Oscar-Skandal Academy zieht Nominierung für besten Song zurück

Ein mittelmäßiger Song aus einem Film, den so ziemlich niemand kennt, wurde für den Oscar nominiert. Jetzt wird die Nominierung einkassiert. Der Komponist soll versucht haben, die Jury-Mitglieder unbotmäßig zu beeinflussen.

Komponist Bruce Broughton: "Ich bin erschüttert"
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Komponist Bruce Broughton: "Ich bin erschüttert"


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Hamburg - Eine seichte Klavierlinie, dezentes Geigenzirpen und eine Frauenstimme, die zwar die Töne trifft, aber doch eher mit Leidenschaft punktet als mit Stimmvolumen. Trotz dieser musikalischen Harmlosigkeit gelang es Komponist Bruce Broughton und Songschreiber Dennis Spiegel vor zwei Wochen, mit der simpel gestrickten Ballade "Alone yet not Alone" eine Oscar-Nominierung für den besten Song einzuheimsen.

Doch nun zog die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) die Nominierung zurück. Der Grund: Komponist Broughton hatte während der Nominierungsphase E-Mails an die Mitglieder der Akademie verschickt, in denen er auf seine Einreichung hinwies. Über die Nominierung in der Kategorie "Bester Song" entscheiden 240 Mitglieder der Musiksektion.

Broughton, ehemals im Vorstand der Musiksektion und dort selbst noch immer Mitglied, habe seine Position in der Organisation ausgenutzt, um auf das Lied aufmerksam zu machen, begründete die Akademie die Entscheidung. Sein Vorgehen sei "unvereinbar" mit den Regeln der Filmorganisation. "Es bleibt der Anschein eines unfairen Vorteils", sagte die Präsidentin der Akademie Chery Boone Isaacs.

In Hollywood hatte es seit Wochen für Diskussionen gesorgt, dass es "Alone yet not Alone", der Soundtrack zu einem gleichnamigen Independent-Film über christliche US-Einwanderer, überhaupt in die Nominierungsliste geschafft hatte. Sogar die bis dato ebenso unbekannte Sängerin des Songs Joni Eareckson Tada hatte sich gegenüber dem "Hollywood Reporter" erstaunt gezeigt. "Meine Performance war gut, aber nicht großartig", sagt die Freizeitsängerin, die hauptberuflich eine christliche Hilfsorganisation leitet. Broughton selbst ist sich keiner Schuld bewusst. Der Komponist sagte dem Branchenblatt: "Ich bin erschüttert. Ich wollte nur auf meinen Song hinweisen, die anderen Filme hatten ja schon Wochen von Werbung hinter sich."

Dass die Akademie eine Nominierung zurückzieht, ist ein seltener Vorgang in der 86-jährigen Oscargeschichte - auch wenn es ab und an vorkommt: 1972 etwa zog die Akademie die Filmmusik von Nino Rota für "Der Pate" zurück, weil große Teile des Soundtracks aus einem früheren Film stammten.

Einen Ersatz für "Alone yet not Alone" benannte die Akademie nicht. Im Rennen um die Filmtrophäe, die am 2. März in Hollywood verliehen wird, bleiben jetzt noch vier Songs: Pharrell Williams' "Happy" aus dem Soundtrack des Animationsfilms "Ich - Einfach Unverbesserlich 2", "Let it Go" aus dem Disney-Erfolg "Frozen", "The Moon Song" aus dem Spike Jonze-Werk "Her" und das U2-Lied "Ordinary Love" zur Filmbiografie "Mandela - Der lange Weg zur Freiheit".

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evt/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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dasbeau 30.01.2014
1. Oh nein!
Nach FiFA und IOC jetzt auch noch die Academy! Wer hätte das gedacht...? ;-)
Thorkh@n 30.01.2014
2. Der Song ...
... ist weder gut noch schlecht und Broughton ein alter Fuchs im Genre. ;) Ich hoffe, so er in die Kriteriumszeit passt, dass Ed Sheerans "I See Fire" (Hobbit 2) nachrückt. Der ist wirklich ein toller Song.
rheinischerfrohsinn 30.01.2014
3. Grammatik-Oscar ist bereits vergeben
... soll versucht zu haben, die Jury-Mitglieder unbotmäßig beeinflusst zu haben. Sehr schönes Konstrukt, ungeteilter Beifall brandet bootmäßig ans Gestade des Auditoriums. Der Stiloscar ist auch sicher. "Unbotmäßig" ist so zeitgemäß wie der Vorname Huldreich. Wahrhaft großes Kino!
Paul Panda 30.01.2014
4. Erinnert mich an ...
Noch nicht mal schlecht. Vielleicht erinnern sich die Älteren noch an Caren Carpenter und ihren Bruder, die das Gesangsduo "The Carpenters" bildeten. Von der Komposition her betrachtet klingt das Lied hier so, als wäre es für dieses Duo komponiert worden.
malvo 30.01.2014
5. Zum Stimmvolumen...
In Hinblick auf die Behinderung der Sängerin ist der Hinweis auf das fehlende Stimmvolumen ohne weiteres Eingehen auf die möglichen Ursachen doch sehr schade. Unabhängig von Qualität das Songs und des Vorgehens zur "Vermarktung", lohnt es sich schon nur die Beschreibung des Videos und eine kurze Recherche um derartig unglückliche Äußerungen zu vermeiden.
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