23. November 1999, 18:02 Uhr

"The 13th Floor"

Pompöse Cyberwelt

Von Cristina Moles Kaupp

Produzent Roland Emmerich und Regisseur Josef Rusnak servieren mit dem Science-Fiction-Thriller "The 13th Floor" eine Story, die an Klischees und schicken Kulissen erstickt.

Moderne Science-Fiction-Plots beleuchten in der Regel die jahrtausendalte Frage nach dem Sinn und Zweck menschlicher Existenz in reißerischen Szenarien. Die Potenz wuchtiger Animationen als perfekter Nährboden für den Philosophie-Nachhilfekurs im Kinosessel. Zwischen Action und sinnenkitzelnder Ästhetik cool gestalteter Welten stellen Protagonisten die selbstquälerische "Wer bin ich?"-Frage. Doch nicht jedes Resultat hat das Kaliber von "Blade Runner" oder "Matrix".

Software-Spezialist Hannon Fuller (Armin Müller-Stahl) hat sich in die schnieken 30er gebeamt und tanzt mit der geheimnisvollen Jane (Gretchen Mol)
DPA

Software-Spezialist Hannon Fuller (Armin Müller-Stahl) hat sich in die schnieken 30er gebeamt und tanzt mit der geheimnisvollen Jane (Gretchen Mol)

In dem von Roland Emmerich produzierten Thriller "The 13th Floor" regiert der Geschäftsmann Hannon Fuller (Armin Mueller-Stahl) ein bedeutendes Software-Unternehmen. Sein gegenwärtiges Projekt beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz. Ein Spiel in der Testphase, mit dem sich der Chef gern entspannt: Regelmäßig beamt er sich in sein virtuelles Lieblingsjahrzehnt und spielt im glamourösen Ambiente der dreißiger Jahre den edlen Lebemann.

Doch dann wird Fuller dahingeschlachtet, und sein engster Freund und Mitarbeiter, Douglas Hall (Craig Bierko), gerät unter Mordverdacht. Unerklärliche Indizien sprechen für seine Schuld, so dass ihm nichts anderes übrigbleibt, als sich ebenfalls in Fullers Parallelwelt einzustöpseln – denn nur dort kann sich der Mörder verbergen. Ein Spiel mit mehreren Identitäten und Zeitebenen beginnt, eigentlich die ideale Basis für einen vertrackten Krimi im Cyberspace. Wäre da nicht die erdrückende Last pseudo-philosophischer Ansprüche, die der Film zur Erklärung der Geschichte braucht: Hall entdeckt nicht nur die ganze Tragik manipulierter Existenzen, sondern auch das Ende der Welt.

Es offenbart sich inmitten einer Wüste, hinter einer lausigen Straßensperre als grün-schwarze Matrix - das gähnende Nichts. Existiert die Welt nur als pure Vorstellung? Flach wie eine Scheibe, auf der sich unvorstellbare Datenmengen tummeln? Schlagartig rutscht das Niveau von "The 13th Floor" in den Keller: Die Scheinwelt der Dreißiger bedingt den Fake des Jetzt, dadurch wird auch die minutenkurz aufblitzende Zukunft zur Illusion. Doch ausgerechnet dort liegt das allzu menschliche Motiv für Fullers Mord und damit die Rechtfertigung der kruden Story. Eine Idee von Wahrheit mit wenig Vision und schon gar keiner Logik. Die Realität ist ein Datenstrom, und der Mensch des neuen Jahrtausends lebt endlich lustvoll seine Schizophrenie. Schade nur, dass Fleisch immer noch blutet.


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