Academy Awards "Baader Meinhof Komplex" für Oscar nominiert

Das deutsche RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" ist für einen Oscar nominiert worden. Zu den Favoriten für den wichtigsten US-Filmpreis gehören außerdem die Literaturverfilmung "The Curious Case of Benjamin Button" sowie das indische Aufsteiger-Drama "Slumdog Millionaire".


Los Angeles - Klarer Favorit für die Oscar-Verleihung ist David Finchers aufwühlende Verfilmung der F.-Scott-Fitzgerald-Geschichte "The Curious Case of Benjamin Button". Der Film mit Brad Pitt und Cate Blanchett in den Hauptrollen bekam am frühen Morgen in Los Angeles 13 Nominierungen für den begehrten Kino-Award, darunter Nennungen für den besten Hauptdarsteller, die beste Regie (David Fincher) und das beste Drehbuch (Eric Roth).

Zweiter Favorit ist Danny Boyles indisches Aufsteiger-Drama "Slumdog Millionaire", das bereits vor einer Woche bei den Golden Globes abgeräumt hatte. Es bekam 10 Nominierungen, unter anderem für die beste Regie, beste Kamera und beste Musik. Die Comic-Adaption "The Dark Knight" und das Politikerdrama "Milk" erhielten jeweils acht Nominierungen.

Eine posthume Würdigung erfährt der vor exakt einem Jahr verstorbene Schauspieler Heath Ledger. Er wurde für seine Rolle als Joker in "The Dark Knight" als bester Nebendarsteller nominiert. Sean Penn erhielt eine weitere Oscar-Nominierung für sein Porträt des ermordeten schwulen Politikers Harvey Milk.

Deutsche Historie hoch im Kurs

Über eine Nominierung können sich auch der deutsche Regisseur Uli Edel sowie Produzent Bernd Eichinger freuen: Das RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" wurde in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert. Historische Stoffe kommen gut an in Hollywood. Zuletzt gewann 2007 das deutsche Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" einen Oscar. Allerdings ist die Konkurrenz in der Kategorie hart: Nominiert wurden auch das animierte israelische Kriegsdrama "Waltz With Bashir", das bei den Golden Globes ausgezeichnet wurde sowie das französische Schüler-Drama "Die Klasse", das im vergangenen Jahr die Goldene Palme in Cannes gewann.

"Der Baader Meinhof Komplex" muss aber auch gegen einen weiteren deutschsprachigen Film bestehen: Götz Spielmanns Wiener Rotlicht-Geschichte "Revanche" ist ebenfalls nominiert. Im vergangenen Jahr gewann Österreich den Auslands-Oscar mit dem KZ-Drama "Die Fälscher".

In der Kategorie "Bester Kurzfilm" wurde der Schweizer Reto Caffi, ein Absolvent der Kölner Kunsthochschule für Medien, für "Auf der Strecke" nominiert. Im letzten Jahr hatte Caffi bereits den Oscar für den besten ausländischen Studentenfilm erhalten. Und auch Kino-Veteran Werner Herzog kann sich Hoffnung auf einen Oscar machen: Er ist mit seinem Film "Encounters at the End of the World" in der Kategorie "Beste Dokumentation" nominiert.

Als beste Hauptdarsteller wurden neben Brad Pitt und Sean Penn auch Nixon-Darsteller Frank Langella ("Frost/Nixon"), Richard Jenkins ("The Visitor") sowie Mickey Rourke nominiert, der in Darren Aronofskys "The Wrestler" ein sagenhaftes Comeback absolvierte. Der 52-Jährige ("Angel Heart") gilt als Favorit für die Trophäe.

Sechste Nominierung für Kate Winslet

Bei den Hauptdarstellerinnen ist Kate Winslet die Favoritin, die für ihre Rolle in "Der Vorleser" ihre insgesamt sechste Oscar-Nominierung erhielt. Nach ihrem Doppelsieg bei den Golden Globes gehen Branchenexperten davon aus, dass ihr der Sieg in diesem Jahr kaum noch zu nehmen ist. Gegen Winslet treten an: Anne Hathaway ("Rachel Getting Married"), Angelina Jolie ("Changeling"), Melissa Leo ("Frozen River") und Meryl Streep ("Doubt").

Als beste Animationsfilme wurden die drei Publikums-Renner des vergangenen Jahres nominiert: Pixars "Wall-E", "Kung Fu Panda" von DreamWorks sowie Disneys Hunde-Abenteuer "Bolt".

In der Kategorie "Bester Regie" treten "Benjamin Button"-Regisseur David Fincher und "Slumdog Millionaire" Danny Boyle gegen Ron Howard ("Frost/Nixon"), Stephen Daldry ("The Reader") und Gus Van Sant ("Milk") an. Hoffnungen auf einen Oscar als Nebendarsteller können sich unter anderem Amy Adams, Penelope Cruz, Josh Brolin und Robert Downey Jr. machen. Vor allem letzterer begeisterte durch seine Rolle als Afroamerikaner in der Komödie "Tropic Thunder". (Komplette Liste der Nominierungen auf der Homepage der Academy)

Zu den Gewinnern dieser Nominierungsrunde zählen die politischen Dramen: "Frost/Nixon", "Slumdog Millionaire", "Milk" und "Der Vorleser" - alles historische und sozial ambitionierte Stoffe. Verlierer sind trotz Ledgers Nominierung "The Dark Knight" sowie das Ehedrama "Revolutionary Road" von Sam Mendes und Clint Eastwoods Vigilanten-Drama "Gran Torino": Alle drei Filme galten als Favoriten für die Hauptkategorien, wurden aber nur in Nebenfächern gewürdigt.

Die Oscars sind die bedeutendste Auszeichnung des amerikanischen Kinos und gelten als wichtigste Filmpreise der Welt. Rund 5800 Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences stimmen in geheimer Wahl über die jeweils fünf Nominierten in jeder der 24 Kategorien ab.

Die 81. Oscar-Verleihung findet am 22. Februar im Kodak Theatre in Hollywood statt. Es ist der früheste Termin, der je für die Vergabe der Academy Awards gewählt wurde. Gastgeber der Zeremonie ist nach zweimaligem Einsatz des TV-Satirikers Jon Stewart der australische Schauspieler Hugh Jackman ("Wolverine").

bor



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