Kriegsfilm "American Sniper" Zweifel sind tödlich

Ein Shooter ohne Ego: In "American Sniper" zeigt Clint Eastwood den Elite-Scharfschützen Chris Kyle als Inbegriff des ehrenwerten US-Amerikaners - streng, geradlinig und platt.

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Freund oder Feind? Derart zugespitzt verlief zuletzt die Debatte um "American Sniper" in den USA, wo sich Gegner und Befürworter des Films wahlweise eine gefährlich simple Weltsicht oder mangelnden Patriotismus vorwarfen. Der Streit ist Symptom eines ideologischen Konflikts, den der bislang erfolgreichste Kriegsfilm aus Hollywood zwar nicht ausgelöst, aber zweifellos neu befeuert hat.

Zwischen diesen Fronten stellt sich dem Zuschauer schon vor Ansicht des Films die Frage, warum Clint Eastwoods Dramatisierung der Biografie von Chris Kyle, dem 2013 getöteten Navy Seal und effektivsten - lies tödlichsten - Scharfschützen in der Geschichte des US-Militärs, so polarisiert.

Es ist schließlich nicht das erste amerikanische Soldatenschicksal, das Gegenstand einer Kinoerzählung wird. Ebenso wenig neu ist der Hintergrund des zweiten Irakkriegs, vor dem der Großteil des Films spielt. Was "American Sniper" jedoch besonders und zugleich beunruhigend macht, ist die Konsequenz, mit der Eastwoods Regie nicht nur die subjektive Perspektive seiner Hauptfigur annimmt, sondern Chris Kyle (gespielt von Bradley Cooper) zur verlässlichen, moralischen Instanz auf einem unübersichtlichen Schlachtfeld stilisiert.

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Oscarkandidat: Auf dem Kreuzzug
Geopolitik, die Verhältnismäßigkeit militärischer Gewalt, das Dilemma asymmetrischer Kriegsführung, all das wird im Porträt des mehr als professionellen, nämlich berufenen Soldaten Kyle auf eine einfache Frage des Glaubens reduziert: God. Country. Family. Das sind Kyles Koordinaten, die "American Sniper" ohne Zögern fest im Visier behält.

Shooter ohne Ego

Ambivalenzen hingegen streift der Film allenfalls, oder blendet sie gleich komplett aus. Denn Zweifel, so lernt das Publikum schnell, sind tödlich. Gradlinig dekliniert Eastwood denn auch Kindheit und Mannwerdung Kyles in wenigen Szenen. Im strengen, christlichen Elternhaus in Texas lernt der Junge vom Vater neben dem Umgang mit dem Gewehr auch, die Menschheit einzuteilen: Die bestehe vornehmlich aus Schafen und Wölfen, doch einige wenige hätten die Gabe und Pflicht, erstere vor letztgenannten zu beschützen.

Überzeugt, einer dieser Menschen zu sein, versucht sich der erwachsene Chris Kyle dennoch zunächst als Rodeo-Cowboy. Aber nach Bombenanschlägen auf zwei US-Botschaften in Ostafrika im Jahr 1998 geht er spontan ins nächste Rekrutierungsbüro der Armee, um sich zum Militärdienst zu verpflichten. Dort wird ihm sofort ein Prospekt der Eliteeinheit Navy Seals in die Hand gedrückt, was - mal ungeachtet, ob Kyles Rekrutierung wirklich so schnörkellos abgelaufen ist - beinahe humorig die simple Einbahnstraßendramaturgie Eastwoods unterstreicht.

Genauso flott hakt der Film die trügerisch vertraut wirkenden Bilder des Seal-Trainings ab, mit seinen harten Entbehrungen, schreienden Ausbildern und männerbündlerischen Ritualen. Quasi im Vorbeimarschieren lernt Kyle in einer Bar noch seine zukünftige Frau Taya Renae (stark, aber unterfordert: Sienna Miller) kennen, erlebt die Anschläge des 11. Septembers vor dem Fernseher und erhält am Tag seiner Hochzeit den Marschbefehl in den Irak.

