"9½ Wochen"-Macher Zalman King Hollywood trauert um seinen Erotik-König

Mit den Filmen "9½ Wochen" und "Wilde Orchidee" wurde er weltberühmt, Regie-Kollegen holten sich bei ihm Rat: Der amerikanische Schauspieler und Filmemacher Zalman King hat sich vor allem einen Namen als Erotik-Regisseur gemacht. Im Alter von 69 Jahren erlag er seinem Krebsleiden.

AP/ Allison Burnett

Hamburg - Er setzte Erotik in Szene wie kaum ein anderer. Mit Gegenlichtaufnahmen, dem Spiel mit Licht und Schatten und Close-ups brachte Zalman King als Regisseur und Drehbuchautor Leidenschaft und Begierde knisternd und zugleich ästhetisch auf die Leinwand. Nach seinen Anweisungen entstanden die wohl berühmtesten Erotikszenen der Kinogeschichte: Kim Basinger und Mickey Rourke in "9½ Wochen", er streicht ihr mit Eiswürfeln über den Körper, mit Pudding, mit Erdbeeren.

Nun trauert Hollywood um Zalman King. Der amerikanische Schauspieler, Regisseur und Produzent ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Nach Angaben seines Schwiegersohns Allison Burnett erlag er am Freitagmorgen in Santa Monica einem Krebsleiden. Sechs Jahre habe King gegen die Krankheit gekämpft, seine Frau sei bei seinem Tod bei ihm gewesen, so Burnett laut CNN.

Mit seiner Frau Patricia Louisiana Knopp hatte King das Drehbuch für "9½ Wochen" geschrieben, Adrian Lyne führte Regie. Das Erotikdrama um ein Paar, das sich kaum kennt und vor allem durch leidenschaftliche Körperlichkeit miteinander verbunden ist, brachte King 1986 den internationalen Durchbruch und wurde zu einem Kulthit. Zu seinen weiteren Erfolgen gehören "Wilde Orchidee" (1989) und "Two Moon Junction - Fesseln der Leidenschaft" (1995). Seine Filme brachten ihm Spitznamen wie "Hollywoods Grand-Voyeur" ein.

Doch King, am 23. Mai 1942 als Zalman Lefkovitz in Trenton, New Jersey, geboren, war weit mehr als nur ein Erotik-Regisseur. King begann seine Karriere in den sechziger Jahren als Schauspieler, an der Seite von James Caan und Walter Koenig in einer Episode von "Alfred Hitchcock Presents". In den Siebzigern spielte er einen Anwalt in dem Fernsehdrama "The Young Lawyers", war außerdem in den Serien "Bonanza" und "Gunsmoke" zu sehen. In den Achtzigern zog es King hinter die Kamera.

Dokumentationen über Musiker

"Zalman war ein außergewöhnlicher Mann und Künstler, sehr viel komplexer und menschlicher als die, die ihn nur aus der Ferne kennen, meinen würden", sagte Burnett. Sein Schwiegervater habe eine "einzigartige Vision" gehabt.

Offenbar suchten sogar berühmte Regie-Kollegen bei King Unterstützung. Burnett erinnert sich, dass Regisseur Stanley Kubrick während seiner Arbeit an dem Film "Eyes Wide Shut" jede Nacht bei King angerufen habe, weil "er lernen wollte, wie man Erotik filmt", berichten CNN und das Hollywood-Portal "TheWrap".

In späteren Jahren konzentrierte sich King auf Dokumentationen über Musiker. So führte er bei Filmen über die Country-Sänger Willie Nelson und Dale Watson sowie über den Musiker Toledo Diamond Regie. Außerdem habe King Videos für Rap-Gruppen gedreht, im allgemeinen ohne Bezahlung, sagte Burnett "TheWrap". "Er liebte es, Künstler zu unterstützen, wo auch immer er konnte", so der Schwiegersohn über King.

Schaupieler Charlie Sheen, ein langjähriger Freund Kings, zollte dem Regisseuer auf seiner Facebook-Seite Respekt. "Die Welt hat heute eine brillante und edle Seele verloren", schrieb Sheen am Freitag laut "TheWrap". Er sei seit 40 Jahren mit King befreundet gewesen, der nun den Kampf gegen den Krebs verloren hat. King habe "bis zum bitteren Ende" gekämpft.

King hinterlässt seine Frau Patricia Louisiana Knopp und die beiden gemeinsamen Töchter, Drehbuchautorin Chloe King und Künstlerin Gillian Lefkovitz.

siu/Reuters/dapd



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