Action-Komödie "21 Jump Street": Undercover unter Hipstern

Von Anna Kohn

Wer Penis-Witze mag, wird diesen Film lieben: Die unterhaltsame Kinoadaption des TV-Klassikers "21 Jump Street" bietet aber nicht nur Scherze unter der Gürtellinie, sondern liefert auch ein Update in Sachen Highschool-Hackordnung -  und einen Kurzauftritt von Johnny Depp.

Erwachsenwerden ist kein Spaß. "21 Jump Street" zum Glück schon. Die Kinoadaption der Teenie-TV-Serie bietet nicht nur die Chance, die Qualen der Identitätsfindung noch einmal mitzuerleben - sondern dabei auch laut zu lachen.

Die Geschichte beginnt da, wo das Zielpublikum dieser Action-Komödie wahrscheinlich auch die meiste Zeit verbringt: in der Schule. Schmidt (Jonah Hill), etwas pummelig, aber schlau, ist der Prototyp des Highschool-Losers. Abschlussball-König Jenko (Channing Tatum) hingegen sieht super aus, ist aber leider nicht die hellste Kerze auf der Torte. Da der Gegensatz von Nerd und Sportass reichlich Wiedererkennungswert hat, nimmt sich das Regiedoppel Phil Lord und Christopher Miller ("Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen") zum Glück nur wenige Minuten, um die Vergangenheit von Schmidt und Jenko zu skizzieren. Danach schicken sie die beiden auf die Polizeiakademie, wo aus Feinden erst Zweck- und dann richtige Freunde werden.

Mit vereinten Kräften schafft es das ungleiche Paar dann auch durch die Polizeiausbildung: Schmidt hilft Jenkos Gehirn auf die Sprünge, und Jenko scheucht seinen Freund durch die Sportprüfungen. Leider vermasseln die Jungs ihre erste Festnahme und werden zur Einheit von Captain Dickson strafversetzt. Dessen Hauptquartier liegt dann auch tatsächlich in der guten alten 21 Jump Street. Dickson, gespielt von einem bissigen Ice Cube, schmuggelt jugendlich aussehende Polizisten als Undercover-Agenten in Schulen ein. Also tauschen Schmidt und Hill ihre Uniformen wieder gegen T-Shirts und gehen zurück an die Highschool, wo sie einen florierenden Drogenhandel aufklären sollen.

Die Öko-Hipster sind jetzt die coolen Kids

Mit diesen Story-Basics enden dann auch die Ähnlichkeiten zur Achtziger-Jahre-Fernsehserie. Wer ein ernstgemeintes Remake des TV-Klassikers erwartet hat, wird von diesem Film enttäuscht werden. Das gesellschaftliche Problembewusstsein, die unvergleichliche Eighties-Optik und der eher unschuldige Humor: All das hat der Film nicht.

Immerhin ist Johnny Depp, der Schauspieler, den die Serie einst berühmt machte, kurz zu sehen: Er hat einen Kurzauftritt, natürlich als Undercover-Cop. "21 Jump Street" im 21. Jahrhundert heißt ansonsten aber: jede Menge Klamauk, Action - und Selbstironie.

Fotostrecke

6  Bilder
Kino-Remake "21 Jump Street": Frischzellenkur mit Jonah Hill

Die Highschool-Welt, die Schmidt und Jenko aus ihrer eigenen Schulzeit kannten, die gibt es nämlich auch nicht mehr. Die Öko-Hipster sind plötzlich die coolen Kids, und dazwischen gibt es auch noch Emos und Mädels, die aussehen wie japanische Anime-Figuren. Ständig tippt irgendwer auf seinem Smartphone herum, und Party-Einladungen postet der Teenager von heute auf Facebook.

Schmidt und Jenko - und mit ihnen alle Kinobesucher über 20 - gehören nicht mehr zu dieser Generation. Gerade deshalb macht es aber solchen Spaß, den beiden dabei zu zu gucken, wie sie sich ihren jeweiligen Platz in der Highschool-Hierarchie suchen. Denn bei Schulbesuch Nummer zwei werden die Karten neu gemischt: Schmidt und Jenko verwechseln ihre Decknamen, so dass Alphatier Jenko den Leistungskurs Chemie besucht, während Moppel-Schmidt die Hauptrolle im Schulmusical bekommt. Plötzlich entwickeln sich beide in ungeahnte Richtungen - und versuchen dabei weiter, den Drogenhandel aufzudecken.

