US-Actionfilm "Act of Valor": Kasse machen mit echten Kriegern

Von , New York

Hollywood dreht, Washington zahlt: "Act of Valor", der jüngste Actionreißer aus Amerika, wurde vom Pentagon nicht nur initiiert. Die Hauptrollen in der Ballerorgie spielen echte Elitesoldaten der Navy Seals. Selten zuvor hatte das US-Militär so viel Einfluss auf die US-Filmindustrie.

Die riskante Rettungsaktion geht beinahe schief. Als sich die Elitesoldaten dem Lager der Drogenschmuggler im Urwald von Costa Rica nähern, hören sie, wie eine gefangene CIA-Agentin gefoltert wird. Sie schlagen schnell zu, um sie zu befreien. "Miss Morales", keucht einer der Männer melodramatisch, "ich bringe Sie nach Hause."

Die Szene stammt aus dem Hollywood-Actionreißer "Act of Valor", der an diesem Donnerstag in Deutschland anläuft. In dem Film zieht ein Team der Spezialeinheit Navy Seals gegen Terroristen zu Felde, dazu gibt's Explosionen, Verfolgungsjagden, Heldentum und jede Menge platte Dialoge.

Übliche Ware also. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Die Protagonisten in "Act of Valor" sind echte US-Soldaten - Mitglieder der geheimnisumwitterten Navy Seals und der Navy-Kampfboot-Sondereinheit "Special Warfare Combatant-craft Crewmen".

Dass das Pentagon mit Hollywood gemeinsame Sache macht, um Propaganda fürs US-Militär zu betreiben, ist nicht neu. "Top Gun"-Effekt heißt die für beide Seiten lukrative Kooperation in der Branche - benannt nach der Kampffliegerschnulze von 1986, die Tom Cruise zum Weltstar machte, Bomberjacken zum Modehit und Ray-Ban-Sonnenbrillen zum Statussymbol.

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"Act of Valor": Echte Seals stehen zusammen
Doch "Act of Valor" geht einen Schritt weiter. Die Produktion könnte eine neue Ära begründen. Denn erstmals agieren tatsächlich im Dienst stehende Soldaten als Stars eines regulären Actionreißers. Der Einfluss des Pentagons auf die Filmbranche wird hier so offensichtlich wie selten zuvor. Die 18-Millionen-Dollar-Produktion wurde von der Marine in Auftrag gegeben, von den Seals mitverfasst - und ist nichts anderes als ein abendfüllendes Rekrutiervideo.

Das Projekt begann 2008: Da lud die Marine Hollywood-Produktionsfirmen ein, einen Film über die Navy Seals zu drehen - jene legendäre Elitekampftruppe, die zuletzt Schlagzeilen machte, als ihr "Team 6" den Qaida-Führer Osama Bin Laden tötete. Ziel des Projektes: das Heldenimage der Truppe zu fördern.

Den Auftrag sicherte sich die kleine Firma Bandito Brothers. Deren Gründer Mike McCoy und Scott Waugh, zwei Ex-Stuntmen, hatten zuvor Rekrutiervideos gedreht. Zwei Jahre lang begleiteten sie Teams der Seals beim Training, flochten das Material in eine fiktive Handlung ein und stellten den Soldaten "echte" Schauspieler zur Seite, die in erster Linie die Schurken mimen.

Das Drehbuch stammt von Kurt Johnstad, Co-Autor des Comic-Spektakels "300", doch die Seals schrieben an Kampfszenen mit. Die Story ist eher unwichtig, es geht um Terroristen, Drogenschmuggler, Spione und natürlich die heroischen Seals. Die Kritiker zerrissen den Film bei seinem US-Start im Februar. Die Zuschauer waren weniger wählerisch: "Act of Valor" spielte in den USA fast 70 Millionen Dollar ein und liegt damit bisher auf Platz elf des Jahres.