Es waren seine insgesamt vier mehrmonatigen Einsätze als Scharfschütze im dortigen Kriegsgebiet, die Chris Kyle bekannt machen sollten. Mutmaßlich erschoss er während seiner Missionen 255 Gegner, wobei 160 dieser Tötungen verifiziert wurden. In den eigenen Reihen verpasst man ihm dafür den Namen "Legend", bei den Aufständischen war er als "Devil of Ramadi" verhasst.

Dass der reale Kyle seinen Ruf als hochdekorierter Ausnahmesoldat später mit Buchveröffentlichungen kapitalisierte, spart der Film geflissentlich aus. Eastwood zeigt den Protagonisten ausschließlich als bescheidenen Mann der unbedingten Pflichterfüllung: ein Shooter ohne Ego.

Immer wieder kehrt der ohnehin repetitive Film dabei zum Motiv des still auf dem Dach liegenden Kyle zurück, der durch sein Zielfernrohr über die Kameraden unten in den engen Straßen wacht. Jeder seiner platzierten Schüsse, so die unhinterfragte Logik der Erzählung, rettet die Leben von US-Soldaten. Der Scharfschütze, sonst - polemisch formuliert - der designierte Auftragsmörder unter den Waffengattungen, wird hier zum martialischen Schutzengel und wehrhaften Samariter gewendet.

Diese, je nach Lesart verblüffende oder mutwillige Umdeutung, funktioniert, weil der Film nur legitime Ziele präsentiert. So erweisen sich am Anfang Kyles kurzzeitige Skrupel, auf eine Frau und einen kleinen Jungen zu schießen, fast als fatal für einen amerikanischen Konvoi. Die folgenden Antagonisten bereiten dagegen gar kein Kopfzerbrechen mehr, darunter ein sadistischer Terroristenführer, der vermeintliche irakische Kollaborateure mit einer Bohrmaschine quält, sowie ein unter dem Namen Mustafa bekannter Scharfschütze der Gegenseite. Letzteren inszeniert der Film als dunkles Spiegelbild Kyles, mit dem es zwangsläufig zum Showdown kommen muss.

Die Wirklichkeit als größter Feind

Gerade durch dieses lang angebahnte Duell entzieht Eastwood die Figur Chris Kyle noch weiter konkreten politischen und historischen Zusammenhängen und macht seinen "American Sniper" zu einem Wiedergänger unbeirrter Westernhelden.

Der hat zwar zwischenzeitlich an der Heimatfront mit ein paar halbherzig angerissenen, post-traumatischen Problemen wie Bluthochdruck und eruptiver Aggressivität zu kämpfen, doch vermeidet Eastwood tunlichst eine tiefergehende Psychologisierung Chris Kyles. Entsprechend einnehmend gibt Bradley Cooper einen bärtigen Beschützer und Familienvater, der sich dank seines ehernen Kodexes selbst aus der Krise befreien kann, und dessen einziges Manko schlussendlich die übergroße Sorge für Andere bleibt. Jedenfalls solange es sich um Amerikaner handelt, wie jene versehrten Veteranen, denen er zurück in den USA am Schießstand neues Selbstwertgefühl vermittelt.

Dass eben einer dieser Männer den echten Chris Kyle am 12. Februar 2013 erschoss (mittlerweile wurde er zu lebenslanger haft verurteilt), handelt der Film verschämt in einer Texttafel ab. Es ist eine weitere, bedenkliche, wenngleich inhärent schlüssige Aussparung in einem Film, der keine Sicht außerhalb seines beengten Blickfelds duldet. Der die Geschichte eines verheerenden Kriegs nicht nur simplifiziert, sondern sie zugunsten seiner kino-mythologischen Denkmalpflege gleich komplett ignoriert. Und der entgegen bemühter Motive der Nächstenliebe nur Empathie für amerikanische Opfer aufbringt.

Darum ist es gleich, wie viele Gegner im Fadenkreuz von Eastwoods Scharfschützen auftauchen. Der größte, unsichtbare Feind seines "American Sniper" bleibt die Wirklichkeit.

American Sniper

USA 2014

Regie: Clint Eastwood

Buch: Jason Dean Hall

Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Max Charles, Luke Grimes, Kyle Gallner, Jake McDorman, Sam Jaeger

Produktion: Village Roadshow Pictures, Mad Chance Productions, 22nd & Indiana Pictures, Malpaso Productions

Verleih: Warner

Länge: 132 Minuten

FSK: 16

Start: 26. Februar 2015

Birdman

Ein Vogel? Ein Flugzeug? Ein Hampelmann!

