Actionfilm "Jumper" Bleib auf dem Sprung!

Von einer Sekunde auf die nächste die Umgebung wechseln: Das kann jeder Internet-User. Und die Hauptfigur in Doug Limans Action-Märchen "Jumper". Der kleine Unterschied: Der sprunghafte Kino-Held nimmt seinen Körper mit. Eine Mobilität mit drastischen Folgen.

Von Daniel Haas


Ein One Night Stand in Florida, dann zum Frühstück nach New York, Sightseeing in Rom und gleich im Anschluss Wellenreiten auf den Fidschis. Zwischendurch noch ein schneller Lunch auf dem Kopf der Sphinx. Dort hat man seine Ruhe, und die Aussicht ist phantastisch.

So sieht ein Kopfstand aus, wenn die Web-Generation im Spiel ist: Jumper David (Hayden Christensen) genießt die Aussicht von der Sphinx
Kinowelt

So sieht ein Kopfstand aus, wenn die Web-Generation im Spiel ist: Jumper David (Hayden Christensen) genießt die Aussicht von der Sphinx

Klingt wie eine Koksphantasie durchgedrehter Yuppies, ist aber der Alltag von David (Hayden Christensen), dem Helden des Action-Märchens "Jumper". Der junge Mann kann sich per Gedankenenergie an jeden Ort der Welt teleportieren. Wände, Wasser, Berge - alles kein Hindernis.

Dass die Jugend immer auf dem Sprung ist, gilt als Gemeinplatz. Regisseur Doug Liman ("Die Bourne-Identität") bebildert das Klischee mit viel Lust an Radau und Schauwerten. Die Jumper hüpfen durch die Klima- und Kulturzonen, kennen weder Anfahrtszeiten noch Jetlag. Und wenn man schnell in einer Fremdwährung shoppen will, springt man eben vorher in den Tresorraum einer Bank.

Den Supertourismus durch die Welt, die Allround-Verfügbarkeit von Attraktionen, die Möglichkeit von einer Sekunde zur nächsten den Ort zu wechseln - das gibt es natürlich auch im richtigen Leben: Man nennt es Internet, das Symbol und Verfahren einer radikal flexibilisierten Welt.

Deshalb ist es ein hübscher Eigenkommentar, wenn David sein Jumper-Potential entdeckt, als er auf einem zugefrorenen See einbricht und wassertriefend zwischen Bücherregalen wieder auftaucht.

"Escape to your local library" - fliehe in deine Stadtbibliothek - kommentiert da ein Schild ironisch. Die sprunghafte Web-Generation bringt sich in der Gutenberg-Galaxis in Sicherheit.

Es ist allerdings nur ein Zwischenstopp, für Lektüre haben die Jumper nicht wirklich Zeit. Sie müssen die Welt zum Spielplatz ihrer spontanen Interessen machen, viel Geld klauen und ausgeben, Spaß haben. Extreme Agilität verpflichtet zu extremem Eskapismus, was auch ein bisschen anstrengend ist und letztlich einsam macht.

Wenn der ultramobile Einzelgänger sich dann mit seiner Jugendliebe ("O.C. California"-Star Rachel Bilson) einlässt, tritt ein anderes Paradigma auf den Plan: das der Verbindlichkeit.

Genre-erprobte Zuschauer wissen, dass das Auftauchen der Frau in solchen Fällen meist Stress bedeutet. Sie beschwert den Helden emotional und moralisch; eine Beziehung von Gewicht und hedonistische Höhenflüge schließen einander letztlich aus.



Außerdem sind da die so genannten Paladine: eine Art Geheimdienst, der seit Ewigkeiten die Jumper jagt, weil er sie als blasphemische Abart der Natur verachtet. "Nur Gott sollte die Möglichkeit haben, überall zu sein", erklärt Paladin-Boss Roland (Samuel L. Jackson) einmal verkniffen.

Auch Internet-User sind, wie gesagt, schnell überall, aber "Jumper" ist keine Vorlesung über die metaphysischen Aspekte der Webkultur. Stattdessen gibt es handfeste Action, das heißt Dresche mal für die Jumper - neben Hayden Christensen tritt auch Jamie Bell ("Hallam Foe") als Springer auf -, mal für die Paladine. Am Ende dann eine Pointe, die viel Einsicht in den Konflikt der Generationen verrät.

So viel darf verraten werden: Die Jäger der Jumper repräsentieren die Fraktion der genervten Eltern, die ihre Kids zu mehr Solidität ermahnen.

Konzentrier dich, bleib bei einer Sache (das heißt immer auch: bei einem Lebensmodell) - so spricht im übertragenen Sinn der Paladin, der, man erinnert sich, ursprünglich ein loyaler Gefolgsmann des Königs war.

Jumper hingegen sind nicht loyal, sondern global; ihr Lifestyle kennt Dauer nur im Wandel. Das macht sie unberechenbar und buchstäblich oberflächlich (David wird vorzugsweise auf irgendwelchen Kulturdenkmälern gezeigt; er will on top sein, nicht involviert), aber auch weniger anfällig für Ideologien.

Nicht die schlechteste Art, sich in der aktuellen Lage einzurichten. Denn so möchte man die Jumper sehen: als Weltbürger, die immer rechtzeitig den Absprung schaffen, wenn die Verhältnisse falsch und starr zu werden drohen. Was für ein Kick.

Oder ein Klick - für uns, die Normalsterblichen vor dem Bildschirm.



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