Agentenfilm "Safe House" Hausmeisters große Sause

In Daniel Espinosas Thriller "Safe House" nimmt Denzel Washington als CIA-Verräter einen blauäugigen Nachwuchsspion unter seine Fittiche. Ein Film, der seine Ziele tief steckt und dabei ins Schwarze trifft.

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So jung und schon auf dem Abstellgleis. Matt Weston (Ryan Reynolds) dachte an die große Karriere, als er topausgebildet und topfit beim US-Geheimdienst anheuerte. Staatsfeinde jagen, geheime Operationen planen, so etwas in der Richtung. Stattdessen sitzt er in Kapstadt und spielt den Hausmeister in einem CIA-betriebenen Safe House - einem gut gesicherten Gebäude, in dem man Zeugen oder Gefangene verstecken, befragen und ungestört waterboarden kann. Allerdings gilt das nicht für die Filiale in Kapstadt, denn dort ist nicht viel los mit Staatsfeinden und Geheimoperationen. Weswegen Jungspion Matt nicht mehr zu tun hat, als gelegentlich mit der Zentrale zu telefonieren, zu prüfen, ob die Security-Kameras funktionieren, und stumpf an die Wand zu starren. Manchmal spielt er mit einem Ball.

Man könnte jetzt einwenden, dass es Schlimmeres gibt, als sein Leben mit gut bezahltem Nichtstun in schönster Sonne zu fristen, aber Matt hat noch Ideale. Außerdem hat er eine hübsche blonde Freundin, der er von seinem Job natürlich nichts erzählen darf, was umso frustrierender ist, weil es ja überhaupt nichts zu erzählen gibt.

Doch irgendwann klingelt es dann doch mal an der Safe-House-Tür: Ein Haufen Agenten bringt den berüchtigten Ex-CIA-Spion Tobin Frost (Denzel Washington) mit. Der hat einst seinen Arbeitgeber verprellt, als er Geheimnisse nach Nordkorea verraten hat, und versucht seitdem als krimineller Freiberufler sein Glück. Ein großer Fisch. Außerdem hat er einen mit Top-Secret-Wissen angereicherten Chip unter der Haut, der viele wichtige Leute in Bedrängnis bringen könnte.

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Agentenfilm "Safe House": Hausmeisters Sause
Endlich mal was los. Auch wenn Matt bei Verhör und Light-Folter nur zusehen darf. Als aber wenig später ein Killerkommando den Laden überrennt und alle CIA-Leute ausschaltet, schlägt seine Stunde: Er schnappt sich Frost und türmt. Fort von den Killern, auf den Weg in die rettenden Arme der CIA. Die vielleicht gar nicht so rettend sind, denn irgendjemand muss den Killern ja gesteckt haben, wo Frost hingebracht wird. Verschwörung! Noch besser.

Es ist nicht schwer zu erraten, was dann kommt. Wilde Verfolgungsjagden durch die Stadt, besorgt dreinblickende CIA-Granden (Brendan Gleeson, Vera Farmiga, Sam Shepard), und zwei ungleiche Helden, die von Feinden zu Verbündeten werden. Zwischendurch ein bisschen Lovestory. "Safe House" vom chilenisch-schwedischen Regisseur Daniel Espinosa (aufgefallen vor allem mit dem soliden Thriller "Easy Money" aus dem vergangenen Jahr) ist eine gut-geölte Agentensause ohne große Überraschungen und - abgesehen von einer kleinen Pro-Wikileaks-Geste- ohne viel Botschaft.

Kein Problem, so lange es nicht langweilig wird. Dass das kaum passiert, liegt vor allem an Denzel Washington, der in der Rolle des alternden Agentenveteranen mit Ohrring und zweifelhafter Moral offenbar den Spaß seines Lebens hatte, und sein Bin-ich-böse-oder doch-ganz-nett-Spiel so sehr auskostet, dass man gar nicht anders kann, als sich mit ihm zu freuen. Reynolds übt sich dagegen in Zurückhaltung, wird aber mit seinen Rehaugen zumindest einen Teil des Publikums von kleinen logischen Hängern ablenken können. Dazu gibt es ein paar außergewöhnlich gelungene Action-Sequenzen wie die Verfolgungsjagd in einem vollbesetzten Fußballstadion und eine Township-Schießerei.

Es mag deutlich aufregendere Filme dieser Art geben. Die gesamte "Jason Bourne"-Reihe zum Beispiel oder die letzten beiden Bond-Filme. Für einen netten Samstagabend mit ein bisschen Popcorn gibt es derzeit aber auch wenig Besseres. "Safe House" legt die Latte tief und springt locker rüber. Da kann man ruhig Bravo sagen.


Safe House. Start: 23.2. Regie: Daniel Espinosa. Mit Ryan Reynolds, Denzel Washington, Vera Farmiga.



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hdudeck 23.02.2012
1. unter seine Fittiche ?
Zitat von sysopUniversal StudiosIn Daniel Espinosas Thriller "Safe House" nimmt Denzel Washington als CIA-Verräter einen blauäugigen Nachwuchsspion unter seine Fittiche. Ein Film, der seine Ziele tief steckt und dabei ins Schwarze trifft. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,816913,00.html
95% des Filmes jadt der blauäugigen Nachwuchsspion Denzel Washington und schiesst auf ihn, wie kann man da von "unter seine Fittiche" nehmen sprechen. Entweder hat der Autor den Film nicht gesehen oder nicht verstanden. Der Film ist im uebrigen nicht von der normalen Qualitaet, die man von Denzel Washington kennt.
JimDoe 24.02.2012
2.
Zitat von hdudeck95% des Filmes jadt der blauäugigen Nachwuchsspion Denzel Washington und schiesst auf ihn, wie kann man da von "unter seine Fittiche" nehmen sprechen. Entweder hat der Autor den Film nicht gesehen oder nicht verstanden. Der Film ist im uebrigen nicht von der normalen Qualitaet, die man von Denzel Washington kennt.
...aber schon zu Beginn des Films im Safe House gibt Tobin Frost dem Agenten-Azubi Tipps und sagt ihm auch danach immer wieder, worauf er achten soll. Die Formulierung in der Kritik finde ich daher völlig in Ordnung. Und sicher hat DW schon bessere Filme gemacht, aber auch etliche auf genau diesem Niveau - wie "Unstoppable", "Pelham 1-2-3". Für den gerade mal zweiten Film von Daniel Espinosa fand ich "Safe House" ziemlich gut. Ein gutes Interview mit ihm gibts hier:Daniel Espinosa Exklusiv-Interview zu Safe House | TrailerSeite.de (http://www.trailerseite.de/film/12/backstage/daniel-espinosa-exklusiv-interview-zu-safe-house-22551.html)
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