"Top Gun" - Husarenstück des neuen Propagandakinos

Die Produktion von "Act of Valor" folgt einer zweifelhaften Tradition. Hinter den Kulissen arbeitet das Militär mit Hollywood schon seit Jahrzehnten zusammen. Bereits 1927 stellte das Verteidigungsministerium dem Paramount-Studio militärische Ausrüstung für das Melodrama "Wings" über Kampfpiloten im Ersten Weltkrieg zur Verfügung. "Wings" wurde bei der allerersten Oscar-Verleihung als bester Film prämiert. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Hollywood auf Seiten der USA mit. 1948 gründete das Pentagon das Film Liaison Office, das fortan genehmigte, welcher Film offizielle Waffen, Panzer und Munition geliehen bekam.

Während des Vietnamkriegs geriet die Beziehung in die Krise. Filme wie "Die durch die Hölle gehen" (1978), "Apocalypse Now" (1979) und "Platoon" (1986), aber auch die TV-Kultserie "M*A*S*H" (1972-83) porträtierten die Gräuel des Krieges und die Folgen für die Soldaten.

Klar, dass das Pentagon dabei nicht mitmischte. Die Antwort folgte in den achtziger Jahren. Husarenstück des neuen Propagandakinos war "Top Gun", den Produzent Jerry Bruckheimer in enger Absprache mit dem Militär drehte. Und der Film wurde zu einem solchen Kassenhit, dass Hollywood plötzlich wieder auf ähnliche Sujets heiß war. Der Ausbruch des Golfkriegs und die "Operation Desert Storm" taten 1990 das Ihre.

Kritische Filme scheiterten an der Kasse

Heute haben alle vier US-Waffengattungen - Armee, Luftwaffe, Marine und Marineinfanteristen - eigene Filmbüros in einer gemeinsamen Büroflucht in Los Angeles. Koordiniert werden sie immer noch von der Film Liaison Unit im Pentagon, dessen Chef Philip Strub "eine der mächtigsten Federn im Show-Business schwingt" ("Huffington Post") - und damit an vielen Drehbüchern mitschreibt. Nur Filme und Manuskripte, die seinen Zuspruch finden, bekommen Unterstützung vom Militär.

Die Beweggründe werden nicht verheimlicht: Durch den direkten Zugang zu "Menschen, Flugzeugen und Material", schreibt das Air Force Entertainment Liaison Office auf seiner Website, stelle man sicher, dass das "Image der U.S. Air Force im globalen Entertainment-Umfeld gefördert und geschützt" wird. Das gilt auch für Filme, die auf den ersten Blick nichts mit dem Militär zu tun haben. Etwa das Superheld-Epos "Iron Man 2" (2010) oder die "Transformers"-Reihe, für die das Pentagon alle Hebel in Bewegung setzte.

Während der jüngsten US-Kriege in Afghanistan und im Irak zeigte sich Hollywood zwar auch betont kritisch, etwa mit Thrillern wie "Im Tal von Elah" (2007), "Stop-Loss" (2008) und "Green Zone" (2010). Doch diese Filme hatten an den Kinokassen keinen Erfolg.

Stattdessen geht der Trend wieder zum Hurra-Patriotismus, besonders die Seals sind en vogue. Jerry Bruckheimer arbeitet derzeit an einer neuen TV-Serie über die Elitetruppe. Die Universal-Studios haben "Lone Survivor" im Programm, einen Film über einen Kriegshelden, der auf den Memoiren eines echten Seals beruht. Regisseur Peter Berg begleitete dafür zeitweise - sozusagen als "embedded director"- ein Seals-Team im Irak. Erst stellte er aber "Battleship" fertig, den auf dem Spiel "Schiffe versenken" basierenden Actiondampfer.

Das Pentagon ist durchaus wählerisch. "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" (2008), das Oscar-gekrönte Porträt eines Bombenräumkommandos der US-Armee, bewarb sich um Unterstützung des Militärs, blitzte aber ab - das "Ethos" stimmte nicht.