Ein, zwei sinnvolle Handlungselemente mehr

Die beiden Hauptdarsteller gehen voll auf in dieser klamaukigen Geschichte. Dass Jonah Hill, den man sonst aus "Männertrip" und "Superbad" kennt, witzig sein kann, war klar. Channing Tatum aber spielt normalerweise den Helden oder den Liebhaber, auf jeden Fall Rollen, für die man ein kantiges Kinn braucht. Hier aber beweist Tatum ein erstaunliches Talent für Komik und bringt eine Wärme in seinen Charakter, die dem Highschool-Bully normalerweise abgeht.

Und so stolpern die beiden Undercover-Agenten zusammen in ein Finale, bei dem ordentlich geschossen wird und einiges in die Luft fliegt. Bei der Action in dieser Komödie hatte wahrscheinlich der Produzent seine Finger im Spiel: Neal H. Moritz war schon für die "The Fast and the Furious"-Reihe verantwortlich. Die obligatorische Verfolgungsjagd findet am Ende auch noch statt, wobei Schmidt und Jenko in diesem Fall leider keinen Sportwagen zur Verfügung haben.

Apropos Finale: Das kommt ein bisschen spät. Der Film dauert rund 110 Minuten, und dafür, dass die Handlung am Ende einige recht unwahrscheinliche Wendungen nimmt, ziehen sich diese doch etwas. Ein, zwei derbe Witze weniger, und ein, zwei erklärende Handlungselemente mehr, und diese Komödie hätte tatsächlich alle Lacher auf ihrer Seite gehabt.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass Johnny Depp einen Kurzauftritt als Verbrecher habe. Das trifft nicht zu, vielmehr arbeitet er als Undercover-Ermittler für die Drug Enforcement Administration. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Keine Ideen mehr?
Barath 09.05.2012
Zitat von sysopSony PicturesWer Penis-Witze mag, wird diesen Film lieben: Die unterhaltsame Kinoadaption des TV-Klassikers "21 Jump Street" bietet aber nicht nur Scherze unter der Gürtellinie, sondern liefert auch ein Update in Sachen High-School-Hackordnung - und einen Kurzauftritt von Johnny Depp. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,822831,00.html
Wenn man was ganz "neues" macht, warum nennte man es dann wie was ganz altes?
2.
noidea 09.05.2012
Zitat von sysopSony PicturesWer Penis-Witze mag, wird diesen Film lieben: Die unterhaltsame Kinoadaption des TV-Klassikers "21 Jump Street" bietet aber nicht nur Scherze unter der Gürtellinie, sondern liefert auch ein Update in Sachen High-School-Hackordnung - und einen Kurzauftritt von Johnny Depp. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,822831,00.html
Der Autor dieses Artikels scheint die Szene mit Johnny Depp nicht verstanden zu haben. Er arbeitet für die DEA. Das steht für "Drug Enforcement Administration" und ist die amerikanische Antidrogenbehörde.
3. Hat der Autor
me1977 09.05.2012
den Film überhaupt gesehen? Johnny Depp tritt als Verbrecher auf? Am besten sollte man über Filme schreiben wenn man sie denn ach gesehen hat...
4. Echt sehenswert!
Ischi 09.05.2012
Wie bitte schafft es Jonah Hill, in "Sitter" total fett und pummelig zu sein udn hier sieht er aus als wäre er echt 10 Jahre jünger! Tolle Komödie! Wer Jonah Hill Fan und NWAA Musik mag ist hier richtig!
5. optional
philbird 09.05.2012
Der Film istv wirklich sehenwert. Wie man allerdings Depps Auftritt spoilern kann spricht nur für die Inkompetenz der Spiegel-Kino Sektion.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Kino
RSS
alles zum Thema Kino
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 6 Kommentare

21 Jump Street

USA 2012

Regie: Phil Lord, Chris Miller

Buch: Michael Bacall

Darsteller: Jonah Hill, Channing Tatum, Brie Larson, Ice Cube, Nick Offermann, Ellie Kemper

Produktion: Columbia Pictures, MGM, Relativity Media

Verleih: Sony Pictures

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Start: 10. Mai 2012

Fotostrecke
Retro im TV: Was "Dallas" von "Deadwood" lernen kann