Von Rüdiger Sturm
Regisseur Emmerich: "Die Meinung meiner Eltern ist mir wichtiger"
Herr Emmerich, nach Ihren Popcorn-Filmen debütieren Sie mit "Der Patriot" als Hollywood-Historiker. Kann so ein Genrewechsel funktionieren?
Roland Emmerich: Ich denke nicht in solchen Schubladen. Die sind doch nur eine Erfindung der Medien. Die Leute, die die Entscheidung in Hollywood treffen, kennen mich viel besser. Die finden es einfach gut, dass ich bei ihrem Film Regie führe.
SPIEGEL ONLINE: Die deutschen Kritiker dagegen verhöhnten Sie mal als "Spielbergle". Geben Sie noch etwas auf die Medienreaktionen in der alten Heimat?
Roland Emmerich: Die sind mir eigentlich egal. Sofern sie sich nicht aufs Einspielergebnis auswirken. Die Meinung meiner Eltern ist mir viel wichtiger.
SPIEGEL ONLINE: Und was meinen die zu "Der Patriot"?
Roland Emmerich: Das war mein erster Film, der ihnen gefallen hat. Früher haben sie immer nur gequält gelächelt.
SPIEGEL ONLINE: Mit Ihren letzten beiden Streifen hatten Sie allerdings größeren kommerziellen Erfolg.
Roland Emmerich: Wenn du einen sehr erfolgreichen Film wie "Independence Day" machst, erwartet jeder aus unerfindlichen Gründen, dass der nächste Film ebenfalls über 700 Millionen Dollar einspielt. Steven Spielberg hat auch seine Höhen und Tiefen.
SPIEGEL ONLINE: "Der Patriot" wurde einhellig zu einem der großen Favoriten des Sommers 2000 erklärt. Jetzt läuft er in den USA sogar schlechter als "Godzilla".
Roland Emmerich: Das waren doch nur ein paar Journalisten, die so etwas vermutet haben.
SPIEGEL ONLINE: Immerhin Journalisten renommierter US-Publikationen, Analysten und viele andere Brancheninsider.
Viel National-Pathos: Emmerichs "Der Patriot"
SPIEGEL ONLINE: Rund 200 Millionen Dollar. So viel wie "Der Soldat James Ryan" mit gleichem Rating und gleicher Länge eingespielt hat.
Roland Emmerich: Das war eine Ausnahme. Irgendwie haben die es geschafft, dass es zu einer nationalen Pflicht wurde, sich diesen Film anzusehen.
SPIEGEL ONLINE: Vielleicht hätten Sie ähnlich super-reale Actionsequenzen wie Ihr großes Vorbild Spielberg bieten sollen.
Roland Emmerich: Ich fand, dass beim "Patriot" nicht der Stil im Vordergrund stehen darf. Hier geht es um die Figuren, die Stimmung und die Landschaft. Ich wollte das Publikum nicht mit modernen Manierismen herausreißen. Jemand wie John Huston macht das auch nicht. Und der ist mein großes Vorbild.
SPIEGEL ONLINE: Zumindest steht "Der Patriot" dem "Soldaten Ryan" beim nationalen Pathos in nichts nach.
Roland Emmerich: Ich empfand das Drehbuch von Robert Rodat als unheimlich differenziert. Das ist auch eine Frage der Sichtweise. Wenn ein Deutscher oder Engländer die amerikanische Flagge zu Gesicht kriegt, dann sieht er immer gleich Rot.
SPIEGEL ONLINE: Vielleicht weil ihnen die Amerikaner diese Fahne so penetrant vors Gesicht halten?
Roland Emmerich: Die Amerikaner haben einen gewissen Stolz, wenn es um die eigene Flagge geht. Und auch zu Recht. Schließlich waren sie es, die die erste Demokratie gegründet haben.
SPIEGEL ONLINE: Das waren doch wohl eher die alten Athener.
Roland Emmerich: Ich meine, auf jeden Fall müssen wir aufpassen, dass wir selbst nicht zu nationalistisch werden und das verteufeln, was die Amerikaner machen. Die Engländer, die sind so sensibel, die regen sich doch schon darüber auf, dass die Handlung von "High Fidelity" aus London nach Chicago verlegt wurde.
SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie mit der Waffe für die amerikanischen Werte gekämpft?
Roland Emmerich: Ich habe schon häufiger mit Freunden die Frage diskutiert, wo ich in solchen Kriegen gewesen wäre. Die Antwort ist: Wahrscheinlich hätte ich mich weit weg im Wald versteckt.
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