Actionfilm "The Book of Eli" Gemetzel mit viel Ehrgeiz

Wilder Genremix mit elegant gefilmten Metzeleien: In dem apokalyptischen Thriller "The Book of Eli" trägt Denzel Washington die letzte Bibel durch die verwüsteten USA - und schlägt kräftig zu, wenn's sein muss.

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Actionfilm "The Book of Eli": Der Wanderer und die Leere
Ein Held ist er, ein Tierfreund weniger. Still liegt er bei Nacht im Wald und zielt mit seiner Armbrust auf die unglückliche, nackte Katze, die wohl auch nur auf der Suche nach Essbarem ist. Stattdessen wird sie selbst zum Abendessen. Aber Eli (Denzel Washington) meint es nicht böse, es geht eben nicht anders, 30 Jahre nach dem Fast-Ende der Menschheit: Nur wenige sind übrig, und das Land ist eine Wüste - alles, was lebt, kann das eigene Überleben sichern.

Eli ist eher der ruhige Typ, ein Einzelgänger in den mittleren Jahren, der seinen iPod liebt und die Bibel, die er überall mit hin schleppt. Aber wenn er angegriffen wird, dann schlägt er zurück. Drastisch. Mit Messer und Säbel. Seine Gegner enden selten in einem Stück.

Altes Pärchen mit Kannibalismusproblem

Etwa eine Viertelstunde lang ist "The Book of Eli" von den Regiebrüdern Allen und Albert Hughes ("Menace II Society") ein zurückgenommenes, düster-gruseliges Endzeitdrama, in dem kaum ein Wort gesprochen wird. Nur der Wanderer Eli und die Leere, alles sehr finster und stimmungsvoll, langsam baut sich die Spannung auf. Um sich dann in einem Schlag zu entladen, als der erste Kampf losbricht. Plötzlich sitzt man in einem anderen Film: Gliedmaßen fliegen durch die Gegend und Blut spritzt, eine hoch elegant choreografierte Metzelei in Sepia, wie sie in eine Comicverfilmung passen könnte, zu Frank Millers "Sin City" vielleicht.

Es ist nicht das letzte Mal, dass "The Book of Eli" die Tonart wechselt. Auf seiner Reise durch die USA - getrieben von dem Auftrag, die letzte Bibel der Welt an einen sicheren Ort zu bringen - wird dieser Eli zum Westernhelden, Psychodramatiker und Esoteriker. Er gerät in eine Kleinstadt der Verkommenen, in der ein größenwahnsinniger Despot (Gary Oldman) das Regiment führt und Elis Bibel gern zum Aufbau eines neuen Schreckensregimes nutzen würde. Ein junges Mädchen (Mila Kunis) schließt sich ihm an, auf der Suche nach Schutz und einer Aufgabe. Er findet Unterschlupf bei einem lustigen, älteren Pärchen, das ein kleines Kannibalismusproblem hat. Bevor es irgendwann langweilig werden könnte, gibt es immer eine Dosis Gewalt.

Wilder Genremix

Es gibt einige gute Gründe, sich "The Book of Eli" anzusehen. Die liebevoll komponierten Actionsequenzen zum Beispiel, der wie immer souveräne Denzel Washington oder die überaus amüsante Episode bei dem alten Ehepaar. Wer immer noch überraschende Schlusswendungen à la M. Night Shyamalan mag, könnte auch auf seine Kosten kommen.

Schade ist nur, dass sich der Film die meiste Zeit so schrecklich ernst nimmt. Um die Macht des Glaubens soll es gehen, um menschliche Urinstinkte, um Hoffnung in alptraumhaften Zeiten - doch innerhalb eines derart wilden Genremixes bleibt keine Zeit, auf irgendetwas näher einzugehen. Die Ideen bleiben vage und unausgegoren, was nicht so schlimm wäre, wenn sie nicht immer so schicksalsschwer vorgetragen würden. "The Book of Eli" will unbedingt spannend sein und unterhaltsam, aber auch wichtig, ein bisschen wenigstens.

Doch ein bisschen wichtig, das gibt es nicht.



insgesamt 11 Beiträge
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lemming51 18.02.2010
1. ??
Zitat von sysopWilder Genremix mit elegant gefilmten Metzeleien: In dem apokalyptischen Thriller "The Book of Eli" trägt Denzel Washington die letzte Bibel durch die verwüsteten USA - und schlägt kräftig zu, wenn's sein muss. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,678532,00.html
Ich frage mich manchmal, wie ein gestandener, guter Schauspieler wie Denzel Washington eine Rolle in so einem (mutmaßlichen) Endzeitscheiß übernehmen kann (soll/muß?) Eine künstlerische Herausforderung kann es doch wohl nicht sein, vermutlich ist' s die Gage............
PhysikerTeilchen 18.02.2010
2. ausgerechnet eine Bibel?!?!
Da ist kaum noch etwas von der Welt uebrig, und er will ausgerechnet das Buch retten, was aller Wahrscheinlichkeit nach eine bedeutende Rolle bei der Entstehung dieses Chaos gespielt haben wird? Der Mann ist entweder ein Historiker oder verrueckt. Hat er denn kein Physikbuch gefunden?
LinsenMeister 18.02.2010
3. Alles nur geklaut?
Die Optik und die Story erinnert mich sehr stark an das aktuelles Game Fallout3. Siehe hier: http://www.fallout-game.de/component/option,com_zoom/Itemid,28/catid,1/
danam1982 18.02.2010
4. Wieso immer diese Aktionspektakel???
Hollywood-Blockbuster zeigen doch immer dasselbe. Dabei sollten wir uns mehr auf unsere Stärken im Europäischen Kino konzentrieren. http://www.youtube.com/watch?v=L6HVlStWaXU
Deali, 18.02.2010
5. Ich finde
den Film affengeil! Are you listenin´ to me? Deali
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