Michael Keaton spielte einst Batman, dann geriet er ins Karriereabseits. In "Birdman" gibt er quasi sich selbst - einen Ex-Blockbuster-Helden, der es noch einmal wissen will. Eine virtuos gefilmte Showbiz-Satire - und der Favorit bei den Oscars. Alejandro González Iñárritus Film geht mit neun Nominierungen ins Rennen – unter anderem für die wichtigsten Kategorien wie "Bester Film", "Beste Regie", "Bester Hauptdarsteller" und "Bestes Originaldrehbuch".

Lesen Sie in unserer Kritik, wieso Hollywood "Birdman" liebt.

Sehen Sie hier die Videokritik.

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Grand Budapest Hotel

So ein schöner Schwindler

Bill Murray hält "Grand Budapest Hotel" für den bisher besten Film von Wes Anderson. Er hat Recht: Die Historienfarce verbindet charmante Charaktere und bezaubernde Kulissen mit politischem Feingefühl. Andersons achter Langfilm ist – wie Iñárritus "Birdman" – für neun Oscars nominiert: Nicht nur für den besten Film und die beste Regie, sondern auch für das beste Szenenbild oder die beste Filmmusik.

Lesen Sie in unserer Kritik, wieso sich "Grand Budapest Hotel" nicht in Andersons Reihe kindlich-verspielter Unschuldsdarstellungen einreiht.

The Imitation Game

Hat der Mann nicht schon genug gelitten?

Der tolle Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle, acht Nominierungen: Das Biopic "The Imitation Game" um den genialen Codeknacker Alan Turing, der als Homosexueller verfolgt wurde, ist perfekte Oscar-Ware und macht "Birdman" und "Grand Budapest Hotel" Konkurrenz in den Königsdisziplinen "Bester Film" und "Beste Regie". Und Keira Knightley ist für ihre Darstellung einer emanzipierten Mathematikerin als beste Nebendarstellerin nominiert.

Lesen Sie in unserer Kritik, inwiefern "The Imitation Game" fahrlässig mit Details aus dem Leben Turings umgeht.

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Lesen Sie in unserem Erfahren Sie im SPIEGEL ONLINE-Interview mit Keira Knightley, wieso sie ihren Schulabschluss für eine Karriere als Schauspielerin sausen ließ.

American Sniper

Scharfschütze im Kreuzfeuer

"American Sniper" spaltet Amerika. Der Film verklärt den US-Scharfschützen Chris Kyle zum heroischen Kreuzzug-Killer - und löst einen neuen Kulturkrieg aus. Trotz allem Trubel ist Clint Eastwoods Kinohit für sechs Oscars nominiert, unter anderem in den Kategorien "Bester Film", "Bestes adaptiertes Drehbuch" und "Bester Hauptdarsteller" - für Bradley Cooper in seiner Rolle als Scharfschütze.

Lesen Sie in unserer Analyse, wie "American Sniper" sich zwischen Kriegs- und Antikriegsfilm bewegt.

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Boyhood

Drei Stunden Glück. Pures Glück

Freuen Sie sich auf jede einzelne Minute von "Boyhood". Der Film über einen Jungen, der zum Mann heranwächst, fängt das Leben so einfühlsam und wahrhaftig ein, wie es nur sehr selten im Kino zu sehen ist. "Boyhood" ist für sechs Oscars nominiert: Vielleicht gewinnt ja Richard Linklaters über zwölf Jahre gewachsenes Werk in den Kategorien "Bester Film" oder "Beste Regie"? Dass Patricia Arquette den Oscar für die beste Nebendarstellerin einheimst, gilt als sehr wahrscheinlich.

Lesen Sie in unserer Kritik, weshalb "Boyhood" weit mehr ist als eine Geschichte über das Erwachsenwerden.

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Lesen Sie in unserem Interview mit Patricia Arquette, wie sich ihr Leben während der langjährigen Drehphase verändert hat.

