Actionkomödie R.E.D. Senioren am Abzug

In Robert Schwentkes Actionspaß "R.E.D." haut eine pensionierte Agentengang um Bruce Willis noch mal auf den Putz. Das hätte etwas lustiger werden können, als es ist, lohnt sich aber schon für den Anblick einer Helen Mirren mit Maschinengewehr.

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ddp images / Concorde Film

Wenn der Nachwuchs fehlt, müssen die Alten ran. Nicht nur der normale Arbeitnehmer in Deutschland muss mittlerweile bis ins hohe Alter schuften, auch dem Hollywood-Actionstar von gestern geht es heute so. Denn das vor allem in den achtziger Jahren so glorreiche Haudrauf-Kino ("Rambo"! "Stirb langsam"!!) hat in den vergangenen 20 Jahren keinen neuen, dauerhaft brauchbaren Star hervorgebracht. Der Brite Jason Statham ("Transporter") hält vielleicht noch die Fahne hoch, in Teilzeit neben ihrem Ich-will-einen-Oscar-Kram wohl auch Angelina Jolie ("Salt"), doch sonst machen eigentlich nur noch die digitalen Wandel-Roboter von Michael Bay ("Transformers") oder Comic-Superhelden aller Art richtig Umsatz. Der Rest kommt meist ohne Kinostart direkt auf DVD raus.

Und so müssen immer noch Haudegen wie Sylvester Stallone und Bruce Willis ihre alten Knochen hinhalten, um für ein bisschen glanzvolle Action zu Sorgen. Stallone, 64, tat das erst kürzlich mit Erfolg, als er für den unterhaltsamen Söldnerteam-Unfug "The Expendables" alte Freunde wie Dolph Lundgren, Jet Li und Mickey Rourke um sich scharte. Der heute 55-jährige Willis (der in "The Expendables" zusammen mit Arnold Schwarzenegger einen hübschen Gastauftritt hatte) legt nun nach in "R.E.D. - Älter, Härter, Besser" des deutschen Regisseurs Robert Schwentke ("Flightplan").

Wie ein alter Freund

Und man kann es ihm nur danken. Älter und müde sieht Willis am Anfang von "R.E.D." aus, wenn er als pensionierter Agent Frank Moses einsam in seinem Haus sitzt und seine Rentenplan-Beraterin (Mary-Louise Parker) via Telefon anschmachtet. Doch als ein paar Minuten später ein schwerst bewaffnetes Killerkommando sein Haus stürmt, dann zieht er nur kurz die Augenbraue hoch, bevor er die Angreifer mit präziser Routine und ein paar Handfeuerwaffen ins Jenseits jagt. Ein wahrer Experte bei der Arbeit, und dazu noch so etwas wie ein alter Freund. Da schaut man gerne zu.

Frei nach einer eher obskuren Comicvorlage von Warren Ellis und Cully Hamner findet sich Ex-CIA-Mann Frank plötzlich in einer bösen Verschwörungsintrige seines ehemaligen Arbeitgebers wieder und muss fliehen. Nicht aber ohne in Kansas City erstmal die nette Telefonberaterin einzusammeln (technisch: zu entführen) und danach Schritt für Schritt eine Gang von früheren Kollegen zusammen zu trommeln, um den Gegenschlag vorzubereiten. Als da wären: Morgan Freeman, 73, als ins Altenheim abgeschobener Agentenstar Joe; John Malkovich, 56, als halbwahnsinniger Paranoiker Marvin; und Helen Mirren, 65, als elegante Victoria, die ein edles Bed & Breakfast in Maryland führt, gelegentlich aber noch als Auftragskillerin arbeitet, um nicht einzurosten. Verfolgt von einem CIA-Jungspund (Karl Urban), machen sie sich gemeinsam auf, Franks Namen rein zu waschen und den wahren Bösewicht (Richard Dreyfuss, feiert morgen seinen 63. Geburtstag, Glückwunsch!) zu erwischen. Und dabei alles nieder zu ballern, was im Weg steht.

Lustvoll brutal

Schwentke inszeniert das mit einer sicheren Hand für Geschwindigkeit und Action, es geht manchmal lustvoll brutal zu in "R.E.D", doch immer ein Stückchen so weit überzeichnet, dass man das Ganze nicht zu ernst nehmen muss. Das Team der alten Hasen hat sichtlich Spaß bei ihrem Job, was ansteckend wirkt, aber noch effektiver gewesen wäre, wenn man ihnen ein paar geistreichere Witze ins Drehbuch geschrieben und ein etwas inspirierteres Finale gegönnt hätte. So bleibt "R.E.D." letztlich unter seinen Möglichkeiten, aber immer noch ein solides Mittel der Abendgestaltung. Schon wegen Oscar-Liebling Helen Mirren. Wann sieht man die schon mal am Maschinengewehr?

Wobei eigentlich nie ein Zweifel bestand, dass die Frau alles kann.


R.E.D. - Älter, Härter, Besser. Start: 28.10. Regie: Robert Schwentke. Mit Bruce Willis, Morgan Freeman, Helen Mirren.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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bwkben 28.10.2010
1. Top
Lief in der Sneak-Preview. Nur zu empfehlen, diese Besetzung macht einfach nur Spaß. Wer Action-Komödien mag wird hier bestens bedient und auf keinen Fall enttäuscht.
faustjucken_tk 28.10.2010
2. ...
Ok, wird geguckt.
brain_in_a_tank, 28.10.2010
3. _.o0^0o._
Werde versuchen, mir diesen Film demnaechst in der englischen Fassung anzusehen. Ich fand schon Expendables sehr unterhaltsam, und hoffe, dass dieser Film aehnlich bei mir ankommt. ---Zitat--- [...] hat in den vergangenen 20 Jahren keinen neuen, dauerhaft brauchbaren Star hervorgebracht. Der Brite Jason Statham ("Transporter") hält vielleicht noch die Fahne hoch [...] ---Zitatende--- Das ist allerdings eine sehr fragwuerdige Aussage. Nicht nur, dass es durchaus noch andere Stars mit Potential fuer Action-Filme gab (Vin Diesel, Dwayne Johnson), es scheint das Problem in den Schauspielern zu suchen. Aber allgemein haben sich die Kostenverteilung in aktuellen Blockbustern verlagert, insbesondere in Action-Filmen. Waehrend in den 80ern noch ein Star-Kino vorherrschte, so ist es nun Effekte-Kino. Wenn also die Filmindustrie einen neuen, andauernden Star hervorbringt, schadet sie sich selbst, denn Neben den ganzen Kosten fuer die Effekte kann man sich nicht noch die Gage eines echten Stars erlauben. Also besser dafuer sorgen, dass NoNames neben den teuren Effekten (de-)plaziert werden. So kann man schneller mehr (Muell) produzieren und haelt die Kosten fuer Schauspieler gering. Gerade weil mir dieser Trend misfaellt finde ich ja so altbackende Filme wie Expendables so erfrischend...
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