01. August 2002, 13:48 Uhr

"Scooby-Doo"

Ein Comic-Hund im Freizeitpark

Von Oliver Hüttmann

Mit den Teenie-Stars Freddie Prinze Jr. und Sarah Michelle Gellar, hochmodernen Animationen und altmodischen Grusel-Kulissen, Slapstick und Wortwitz wurde der Cartoon-Klassiker "Scooby-Doo" als doppelbödige Geisterbahnfahrt verfilmt.

Comicfigur "Scooby Doo": Makellos als Animation in die Szenen montiert
AP

Comicfigur "Scooby Doo": Makellos als Animation in die Szenen montiert

Die Medien und Freizeitgestaltung der Gesellschaft werden immer kindlicher, und dementsprechend ungeschlagen ist in diesem Jahr auch wieder das Pubertätskino. Dabei lebt die Industrie, die auf Kids ausgerichtet ist, nicht allein von dieser Zielgruppe. Die mehr als zehn Millionen Zuschauer von "Der Schuh des Manitu" können nicht alle zwischen 14 und 20 Jahre alt gewesen sein.

"Scooby-Doo" wird an diesem Zustand nichts ändern. In Amerika steuert die Mischung aus Trick- und Realfilm auf einen Umsatz von 200 Millionen Dollar zu. Und man kann darüber nicht mal meckern. Die Verfilmung des Cartoon-Klassikers von William Hanna und Joseph Barbera ("Familie Feuerstein") aus den Sechzigern ist konsequent überdreht, phantasievoll und kindisch, gleichwohl etwas anarchisch und nicht dumm. Stilistisch, inhaltlich und bis in die Gestik und Mimik von Teenie-Stars Freddie Prinze Jr. und Sarah Michelle Gellar hinein wird gewitzt der Comic-Charakter betont. Scooby-Doo, eine verfressene, tollpatschige Riesendogge, die selbst vor dem eigenen Schatten erschrickt, ist makellos als Animation in die gemeinsamen Szenen mit den Darstellern montiert worden.

"Scooby Doo" mit Sarah Michelle Gellar: Gewitzt der Comic-Charakter betont
DPA

"Scooby Doo" mit Sarah Michelle Gellar: Gewitzt der Comic-Charakter betont

Mit diesem Maskottchen bilden Fred (Prinze Jr.), Daphne (Gellar), Shaggy (Matthew Lillard) und Velma (Linda Cardellini) die Mystery AG, ein detektivisches Twen-Team irgendwo zwischen den "Drei Fragezeichen", "Ghostbusters" und Jerry Lewis. Ihre Eigenschaften und Eigenarten aus der Vorlage wurden etwas zugespitzt: Fred ist ein narzisstischer Dandy, der sich stets in den Vordergrund drängelt (und mit Pamela Anderson flirtet). Daphne stolpert als entzückendes, zickiges Blondchen naiv in jede Falle und tut dabei dennoch immer das Richtige. Shaggy denkt mit Scooby-Doo nur an Hamburger und trägt so zufällig immer zur Lösung bei, und Velma fühlt sich als kriminalistischer Kopf von ihren Freunden nicht genügend respektiert.

Über ihre Eitelkeiten zerstreiten sich die Freunde am Anfang und treffen erst wieder auf Spooky Island zusammen, wo Emile Mondavarious (Rowan Atkinson, auch bekannt als "Mr. Bean") einen Vergnügungspark betreibt. Er hat die Mystery AG eingeladen, weil dort ein rätselhafter Spuk die jugendlichen Besucher in apathische Zombies verwandelt. Nun ist Spooky Island ohnehin eine gigantische Geisterbahn, in der Fake und Magie kaum zu unterscheiden sind, und ebenso verfährt der Film.

Kulissen aus Pappmaché und mechanische Gruselkabinette wechseln sich turbulent mit digitalen Effekten und animierten Gespenstern ab. Die Charaktere der vier Hauptfiguren werden immer wieder mal zum Katalysator für Image- und Insider-Gags, etwa wenn Gellar mit Kung-Fu-Einlagen ihre TV-Rolle als "Buffy" zitiert. Und lang ist die Liste mit Referenzen an das Horror-Kino: Es tauchen zwei Meter große Ungeheuer zwischen "Gremlins" und dem "Alien" auf, es wird auf "MIB", "Die Mumie", "Scream" und "Das Geisterschloss" verwiesen.

Der Plot selbst aber stammt aus dem mehrmals verfilmten Science-Fiction-Schocker "Body Snatchers". Seelenlos und mit debil-smartem Gesichtausdruck feiern die verhexten Teenager ihre Partys, auf einer Bühne tanzt, singt und rockt eine Boy Group. Diesen Punkt kann man durchaus als Seitenhieb auf die weltumspannenden Mechanismen einer gleichgeschalteten Geschmacks- und Spaßkultur lesen, die von den individualistischen Egos der Mystery AG mit der Lösung des Falles gebrochen wird. Letztlich aber verpufft dieser Subtext, den die Kids ohnehin nicht erkennen und der für Erwachsene zu harmlos ist, zwischen Slapstick, Fürzen und Rülpsen, Gaga-Dialogen und einer offensichtlichen Lust der Darsteller, sich wie Comic-Figuren auszutoben. So bleibt der eskapistisch-pubertäre Kreislauf ungebrochen.

"Scooby-Doo", USA 2002. Regie: Raja Gosnell; Drehbuch: James Gunn; Darsteller: Freddie Prinze Jr., Sarah Michelle Gellar, Matthew Lillard, Linda Cardellini, Rowan Atkinson; Länge: 88 Minuten; Produktion: Mosaic Media Group; Verleih: Warner; Start: 1. August 2002.


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