Die Entdeckung der Unendlichkeit

"Die richtige Frau zur richtigen Zeit"

Das Biopic "Die Entdeckung der Unendlichkeit" erzählt die Liebesgeschichte zwischen Stephen Hawking und seiner ersten Frau Jane, ohne die es der Wissenschaftler wohl nie zu Weltruhm gebracht hätte. Eddie Redmayne brilliert in der Rolle des genialen Physikers - und wurde dafür prompt für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. Zudem könnte James Marsh‘ Film auch in den Kategorien "Bester Film", "Beste Hauptdarstellerin", "Bestes adaptiertes Drehbuch" oder "Beste Filmmusik" gewinnen.

Lesen Sie in unserer Kritik, wie Redmayne mit einem Schauspiel der minimalen Gesten überzeugen kann.

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Foxcatcher

Von Männern und Mördern

Die wahre Geschichte eines Millionärs, der sich zum Mäzen des US-Ringer-Teams aufschwingt und dann einen Schützling tötet: "Foxcatcher" ist eine Mischung aus Sportlerdrama, Psychogramm und Satire - mit herausragenden Darstellern. Zwei davon könnten den Oscar gewinnen: Hauptdarsteller Steve Carell und Nebendarsteller Mark Ruffalo. Bennett Millers Film ist insgesamt für fünf Oscars nominiert – darunter "Beste Regie", für die Miller schon einmal nominiert war, aber leer ausging.

Lesen Sie in unserer Kritik, wie in "Foxcatcher" zwei in ihrem Selbstbewusstsein erschütterte Männer aufeinander treffen.

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Lesen Sie in unserem Interview mit Bennett Miller, wie er auf den Stoff für seinen Film stieß.

Interstellar

Willkommen im Wurmloch

Wohin geht der Mensch, wenn die Erde stirbt? Christopher Nolan beantwortet die Frage in seinem Sci-Fi-Epos "Interstellar" mit Quantenphysik und Weltraum-Action - der Plot bleibt bei der Reise leider auf der Strecke. Dennoch ist der Film für fünf Oscars nominiert, allerdings eher in technischen Kategorien wie "Beste visuelle Effekte" oder "Bester Tonschnitt".

Lesen Sie in unserer Kritik, wie Nolan in "Interstellar" Ungereimtheiten mit Action übertüncht.

Whiplash

Bluten für den perfekten Beat

Trommeln, bis die Haut in Fetzen von den Händen hängt: Im Musiker-Thriller "Whiplash" drillt ein unbarmherziger Schlagzeug-Lehrer seine Schüler wie Marines im Bootcamp. Eine Leistung mit zwiespältiger Botschaft, die Damien Chazelles Film fünf Oscar-Nominierungen eingeheimst hat – in den Kategorien "Bester Film", "Bester Nebendarsteller", Bestes adaptiertes Drehbuch", "Bester Schnitt" und "Bester Ton".

Lesen Sie in unserer Kritik, wie es "Whiplash" schafft, den Zuschauer in sein sinisteres Spiel zu verwickeln.

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Mr. Turner – Meister des Lichts

Ein grober Klotz mit zartem Strich

Explosionen, Brände, Schiffbrüche: So dramatisch waren oft die Szenen, die William Turner malte. In seinem Biopic zeigt der Regisseur Mike Leigh die animalischen Züge des Briten, zeichnet aber auch ein feinfühliges Künstlerporträt. Nominiert ist Leighs Film für vier Oscars - in den Kategorien Kamera, Szenenbild, Kostümdesign und Filmmusik.

Lesen Sie in unserer Kritik, wie es der Schauspieler Timothy Spall schafft, den britischen Maler brillant brachial zu mimen.

Into the Woods

Meryl Streep, du große Hexe

In "Into the Woods" werden bekannte Märchen neu interpretiert: Der böse Wolf ist lüsterner, die Prinzen alberner als im Original. Glänzend aufgelegte Stars wie Meryl Streep und Johnny Depp machen das Film-Musical zum Genuss. Das könnte mit drei Oscars prämiert werden - für Meryl Streep als beste Nebendarstellerin, für das beste Szenenbild oder das beste Kostümdesign.

Lesen Sie in unserer Kritik, wieso "Into the Woods" nach zwei Dritteln dramaturgisch ein wenig ins Straucheln gerät.

