Von Rüdiger Sturm
Bis Ende Juli präsentieren die Filmschmieden in den US-Kinos einige ihrer wichtigsten "tentpole pictures" des Jahres: Filme, die mit großem Budget- und Marketingaufwand zu Möchtegern-Blockbustern aufgemotzt werden. Schon jetzt zeichnet sich ein erster Trend ab: War im letzten Jahr noch der Horrorfilm en vogue, kommt in dieser Saison das Historienepos zu neuer Blüte.
Den Anfang machte an diesem Wochenende Ridley Scotts "Gladiator", der mit einen Einspielergebnis von über 32 Millionen Dollar die Spitze der US-Filmcharts eroberte. Während "Gladiator" mit einem 103-Millionen-Dollar-Bausatz das Imperium des Kaisers Commodus rekonstruiert, widmet sich Roland Emmerich mit "The Patriot" - nach einem Drehbuch von "Soldat Ryan"-Autor Robert Rodat - dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Schon im April war der Weltkriegsfilm "U-571" erfolgreich gestartet.
Am Independence-Day-Wochenende kommt es in den US-Kinos zu einem deutsch-deutschen Duell, wenn Emmerich mit "The Patriot" gegen Wolfgang Petersens "The Perfect Storm" antritt. Die Verfilmung von Sebastian Jungers Reportage-Bestseller über den Untergang der Andrea Gail ließ sich Warner Brothers 100 Millionen Dollar kosten. Ursprünglich sollte Mel Gibson die Hauptrolle spielen, stieg dann aber bei Emmerich ein, was den Weg für Kapitän George Clooney freimachte.
Multiple Stars
Mel Gibson hat in diesem Sommer auch noch einen zweiten Unabhängigkeitskampf zu überstehen: Als Sprecher des Hahns Rocky in "Chicken Run" rebelliert er mit seinen Hennen gegen die Bauersfrau. Der Animationsfilm von "Wallace & Gromit"-Schöpfer Nick Park ist schon jetzt weitaus kultverdächtiger als etwa Disneys "Dinosaur". Ursprünglich wollte Disney für den 130-Millionen-Dollar-Film mit Park zusammenarbeiten, doch der zog die überschaubaren DreamWorks-Studios der Maus-Kooperation vor.
Mehrfache Einsätze absolvieren auch noch andere Stars: Eddie Murphy etwa spielt in der Fortsetzung zu "Der verrückte Professor" sechs verschiedene Charaktere der Familie Klump. Die Szene mit der voluminösen Verwandtschaft hatte sich als eine der populärsten des ersten Teils entpuppt - dabei sollte sie ursprünglich aus Kostengründen gar nicht gedreht werden.
Ebenfalls auf Persönlichkeitsspaltung setzen die Farrelly-Brüder ("Verrückt nach Mary"): In "Me, Myself & Irene", der schon jetzt von Fan-Rezensenten bejubelt wird, warten sie mit Jim Carrey als schizoiden Motorradcop auf. Die beiden wettstreitenden Carrey-Hälften - ein sensitiver Weichling und ein aggressiver Sex-Junkie - verlieben sich in die gleiche Frau, was das Farrelly-typische Feuerwerk politisch unkorrekter Scherze auslöst.
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