Und auch Regisseurin Kathryn Bigelow stößt derzeit mit ihrem Projekt auf Widerstand - im US-Kongress. "Code Name: Geronimo" über Bin Ladens Tötung durch die Seals bekommt zwar Rückendeckung vom Weißen Haus, der CIA und dem Pentagon. Doch der Republikaner Peter King, der Vorsitzende des Heimatschutzkomitees im Repräsentantenhaus, wittert Geheimnisverrat und will jetzt Ermittlungen einleiten. Ihm passt aber wohl auch der Termin des Kinostarts nicht - kurz vor der US-Wahl. Denn der erfolgreichen Jagd auf den Top-Terroristen kann sich schließlich Kings politischer Gegner rühmen: Präsident Obama.

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1. .
Peet89 24.05.2012
Zitat von sysopUniversumHollywood dreht, Washington zahlt: "Act of Valor", der jüngste Actionreißer aus Amerika, wurde vom Pentagon nicht nur initiiert. Die Hauptrollen in der Ballerorgie spielen echte Elitesoldaten der Navy Seals. Selten zuvor hatte das US-Militär so viel Einfluss auf die US-Filmindustrie. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,834889,00.html
Habe den Film zwangsläufig in den USA gesehen. Was soll man sagen. Die Amis wissen eben wie man junge und nicht stark nachdenkende Leute zur Army holt. ;) Wer's mag ok, aber da jeder selber denken kann, sollte man auch wissen was man da schaut. Propaganda made in USA.
2. M*a*s*h*
Augustusrex 24.05.2012
war nicht Vietnam sondern Korea.
3. Mich begeistern solche Filme,,
juergw. 24.05.2012
Zitat von sysopUniversumHollywood dreht, Washington zahlt: "Act of Valor", der jüngste Actionreißer aus Amerika, wurde vom Pentagon nicht nur initiiert. Die Hauptrollen in der Ballerorgie spielen echte Elitesoldaten der Navy Seals. Selten zuvor hatte das US-Militär so viel Einfluss auf die US-Filmindustrie. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,834889,00.html
die Amis gewinnen zum Schluß -die Bösen werden eleminiert.Klar gibt es auch Salutschüsse ,eine sorgsam zusammen gefaltete U.S.Flagge an die gefaßte Witwe und einen Kriegshelden mehr.Ach wenn das mal so in echt wäre !
4. Naja, bei dem Film "Black Hawk Down"...
thepunisher75 24.05.2012
Zitat von sysopUniversumHollywood dreht, Washington zahlt: "Act of Valor", der jüngste Actionreißer aus Amerika, wurde vom Pentagon nicht nur initiiert. Die Hauptrollen in der Ballerorgie spielen echte Elitesoldaten der Navy Seals. Selten zuvor hatte das US-Militär so viel Einfluss auf die US-Filmindustrie. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,834889,00.html
...wurden die Schauspieler zwar nur trainiert damit sie schießen konnten, aber da wurde auch ganz schön viel investiert vom US-Militär, inbesondere was die Fahrzeuge, Waffen, Hubschrauber und die Berater betraf. Und die haben nicht nur richtige 160.th SOAR Piloten für die Hubschrauber bereitgestellt, sondern auch eine DELTA Einheit die Abseilszenen machen lassen ! Ist also nichts Neues, außer das jetzt richtige Soldaten "Schauspielern" (naja, im Grunde machen sie das, was sie immer machen !)...
5. Stimmt zwar aber...
storm8 24.05.2012
Zitat von Augustusrexwar nicht Vietnam sondern Korea.
die Formulierung lautete "während des Vietnamkrieges" im Artikel. Und das auch MASH das Grauen der amerikanischen Kriege andeutete. Und MASH lief u.a. zeitlich "während des Vietnamkrieges" so wie im Artikel korrekt formuliert...
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Act of Valor

USA 2012

Regie: Mike McCoy, Scott Waugh

Buch: Kurt Johnstad

Darsteller: Timothy Gibbs, Roselyn Sanchez, Dimiter Marinov

Produktion: Bandito Brothers

Verleih: Universum Film

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Start: 24. Mai 2012