"Sylvia"-Darstellerin Paltrow: Am liebsten nur riskante Filme
Vor kurzem spielten sie im Science-Fiction-Spektakel "Sky Captain", jetzt sind Sie in der Rolle der amerikanischen Poetin Sylvia Plath zu sehen, die mit 31 Jahren Selbstmord beging - ein extremer Gegensatz.
Paltrow: Manchmal muss ich eben Filme drehen, die meinen Agenten glücklich machen. Aber die kleineren Projekte sind mir viel lieber, denn sie besitzen ungleich mehr künstlerische Integrität. Wenn es nach mir ginge, würde ich nur solche Filme machen, obwohl sie riskanter sind und ich dabei wenig verdiene. "Sylvia" ist die erste Produktion seit langem, auf die ich richtig stolz bin.
SPIEGEL ONLINE: Selbst wenn Sie dabei kein großes Publikum erreichen?
Paltrow: Natürlich. "Sylvia" ist kein Blockbuster, sondern ein harter, tragischer Film. Manche Leute wollen so etwas nicht sehen, weil sie ohnehin genug Schwierigkeiten im eigenen Leben haben. Aber diese Geschichte ist wunderbar gemacht, und für mich als Künstlerin ist so etwas entscheidend.
SPIEGEL ONLINE: Zwei Wochen vor Beginn der Dreharbeiten starb Ihr Vater. Wie kamen Sie da mit der Schwere von "Sylvia" zurecht?
Paltrow und ihre Mutter, die Darstellerin Blythe Danner, in "Sylvia": So wahrhaftig wie nur möglich
SPIEGEL ONLINE: Das heißt, ohne Ihr eigenes Leid wäre Ihnen dieses Porträt so nicht geglückt?
Paltrow: Mein seelischer Zustand hat mir sicherlich entscheidend geholfen. Aber ich hatte die Rolle natürlich auch eingehend recherchiert. Und ich studierte die Aufnahmen, auf denen Plath ihre eigene Gedichte rezitiert. Außerdem gab es noch andere Mittel, um mich in eine bedrückte Stimmung zu versetzen. Zum Beispiel hörte ich viel isländischen Alternativrock - deprimierendere Musik kann ich mir kaum vorstellen.
SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie vor diesem Film eine Beziehung zu Plaths Dichtung?
Paltrow: Als 21-Jährige drehte ich einen Film mit Jennifer Jason Leigh. Sie gab mir den autobiografischen Roman "Die Glasglocke" zu lesen und meinte: "Du solltest Sylvia Plath spielen." Also muss schon damals eine Beziehung bestanden haben, von der ich keine Ahnung hatte. Als ich danach ihre Gedichte las, fand ich sie zunächst verstörend, aber gleichzeitig voller Kraft. Es war ein Abtauchen in eine Welt des Wahnsinns. Mir fiel es gar nicht so leicht, mich wieder daraus zu lösen.
Hollywood-Supertstar Paltrow: Weniger Rollen, mehr Privatleben
Paltrow: Sie hat das Drehbuch nie gelesen. Sie befürchtete wohl, wir könnten das Leben ihrer Mutter ausschlachten. Ich kann das auch verstehen. Ich bin selbst eine öffentliche Person, und ich mag es nicht, wenn Details aus meiner Privatsphäre publik gemacht werden. Andererseits gab es da mein künstlerisches Interesse. So viele Leute kennen Sylvia Plath und ihre Werke nicht. Das wollte ich ändern. Es ist wichtig, dass wir das Leben von großen Künstlern erforschen und die Welt damit vertraut machen.
SPIEGEL ONLINE: Wird Ihr Film einer so komplexen Figur wie Sylvia Plath überhaupt gerecht?
Paltrow: Das würde ich auf jeden Fall behaupten. Regisseurin Christine Jeffs und ich wollten immer, dass "Sylvia" wie eine Dokumentation wirkt. Deshalb versuchten wir auch die Beziehung zu ihrem Mann und Schriftstellerkollegen Ted Hughes möglichst ausgewogen zu erzählen. Manche Leute stellen ihn als Monster dar, das Sylvia Plath in den Selbstmord getrieben habe. Aber ich finde, er hat sie wirklich geliebt - Sie müssen nur mal seine Gedichte über sie, die "Birthday Letters", lesen. Das Leben ist viel zu kompliziert, um solche Kategorisierungen vorzunehmen.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach "Sylvia"?
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Das Interview führte Rüdiger Sturm
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