"13 Geister" Teuflischer Trash

Remakes billiger Horrorfilme liegen in Hollywood schon länger im Trend. Für seine Version des Gruselschockers "13 Geister" übte sich Regie-Neuling Steve Beck in gezielter Qualitätsverweigerung, um dem B-Movie-Charakter des Originals von 1960 möglichst treu zu bleiben. Eine Rechnung, die leider nicht aufging...

Von Manfred Müller


Kaum mehr als ein Blickfang: Shannon Elizabeth in "13 Geister"
Columbia TriStar

Kaum mehr als ein Blickfang: Shannon Elizabeth in "13 Geister"

Alles dreht sich im Kreis. Der Ort des Geschehens sieht aus, als hätte sich ein Uhrmacher in Bauhausarchitektur versucht. Kein viktorianisches Spukschloss wie im Original, sondern eine postmoderne Installation aus Stahl und Glas, in deren Innerem Metallringe zirkulieren. So präsentiert sich das Haus des exzentrischen Geisterjägers Cyrus Kriticos (F. Murray Abraham), der im Rahmen seiner okkulten Passion gleich zu Beginn des Films das Zeitliche segnet: als geschmackvolles und originelles Interieur von rätselhafter geometrischer Ordnung. Leider zieht "13 Geister" jedoch noch eine weitere Analogie zum Kreismotiv: Der Film ist so absehbar wie der Lauf des Zeigers über das Zifferblatt.

Nach teils blutrünstigem, teils rührseligem Intro erbt Cyrus' verwitweter Neffe Arthur (Tony Shalhoub) die exklusive Behausung. Seine beiden Kinder sind spontan begeistert. Die hübsche Teenagerin Kathy (Shannon Elizabeth) erfreut sich am mondänen Schick der Nasszellen. Ihr kleiner Bruder Bobby hat mehr Freude an den verwinkelten Fluren, wo er dem gestressten Kindermädchen Maggie (Rapperin Rah Digga) auflauern kann.

Fest der Maskenbildner: Effektvoll sind in "13 Geister" nur die Freaks
Columbia TriStar

Fest der Maskenbildner: Effektvoll sind in "13 Geister" nur die Freaks

Durch eine vorauskalkulierte Unachtsamkeit des Verstorbenen gerät bald darauf das geheime Räderwerk der Architektur in Bewegung. Wände verschieben sich, gerade noch passierte Durchgänge sind plötzlich versperrt, andere öffnen sich und führen die neuen Besitzer immer tiefer in das mechanische Labyrinth. Aufklärung bringt schließlich ein früherer Adlatus des Onkels (Matthew Lillard), der wegen ausstehender Honorare bei den Erben vorstellig wird: Das ganze Haus, erklärt er, ist eine satanische Höllenmaschine. Im Keller öffnen sich der Reihe nach gläserne Kabinette, in denen ein Dutzend Geister hinter Bannsprüchen unter Verschluss gehalten wurden. Damit die Maschine ihre Bestimmung erfüllt und eine Pforte zur Verdammnis öffnet, muss noch ein 13. Geist her. Und natürlich gibt es keinen Zweifel, aus welchem Personenkreis sich das fehlende Gespenst rekrutieren soll...

Was nun folgt, ist kaum spannender als ein monotones Jump'n'Run-Spiel von der Videokonsole. Die Familienmitglieder werden getrennt und finden wieder zusammen, während ihnen die wüsten Monster immer dicht auf den Fersen sind. Dekorative Elemente wie ein kleiner Junge mit Tomahawk im Schädel, ein wandelnder Torso in Plastikfolie oder einschlägige Freaks mit aufgeschlitzter Brust, verbrannten Gesichtern oder Nägeln im Kopf sorgen für die nötigen Schockeffekte.

Wo die Maskenbildner weniger dick auftragen konnten, wird trotz halbwegs prominenter Besetzung bald ein eklatanter Mangel an schauspielerischer Potenz spürbar. Shannon Elizabeth, das Appetithäppchen aus "Scary Movie" und "American Pie", bietet kaum mehr als Blickfang, Rapperin Rah Digga im Klischee der schlagfertigen Dienstbotin findet bei ihrem Kinodebüt keinen Anschluss zur Handlung. Ihre Rolle wirkt wie nachträglich einkopiert als Referenz an die jugendliche HipHop-Klientel im Kinopublikum. Tony Shalhoub, zuletzt brillant als pompöser Anwalt Freddy Riedenschneider in "The Man Who Wasn't There", ist in seiner Blässe kaum wieder zu erkennen. Und selbst Embeth Davidtz, die der geplagten Familie als militante Okkultistin zu Hilfe kommt, lässt vergessen, dass man sie eigentlich aus "Schindlers Liste" oder "Mansfield Park" in guter Erinnerung behalten hat.

Szene mit Matthew Lillard (r.) und Tony Shalhoub (v.): Aufwendiges Interieur, müde Darsteller
Columbia TriStar

Szene mit Matthew Lillard (r.) und Tony Shalhoub (v.): Aufwendiges Interieur, müde Darsteller

Natürlich hat das alles auch Methode. Die Filmemacher gefallen sich in der gezielten Qualitätsverweigerung, während das B-Picture-Flair der sechziger Jahre seine Renaissance erlebt. Bereits vor zwei Jahren brachte das Produzentengespann Joel Silver und Robert Zemeckis mit "Haunted Hill" das Remake eines William-Castle-Klassikers in die Kinos. Castle, ein klassischer Low-Budget-Regisseur, hat mit "Das unheimliche Erbe" auch die Vorlage zu "13 Geister" geliefert, die Silver und Zemeckis dem Effektspezialisten Steve Beck für sein Regiedebüt anvertrauten. Viel mehr als sein aufwendiges Set-Design konnte Beck jedoch nicht wirkungsvoll ins Bild rücken. Der plakative Retro-Stil allein hat noch keinen Unterhaltungswert.

"13 Geister" (Thirteen Ghosts). USA 2001. Regie: Steve Beck. Drehbuch: Neal Marshall Stevens, Richard D'Ovidio; Darsteller: Tony Shalhoub, Embeth Davidtz, Matthew Lillard, Shannon Elizabeth, Rah Digga, F. Murray Abraham; Produktion: Dark Castle Entertainment; Verleih: Columbia TriStar; Länge: 91 Min; Start: 17. Januar 2002.



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