Nick-Hornby-Verfilmung Runter kommen sie immer

In Nick Hornbys Roman "A Long Way Down" versuchen es vier Fast-Selbstmörder doch noch mal mit dem Leben. Nun kommt die Komödie mit Pierce Brosnan ins Kino. Findet der Film die Balance zwischen bitterem Thema und schwarzem Humor?

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Anders als die meisten Schriftsteller hatte Nick Hornby bislang viel Glück mit den Verfilmungen seiner Bücher. Für die entzückende Filmversion seiner Fußball-Fanatiker-Saga "Fever Pitch" von 1997 hatte er noch selbst das Drehbuch geschrieben, "About A Boy" mit Hugh Grant und "High Fidelity" mit John Cusack wurden auch ohne sein weiteres Zutun viel geliebte Kinoklassiker. Selbst die spätere Hollywood-Fassung von "Fever Pitch" (über Baseball statt Fußball) ist überraschend erträglich geraten. Ein schönes Bündel Gründe, sich nun auch auf die Verfilmung von "A Long Way Down" zu freuen.

Wer das Buch mochte, tat das wahrscheinlich wegen der besonderen Mischung aus melancholischer Warmherzigkeit und trockenem schwarzen Humor; wer es nicht mochte, fand meist, dass man nicht so leichtfüßig über das Thema Selbstmord schreiben könne.

Denn Hornby versammelte im Roman vier angehende Selbstmörder (einen abgetakelten TV-Moderator, eine überforderte Mutter, eine manisch-depressive Politikertochter und einen gescheiterten Musiker) auf einem Londoner Hochhaus, die dann nach einigem lustigen Hin und Her doch nicht springen und danach gemeinsam versuchen, sich wieder im Leben zurechtzufinden. Nicht jedem ist bei dem Thema zum Scherzen zumute.

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Hornby-Verfilmung: Suizid sentimental
Trotzdem beginnt die Verfilmung von Pascal Chaumeil ("Der Auftragslover") ganz selbstbewusst im Geiste des Buches. Da steht Pierce Brosnan in der Neujahrsnacht als abgewrackter Fernsehschleimbeutel Martin Sharp an der Dachkante des Hochhauses und kommentiert sein verpfuschtes Leben (Sex mit einer Minderjährigen, Karriereende, Knast, Familie kaputt) aus dem Off mit so viel zynischer Selbstgefälligkeit, dass ihn mancher Zuschauer wahrscheinlich gern selbst schubsen würde. Bis er von einer Frauenstimme aus seinem Gejammere gerissen wird: "Entschuldigung, brauchen Sie noch lange?"

Suizid-Idee als vorübergehende Laune

Die kommt von Toni Collette, die sich als verzweifelte Hausfrau Maureen mittlerweile oben angestellt hat. Gleich danach tauchen Imogen Poots als verzogenes Society-Mädchen Jess und Aaron Paul als trauriger Pizza-Auslieferer JJ auf und stellen sich dazu. Mit Publikum kann Martin aber nicht, und den anderen ist der Trubel dann auch zu groß, also beschließt man, das Lebensende auf einen ruhigeren Abend zu verschieben. Die vier schließen einen Pakt: kein Selbstmord bis zum Valentinstag - bis dahin versucht man sich gegenseitig davon zu überzeugen, dass das Leben vielleicht doch noch lebenswert ist.

Etwa 20 Minuten lang ist das alles ziemlich lustig. Aber während die vier Helden dann doch lieber den Fahrstuhl runter vom Hochhaus nehmen, ist es der Film, der erst langsam und dann sehr unaufhaltsam seinen Absturz erlebt.

Denn wo das Buch den gemeinsamen Weg der vier Gescheiterten noch ziemlich holprig hat werden lassen, ist im Film nicht viel mehr als ein gemütlicher Spaziergang übrig geblieben. Die Selbstmordabsichten wirken bei allen schnell nur noch wie eine vorübergehende Laune, über deren tieferen Kern kaum reflektiert wird. Stattdessen gibt es ein paar angestrengt witzige Verwicklungen beim Medienansturm, der die vier nach Bekanntwerden ihrer Aktion zu umtosen beginnt, und einige zunehmend müde Späße beim gemeinsamen, endlos ausgewälzten Teneriffa-Urlaub (der im Buch nur ein paar Seiten eingenommen hat).

Wirklichen Spaß bereitet irgendwann nur noch Imogen Poots, die sich als hysterische und unkontrollierbare Jess auch dann noch ein Stück von ihrem anarchischen Selbst bewahrt, als sich die anderen längst dem glatt gebügelten Erbauungskitsch hingegeben haben. Für "A Long Way Down" ist die Selbstmordgeschichte nicht mehr als ein praktischer Ausgangspunkt für eine außergewöhnlich platte, harmlose Komödie - der Film nimmt weder seine Figuren noch sein eigentliches Thema ernst. Und damit auch nicht sein Publikum. Es gibt im Kino kaum Schlimmeres.


A Long Way Down. Start: 3.4. Regie: Pascal Chaumeil. Mit Pierce Brosnan, Toni Collette, Imogen Poots, Aaron Paul.

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bluejuly 03.04.2014
1. Leider
sah schon der Trailer danach aus. Fand das Buch super, der Film sah aber leider stark nach gewöhnlicher Hollywood-Komödie aus. Wobei ich nichts gegen plattgebügelte Hollywood-Komödien habe (in Maßen), hier hatte ich mir aber etwas anderes vorgestellt. Schade drum.
schwampf 03.04.2014
2. wen wundert's
Schließlich war ja auch das Buch schon schlecht. Wie bei allen Hornby-Büchern seit spätestens 'About a Boy' handelt es sich um nichts als eine sozial engagierte Tränendrüsenschnulze, die die Coolness, welche in Fever Pitch und High Fidelity (tolle Bücher) noch echt war, lediglich vorgaukelt.
susevonmolke 07.04.2014
3. Nicht unbedingt sehenswert
Tatsächlich hat mich von Anfang an gestört, dass es vier Stereotypen gibt: Der TV-Star, der über eine Affäre stolpert, das ewige Mauerblümchen, die Chaotin und der erfolglose Künstler. Kennt man alles schon. Am Ende ist Toni Colette dann geschminkt und kein Mauerblümchen mehr und alle anderen sind auch glücklich. Aha. Man nimmt den Protagonisten die tiefe Seelenpein einfach nicht ab, die zu einem Selbstmordversuch führen. Zu oberflächlich.
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