Blockbuster "Alita: Battle Angel" Kämpf, Engel, kämpf!

So viel Prügel, so wenig Gefühl: In ihrer Manga-Adaption "Alita: Battle Angel" vergeben James Cameron und Robert Rodriguez das große Potenzial der Vorlage.

20th Century Fox

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Der Vater (Christoph Waltz) wartet schon am Esstisch, als die Teenager-Tochter (Rosa Salazar) es endlich aus dem Bett schafft und sich leicht benommen zu ihm setzt. Ein erster Bissen von einer Orange weckt ihre Lebensgeister, mit neuer Energie richtet das Mädchen eine Frage an den Vater: "Sollte ich eigentlich wissen, wer du bist?"

Manga-Fans werden wissen, wer das Mädchen ist: Alita, die Cyborg-Kämpferin aus Yukito Kishiros gefeierter Reihe "GUNNM". Film-Fans werden hingegen wissen, wer die Väter sind: James Cameron und Robert Rodriguez. Ersterer hat das Drehbuch verfasst, letzterer Regie geführt. Schon seit 2003 in Planung, hatte Cameron "Alita" eigentlich auch inszenieren sollen. Doch dann konzentrierte er sich lieber auf "Avatar" und ließ den geübten Comic-Adaptierer Rodriguez ("Sin City") übernehmen.

Der hat schon in "Planet Terror" einer Gogo-Tänzerin ein Maschinengewehr an den Beinstumpf montiert und sie damit Zombies abballern lassen. Ähnlich brutal treiben es nun auch die Mensch-Maschinen in "Alita", allen voran die Titelheldin, die metzelt, wo sich ihr die Gelegenheit dazu bietet. Und Iron City bietet sie ihr oft.

Im Video: Robert Rodriguez erklärt eine Szene aus "Alita: Battle Angel"

20th Century Fox

In der dystopischen Metropole sind nämlich Rechts- und Sozialstaat zusammengebrochen. Statt der Polizei übernehmen Kopfgeldjäger die Jagd auf Verbrecher, manchmal werden Cyborgs aber auch auseinandergenommen, weil den Kopfgeldjägern ihre Ersatzteile gefallen.

Allein auf der Insel Salem, die buchstäblich über Iron City schwebt, herrschen noch Überfluss und Frieden. Aber sie darf nur betreten, wer schon auf ihr geboren wurde - oder wer sich bei der beliebten Sportart Motorball, einer Art Rollerderby mit Todesrisiko, behaupten kann.

Wie die "Hunger Games" aus den "Tributen von Panem" ist Motorball eine brutale Massenbespaßung, die die Bewohner von Iron City von ihrem Elend ablenken soll. Und irgendwie steckt in Alita auch eine Katniss Everdeen, die das Zweiklassen-System mit ihrem Kampfeswillen in die Knie zwingen will.


"Alita: Battle Angel"
USA 2019

Regie: Robert Rodriguez
Buch: James Cameron, Laete Kalogridis
Darsteller: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Keean Johnson, Jennifer Connelly, Mahershala Ali
Produktion: 20th Century Fox, Lightstorm Entertainment et al.
Verleih: 20th Century Fox
Länge: 122 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 14. Februar 2019


Doch für die psychologische Feinzeichnung der Figur, die Alita zu mehr als einer Kämpferin im Ringelpullover machen würde, fehlt es dem Film an Ruhe und Genauigkeit. Immer wieder setzt er an, um das Vater-Tochter-Drama, das neben einer Coming-of-Age-und einer Liebesgeschichte auch noch in ihm steckt, zu erzählen - und kommt dann doch nur bei einer Kampfszene an.

Dabei hat Alita das Potenzial, alles zugleich zu sein, brutal, einfühlsam, unberechenbar, dramatisch. Schließlich ist schon ihre Schöpfung ein Akt des Verschmelzens: Aus einem Kopf samt menschlichem Gehirn, den er auf einer Schrotthalde entdeckt hat, sowie einem elektrischen Körper hat sie ihr "Vater", der Elektrotüftler Dr. Ido, zusammengebaut.

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"Alita: Battle Angel": Sind so große Augen

Empathischere Filmemacher als Cameron und Rodriguez hätten die schöne Pubertätsmetapher, die in dieser Konstellation steckt, stärker herausgearbeitet. Schließlich fremdelt Alita wie ein Teenager mit ihrem neuen Körper, muss seine besonderen Fähigkeiten erst entdecken und akzeptieren. Sie hätten auch den Humor in Szenen wie der am Esstisch, in der sich "Vater" und "Tochter" wie Unbekannte begegnen, ausgekostet. Und sie hätten den Schock vermitteln können, den der "Vater" empfindet, als er feststellen muss, dass in "seinem" Mädchen eine tödliche Kampfmaschine steckt.

Auf all das verzichtet "Alita" - man könnte fast sagen: zu Gunsten der Kampfszenen. Doch letztlich leiden auch die darunter, dass sie keine psychologische Unterfütterung haben und immer wieder nur Spektakel liefern statt Gefühl.

Wem das genug ist, den wird das Ende erfreuen. Dann wird nämlich die Perspektive auf ein Franchise eröffnet. Rein erzählerisch wirkt der Kampfengel Alita aber schon mit diesem Film reichlich ausgepowert.

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