Paris - "Die Entscheidung kam total überraschend. Der Film wurde bisher in 64 Kinos gezeigt", erklärte Produzent Philippe Godeau. Seit der Staatsratsentscheidung füllen Kommentare und Artikel die Kulturseiten der französischen Presse. Während Kinoketten wie Gaumont und Pathé den Film kommentarlos aus dem Programm nahmen, leisten andere Widerstand und lassen den Film weiterhin über ihre Leinwand flimmern.
Der Staatsrat hat durch das Verbot den Film zum Porno abgestempelt - eine Ohrfeige für die Zensurkommission und die Kulturministerin Catherine Tasca. Beide hatten den Film gesehen und ihn freigegeben, allerdings nur für Jugendliche über 16 Jahre. Der Film wurde bereits Anfang Mai im Rahmen des Filmfestivals in Cannes gezeigt. Er erzählt die Geschichte zweier ausgeflippter Frauen, die nur Morden und Sex im Kopf haben. "Der Film ist ein Roadmovie, der Sex und Blut zeigt und voller Hass gegen Männer ist. Doch heutzutage muss der Schrei der Verzweiflung und der Revolute immer lauter werden, um noch gehört zu werden", schrieb die Zeitung "Libération".
Marin Karmitz, Besitzer der Kinokette Mk2, lässt den Film weiter laufen. Für ihn ist das Vorgehen "reine Heuchelei" und "willkürliche Zensur". "Ich glaube, es ist höchste Zeit, dass klar definiert wird, was heute noch Pornografie ist", fordert Karmitz.
Den wahren Hintergrund glaubt jedoch Godeau zu kennen. "Da stecken die rechtsextremen Truppen von Bruno Mégret dahinter", wirft er dem Politiker vor. Den Stein ins Rollen brachte nämlich die Vereinigung "Promouvoir" zum Schutz der Familie. Der Präsident des 200 Mitglieder zählenden Verbandes mit Sitz im südfranzösischen Carpentras, André Bonnet, ist Mitglied der rechtsextremen Partei MNP. Und an deren Spitze steht Bruno Mégret, ehemaliger Generalsekretär der rechtsextremen Front national. Den Antrag stellte Bonnet bereits am 23. Juni, eine Woche bevor der Film in den Kinos anlief.
"Baise-Moi" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Virginie Despentes, die auch Regie führte. Das autobiografische Werk erschien 1999 bei Gallimard, einem der bekanntesten und renommiertesten französischen Verlage.
Sabine Glaubitz
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