drei.

SPIEGEL ONLINE: Wer wollten Sie da sein?

Damon: Superman. Ich wollte vor allem so fliegen können wie er. Also habe ich mir eines Tages ein rotes Cape umgebunden, bin auf das Garagendach gestiegen und gesprungen. Dabei habe ich mir dann den Fuß gebrochen. Zu meiner Überraschung war ich mehr darüber enttäuscht, nicht fliegen zu können, als über den gebrochenen Fuß.

SPIEGEL ONLINE: Im neuen Robert Redford-Film "The Legend of Bagger Vance" spielen Sie Golf. Was ist Ihr Handicap?

Damon: Das verrate ich nicht, dazu spiele ich noch zu schlecht (lacht).

SPIEGEL ONLINE: Vertreiben Sie sich damit am liebsten die Zeit?

Damon: Um ehrlich zu sein, hatte ich in den letzten vier Jahren nicht eine Woche Urlaub am Stück. Deshalb habe ich auch das dringende Bedürfnis, meine Batterien wieder aufzuladen. Sie müssen sich das so vorstellen: Ich bin irgendwann einmal mit einem klapprigen Ford von zu Hause losgefahren und komme jetzt mit einem roten Ferrari an die Boxen zurück. Das muss ich erst mental verarbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Angst davor, aus der nächsten Kurve zu fliegen?

Damon: Und wie. Ich muss erst einmal ein paar Gänge herunterschalten. Ich will nämlich noch lange gut im Rennen bleiben.

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