Buddy-Komödie "100 Dinge" Nackte Kanonen

Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer in einem Film! Dazu noch die meiste Zeit nackt! Plus Konsumkritik! Ist denn heute schon Weihnachten im Kino? Nein, leider nicht.

Warner Bros.

"Yes! Yes!" In seinem zerwühlten Bett ballt Paul (Florian David Fitz) die Faust: Dank einer selbst entwickelten App, die individuell mit ihm kommuniziert, hat der Sneaker-Fetischist noch vor dem Aufstehen ein richtig schönes Online-Schnäppchen gemacht. Gleich wird er seine Erfindung mit seinem Kumpel und Start-up-Geschäftspartner Toni ( Matthias Schweighöfer) auf einem Ideen-Pitch dem Guru David Zuckerman vorstellen.

Er wird dabei allerdings auch erkennen müssen, dass Toni jahrelang heimlich seine Daten gesammelt und ihn als Probanden für geschickt personalisierte Kaufempfehlungen benutzt hat.

Der Zorn über diesen Verrat und Pauls plötzlich sich bahnbrechender Wunsch, keine "Konsumschlampe" zu sein, führen zum zentralen Plot-Motiv von "100 Dinge". Auf der Betriebsfeier, auf der eigentlich das Millionen-Angebot von Zuckerman begossen werden soll, schaukeln sich Paul und Toni im Streit zu einer Wette hoch: 100 Tage wollen sie ohne Besitz verbringen, nach jedem Tag dürfen sie sich einen Gegenstand ihrer Wahl zurückholen, wer vorher schlappmacht, muss seine Firmenanteile dem Kollegen überschreiben. Dann werden die Tage hochgezählt.

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"100 Dinge": Worauf kannst du verzichten?

Für Freundinnen und Freunde nicht ganz so subtiler Effekte hat diese Versuchsanordnung einen Vorteil: Wörtlich verstanden, gibt sie dem Drehbuchautor und Regisseur Florian David Fitz Gelegenheit, sich und seinen Co-Star (und Produzenten) Matthias Schweighöfer ausgiebig nackt zu inszenieren. In Lofts, in Treppenhäusern, im Schneegestöber auf der Straße - überall präsentieren die Schauspieler zu einem umfangreichen Soundtrack ihre auftrainierten Körper und gern bringen sie, wenn sie wie Fußballer in der Freistoß-Mauer das Nötigste mit den Händen bedecken, die Brustmuskulatur besonders zur Geltung.

Fitz und Schweighöfer, die schon 2016 in der Zwei-Todkranke-auf-letzter-Reise-Komödie "Der geilste Tag" gemeinsame Sache gemacht haben, wissen wohl, was ihr Publikum sehen will, und zeigen sich als gute Dienstleister. Auf sprachlicher Ebene geht es derweil derb zu. Da wird gescherzt, ein Penis sehe "wie 'ne Python mit 'nem Rollkragenpullover" aus, oder man fragt den anderen freundlich: "Hat dir jemand die Hirnschale abgenommen und reingeschissen?"


"100 Dinge"
Deutschland 2018
Buch und Regie: Florian David Fitz
Darsteller: Florian David Fitz, Matthias Schweighöfer, Miriam Stein, Hannelore Elsner, Wolfgang Stumph, Katharina Thalbach, Maria Furtwängler
Produktion: Erftal Film, Pantaleon Films, Warner Bros.
Verleih: Warner Bros. GmbH
FSK: 6
Länge: 110 Minuten
Start: 6. Dezember 2018


Aber darin erschöpft sich die Ambition der Filmemacher nicht. Autor Fitz will auch seine konsumkritische Botschaft unters Volk bringen - und neben der "Bromance" von Paul und Toni noch eine richtige Romanze bieten. Deshalb begegnen die beiden in den Hallen, in denen ihre Sachen eingelagert sind, der mysteriösen Lucy (Miriam Stein), die sich als Shoppingsüchtige mit einem "Loch in der Seele" entpuppt. Und deshalb werden mit Pauls Eltern (Hannelore Elsner, Wolfgang Stumph) und Großmutter ( Katharina Thalbach) gutherzige Gespräche über Glück und Besitz geführt. "Ihr hattet wenigstens den Krieg", seufzt der vom Sneaker-Sammeln übersättigte Paul einmal, weil die Oma bei ihrer Flucht übers Haff alles in einen Koffer packen musste.

Natürlich sind auch ein paar gelungene Gags dabei. Lustig etwa der Auftritt von Artjom Gilz als Kapuzenpulli tragender, großspurig-gönnerhafter Mark-Zuckerberg-Verschnitt. Oder die Sexszene in "50 Shades of Grey"-Manier, in der Lucy dem lädierten Toni Teebeutel auf die Augen bindet.

Im Video: Der Trailer zu "100 Dinge"

Warner Bros.

Das Grundproblem von "100 Dinge" ist nur, dass man grell überzeichneten Slapstick-Charakteren halt schwerlich tiefgründige Diskussionen und Konflikte abnimmt. Deswegen ist die Frage, was aus dem Deal mit Zuckerman wird, letztlich genauso egal wie der Ausgang der Wette. Manchmal erschließt sich auch gar nicht unmittelbar, warum Paul und Toni denn nun schon wieder so leidenschaftlich aufeinander losgehen - ach so, die unvergessene gemeinsame Jugendliebe Anna Knoske, klar.

Das beste Fazit zum Film liefert am Ende Lucy. Als Toni sie - schon wieder nackt! - mit "Fünf Dingen, ohne die ich nicht leben könnte" beeindrucken will, sie aber nur vier sieht, erkennt sie mit Verzögerung die Pointe und sagt: "Das ist so schlecht, fast schon wieder süß." Genau. Aber nur fast.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
ortibumbum 03.12.2018
1. Dumm
Noch so ein Blödsinn. T. Schwaiger mit seinen "Mannen" tragen zur Verblödung des D. Volkes bei. Und die Menschen mögen das offensichtlich. Wie weit ist dieses Volk der Dichter und Denker gesunken?
inovatech 03.12.2018
2. Hilfe
Nein, bitte nicht noch so ein "Highlight".
kraftmeier2000 03.12.2018
3. Wer schaut
sich nur solch einen Mist an? Habe nur den Trailer im Kino gesehen, und das war schon zu viel. Schweighöfer und Co., einfach nur peinlich!
joenzon 03.12.2018
4. Wahnsinn
Schweighöfer und Fitz, gehts eigentlich noch schlimmer in der deutschen Filmlandschaft. Gibt es eigentlich eine Bezeichnung für das Niveau?
Alexis_Saint-Craque 03.12.2018
5. Young guns, halbalt
Das Halbalte wird durch das Infantile scheinbar nochmals jung. Dabei betont es eher das Alte. Ich freue mich, dass die alternde Zielgruppe sich nochmals geil im Sparwitz finden kann. Und total jung. So flippig untenrum.
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