"3 Engel für Charlie" Die Engel schwebten im Privatjet ein

Spagat, Löwenmähne, High-Heels und Colgate-Lächeln: "Drei Engel für Charlie" feierte in Berlin Deutschlandpremiere. Drew Barrymore und Lucy Liu hatten ihren großen Auftritt im Cinestar am Potsdamer Platz.

Von Harriet Dreier


Say "Cheese": Mit strahlendem Colgate-Lächeln präsentierten sich Lucy Liu und Drew Barrymore
Foto: Hercher

Say "Cheese": Mit strahlendem Colgate-Lächeln präsentierten sich Lucy Liu und Drew Barrymore

Am gestrigen Freitag waren in Berlin himmlische Zeiten angebrochen. Zwei Engel für Charlie, Drew Barrymore ("Ungeküsst") und Lucy Liu (die Giftspritze aus "Ally McBeal"), waren in die Hauptstadt mit einem Privatjet aus London eingeschwebt, wo sie eben noch Teatime mit Prinz Charles genossen hatten.

Die neuen Stars der wiederaufgelegten US-Kultserie der 70er Jahre, "Drei Engel für Charlie", wurden in Berlin mit Jubel begrüßt. Die Fans hatten Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, nur um ein Autogramm von ihren Engeln zu erhalten. Hinter den Absperrungsgittern am roten Teppich wurde gejohlt, gedrängelt, applaudiert - einige professionelle Autogrammjäger trugen sogar Pappschilder mit der Aufschrift "Autograph here".

Die 32-jährige Liu in ihrem frostblauen Kleid setzte trotz Eiseskälte und gewagtem Rückenausschnitt ihren begehrten Namen unter etliche Bildkarten und auch die frischgetraute Barrymore, die ihren Mann, US-Comedy-Star Tom Green im Schlepptau hatte, signierte mit Engelsgeduld die Fanartikel. Nicht dabei war der dritte Engel, gespielt von Cameron Diaz. Diese war zu Dreharbeiten in Hollywood.

Verbrecherjagd mit wippendem Busen, knappe Bikinis, tiefe Einblicke, schnelle Autos, dicke Kanonen, dazu reichlich Lippgloss und stufige Fönwellen: Die Nähe zur 30 Jahre alten TV-Kultserie ist unverkennbar. Auch im über 80 Millionen teuren Kinoremake rücken die Geheimagentinnen mit dem unbekannten Auftraggeber "Charlie" den bösen Buben auf den Leib.

Diesmal geraten die Engel in ein hinterhältiges Täuschungsmanöver des Software-Milliardärs Eric Knox (Sam Rockwell). Anders als beim 70er Jahre-Klassiker haben die drei Schönen einen weiteren Engel zur Verstärkung bekommen: Bill Murray spielt "Bosley", Charlies ulkigen und nichtsnutzigen Adjutanten.

Außerdem zeigen die neuen Actionladys ihre akrobatischen Spagatsprünge und ausgefeilten Karatekniffe in Zeitlupe. Komisch überspitzt und filmisch aufwendig in Szene gesetzt sind die sportlichen Höchstleistungen der Hollywood-Diven, die für ihre Rollen monatelang hart trainieren mussten.

Liu: "Wenn wir am Set waren und Actionszenen gedreht haben, die mal wieder sehr schmerzhaft waren, haben wir hinterher jemanden aus der Crew angegrinst und gesagt: "Es ist verdammt hart, eine Action-Heldin zu sein.'"

War so frei, zur Premiere erscheinen zu dürfen: Martin Semmelrogge mit Tochter Conny
Foto: Hercher

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Flokati, Spacebrillen und Discohits - nach dem jüngsten Seventies-Revival liegt die Ästhetik des Films genau im Trend. Bei aller Liebe zum Detail haben die Macher offenbar vergessen, dem Spektakel ein wenig Inhalt beizugeben. Der Streifen ist zwar sichtlich bemüht um den Einfallsreichtum eines James Bond und die coole Komik von "Pulp Fiction", doch am Ende fragt man sich, wieso so viel Action so öde sein kann.

Die Story ist dünn, der Humor amerikanisch - da helfen auch keine Flic-Flacs und fliegenden Kostümwechsel. Dennoch ist der neueste Wurf von Produzent Leonard Goldberg auch bei uns sicher bald ein Kassen-Knüller - in den USA erstürmten die Engel sofort den ersten Platz der Kinocharts. Das deutsche Premieren-Publikum jedenfalls brach nach der Vorführung in frenetischen Beifall aus. Vielleicht, weil die 26-Jährige Barrymore vorher angekündigt hatte: "Das war einer der lustigsten Filme, die ich je gedreht habe. Ich hoffe, Sie lieben diesen Film, steigen danach in ihr Auto, fahren zur nächsten Party und fühlen sich einfach sexy."

Die nächste Party kam sofort im Anschluss: Im noch nicht für den Autoverkehr geöffneten Tiergarten-Tunnel stieg die Feier zur Premiere. Auf rund 600 Metern Röhrelänge feierten prominente Kinogäste wie die Schauspieler Heiner Lauterbach mit Freundin Viktoria Skarf, Martin Semmelrogge, Richy Müller, Claude-Oliver Rudolph und Ex-Porno-Queen Gina Wild, Regisseur Leander Haußmann sowie DFB-Arzt Hans Müller-Wohlfahrt.

"Tatort"-Kommissar Dominic Raacke wünschte sich für seine nächsten Kriminalfälle auch solch tolle Assistentinnen wie die drei Engel. "Das wäre klasse." Am kommenden Donnerstag kommt der Film bundesweit in die Kinos.



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