Von Elmar Biebl
Halle Berry
Die Cartoon-Serie "X-Men" wurde im Amerika der Bürgerrechtsbewegung geboren: Kultautor Stan Lee erfand die Gruppe von "Andersartigen", ausgestattet mit übermenschlichen Kräften und auf der Suche nach Selbstwert und Toleranz. Regisseur Bryan Singer hat die erfolgreiche Serie jetzt mit Stars wie Patrick Stewart ("Star Trek"), Sir Ian McKellen ("Gods and Monsters") und Ray Park ("Star Wars") verfilmt. Halle Berry spielt "Storm", eine Heldin, die Blitz und Donner beherrscht.
SPIEGEL ONLINE: Stimmt es eigentlich, dass Sie nach einem Kaufhaus benannt wurden?
Halle Berry: Ja, das stimmt. Nach dem Halle Brothers Department Store in Cleveland, Ohio. Meine Mutter liebte es, dort einzukaufen.
SPIEGEL ONLINE: Könnte man Ihre Mutter als exzentrisch bezeichnen?
Halle Berry: Eher als unkonventionell. Schließlich hat sie als weiße Frau einen Afro-Amerikaner geheiratet. Das war zu ihrer Zeit weit außerhalb des Konventionellen.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie eigentlich je Rassendiskriminierung erlebt?
Halle Berry: Ja. Und zwar von beiden Seiten. Von Schwarz und Weiß. Womit wir endlich bei unserem Thema, dem Film "X-Men", sind.
SPIEGEL ONLINE: Weil diese Superhelden ebenfalls unter gesellschaftlichem Stigma leiden?
Halle Berry: Genau. Sie sind Mutanten. Sie sind anders. Sie fühlen sich isoliert von der "normalen" Bevölkerung.
SPIEGEL ONLINE: Der Film basiert auf sehr populären Cartoon-Figuren. Verträgt sich denn ein ernsthaftes Thema wie Diskriminierung mit der oberflächlichen Fantasy-Welt von Cartoons?
Halle Berry: Durchaus. Bryan (Singer, der Regisseur) war von Anfang an dieser Meinung. Er ging sogar so weit, den Film mit einer Szene aus dem Warschauer Ghetto beginnen zu lassen, um unmissverständlich zu dokumentieren, wie wichtig ihm der ernsthafte Bodensatz dieses Cartoons ist.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich deshalb entschieden, als Superheroine mitzumachen?
Halle Berry: Das war einer der Hauptgründe. Wenn sich zwei berühmte Shakespeare-Darsteller (Patrick Stewart und Ian McKellen) nicht zu schade sind, warum sollte ich mich erhaben fühlen. Außerdem war mir eine drastische Abwechslung sehr willkommen. Ich hatte gerade ein Mammut-Projekt hinter mir, "Introducing Dorothy Dandridge". Sieben Jahre hatte ich daran gearbeitet, bis ich schließlich als Produzentin und Hauptdarstellerin den Film abschließen konnte.
SPIEGEL ONLINE: Und mit einem "Golden Globe" dafür ausgezeichnet wurden. Ihr Gegenspieler Klaus Maria Brandauer ging dagegen leer aus.
Halle Berry: Er hätte auch einen Award verdient. Ein so intensiver Schauspieler. Ich war fasziniert von seiner Konzentration.
SPIEGEL ONLINE: Nicht alles in diesem Jahr lief gut für Sie.
Halle Berry: Sie meinen den Autounfall (Halle Berry wurde nach einem Autounfall in L.A. der Fahrerflucht beschuldigt). Das machte mir bewusst, dass es auch eine Minorität namens Prominenz gibt, mit allen nur denkbaren Diskriminierungen. Ein Unfall ist schon schlimm genug, aber wenn dann noch jede Kleinigkeit breitgetreten und durch endlose Unwahrheiten ins Überdramatische verzerrt wird, kann man das nur noch als Diskriminierung bezeichnen.
SPIEGEL ONLINE: Ist das nicht der Preis für Ruhm und Reichtum?
Halle Berry: Das mag schon sein. Aber muss man wirklich wie ein Aussätziger, wie ein Freak behandelt werden, nur weil man berühmt ist?
SPIEGEL ONLINE: Sind Sie eigentlich verurteilt worden?
Halle Berry: Ja, ich leiste Dienst ab in einem Sozialamt. Wo, will ich nicht sagen, weil ich die Presse fernhalten will. Nur so viel: Ich helfe mit, drogensüchtigen und misshandelten Frauen zu helfen.
SPIEGEL ONLINE: In "X-Men" brauchen die Frauen keine Hilfe. Sie haben die gleiche Power wie die Männer. Im Original-Cartoon war das nicht immer so. Schließlich heißt die Serie "X-Men" und nicht "X-Men and -Women".
Halle Berry: Weil der Cartoon Jahrzehnte zurückliegt. Der Film dagegen entspricht der Sensibilität von heute. Frauen kann man nicht mehr einfach als hilflose Opfer darstellen. Der Kampf der Geschlechter ist passé, nur noch der Kampf zwischen Konstruktivem und Destruktivem zählt - und Moral ist nun mal geschlechtsneutral.
SPIEGEL ONLINE: Die Superhero-Cartoons wurden überwiegend von Jungen geschätzt.
Halle Berry: Ich weiß nicht, ob das stimmt. Als kleines Mädchen wollte ich immer eine der Superheldinnen sein. Und ich bin auch sicher, dass der Film bei Mädchen voll ankommt. Schließlich ist es für Girls ermutigend zu sehen, wie stark Frauen sein können.
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