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"Abwärts"-Regisseur: Carl Schenkel in den USA gestorben

Er galt einmal als Hoffnungsträger des deutschen Films: Carl Schenkel wurde in den achtziger Jahren mit dem Fahrstuhl-Thriller "Abwärts" und dem Drama "Zwei Frauen" bekannt. Der aus der Schweiz stammende Regisseur und Drehbuchautor starb im Alter von 55 Jahren in seiner Wahlheimat Los Angeles.

Filmemacher Schenkel: Spezialist für psychologische Thriller
DPA

Filmemacher Schenkel: Spezialist für psychologische Thriller

München/Los Angeles - Schenkel starb bereits am vergangenen Montag, teilte eine Freundin des Regisseurs am Donnerstag in München mit. Sein Tod sei ganz überraschend gewesen. Er sei von einer Reise zurückgekommen und an Herzversagen gestorben. Der Filmemacher und Drehbuchautor soll am 19. Dezember in der Schweiz beerdigt werden.

Der in Bern geborene Filmemacher lebte seit Jahren in den USA, wo er unterem den Schach-Thriller "Knight Moves - Ein mörderisches Spiel" mit Christopher Lambert in der Hauptrolle, das Action-Abenteuer "Tarzan And The Lost City" und den Horrorfilm "Die Hexen von Bay Cove" gedreht hat.

In Deutschland hatte er sein Filmdebüt 1981 mit dem Szene-Thriller "Kalt wie Eis". In den Hauptrollen spielten unter anderem der Einstürzende-Neubauten-Chef Blixa Bargeld und der Berliner Party-Mogul Rolf Eden. Sein größter Erfolg war indes "Abwärts" (1984) mit Götz George und Wolfgang Kieling. Mit dem psychologisch-spannenden und ansatzweise kapitalismuskritischen Fahrstuhl-Thriller galt Schenkel über Nacht als wichtigste deutsche Regie-Hoffnung. Hannes Jaenicke gab darin sein Debüt als Schauspieler.

Sein nach einer authentischen Geschichte gedrehtes Krebs-Drama "Zwei Frauen" erhielt 1990 eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis. Zuletzt hatte er in Deutschland den Krimi "Kalte Küsse" (mit Marie Bäumer und Jochen Nickel) und den Wirtschafts-Thriller "Feindliche Übernahme" mit Klaus Löwitsch und Désirée Nosbusch gedreht. In seiner Wahlheimat USA, wo Schenkels "europäisches Auge" ebenso gefragt war wie seine zuweilen stilisierte Bildsprache, hatte er vor allem auch fürs Fernsehen gedreht, unter anderem den Thriller "Silhouette" mit Faye Dunaway. Eines seiner letzten Projekte war die TV-Version von Agatha Christies "Mord im Orient-Express".

Angefangen hatte Schenkel nach einem Soziologiestudium in Frankfurt mit einem Werbefilm über die Main-Metropole. Nach einer Assistenzzeit bei Wolfgang Staudte in Berlin ging er nach München, wo er unter anderem als Assistent von Sigi Rothemund und Harald Reinl arbeitete. Bei der Kinderserie "Timm Thaler" fungierte Schenkel als Regie-Assistent.

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