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Unbroken

Erlöse uns von seinem Leiden!

Die Geschichte des Olympia-Läufers und Kriegsveteranen Louis Zamperini ist wie geschaffen fürs Kino. Trotzdem gelingt Angelina Jolie mit ihrem Biopic "Unbroken" kein packender Film. Der Zuschauer muss lange, lange leiden. Dennoch ist er drei Mal nominiert - in den Kategorien "Beste Kamera", "Bester Ton" und "Bester Tonschnitt".

Lesen Sie in unserer Kritik, wieso es Jolie mit ihrer zweiten Regiearbeit nicht gelungen ist, einen in sich schlüssigen, berührenden Film zu schaffen.

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Der große Trip – Wild

Übertriff deinen Mut

In "Der große Trip - Wild" begibt sich Reese Witherspoon auf eine monatelange Wandertour, um Trauer, Drogenprobleme und Scheidung zu überwinden. Kein Erbauungskino, sondern Porträt einer Frau, die ebenso wild im Denken wie im Leben ist. Vielleicht bekommt Witherspoon für ihre Darstellung ja den Oscar – sie ist nominiert als beste Hauptdarstellerin. Ihre Kollegin Laura Dern ist zudem als beste Nebendarstellerin nominiert.

Lesen Sie in unserer Kritik über den Film, der zu einem ganz anderen Ende führt, als man es von der Geschichte einer Selbstfindung erwarten würde.

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Guardians of the Galaxy

Fünfer-Bande mit Soul

Killer-Amazone, genetisch gepimpter Waschbär, sprechender Baum: Hier kommt die Underdog-Variante der Avengers. In "Guardians of the Galaxy" führt Comedy-Star Chris Pratt eine wilde Truppe von Außenseitern an - charmantes Superhelden-Kino, das zwei Oscars abstauben könnte: In den zu einer Comicverfilmung passenden Kategorien "Beste visuelle Effekte" und "Bestes Make-Up".

Lesen Sie in unserer Kritik, wie es in James Gunns Inszenierung an allen Ecken farbenfroh knallt.

Ida

Der beiläufige Oscar-Favorit

Über 50 Filmpreise und zwei Oscar-Nominierungen: Das polnische Drama "Ida" hat Publikum und Kritiker weltweit begeistert. In Deutschland ist der minimalistische Film über Identität, Schuld und Antisemitismus untergegangen. Höchste Zeit, ihn neu zu entdecken. Pawel Pawlikowskis Werk könnte die Oscars für den besten fremdsprachigen Film und die beste Kamera gewinnen.

Lesen Sie in unserer Kritik, inwiefern "Ida" ein stiller, aber kein ruhiger Film ist.

Inherent Vice – Natürliche Mängel

Sünde, überall nur Sünde

"Inherent Vice" von Paul Thomas Anderson ist ein grandioser Spaß. Joaquin Phoenix als kiffender Privatdetektiv führt in ein Kalifornien der Sechziger, wie es grotesker, psychedelischer und sexier nie zu sehen war. Der Film ist für zwei Oscars nominiert: "Bestes Kostümdesign" und "Bestes adaptiertes Drehbuch".

Lesen Sie in unserer Kritik, wie Joaquin Phoenix es schafft, Slapstick und Horror, Liebesschmerz und Haschisch-High in seinem Gesicht zu spiegeln.

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Citizenfour

Der Mann hinter der Maske

Wer ist Edward Snowden? Mit ihrer Doku "Citizenfour" will Filmemacherin Laura Poitras dem NSA-Whistleblower näher rücken. Da sie aber selbst an den Enthüllungen beteiligt war, bleibt das an sich packende Porträt unvollständig. Dennoch könnte "Citizenfour" dieses Jahr den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewinnen.

Lesen Sie in unserer Kritik, wieso der Whistleblower Snowden auch nach Poitras‘ Film noch ein Enigma bleibt.

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Selma

Das amerikanische Versprechen

Das Filmdrama "Selma" zeigt Martin Luther King Jr. auf der Höhe seiner Macht - und wie er sie nutzt, um die Gleichberechtigung von Schwarzen voranzutreiben. Eine brillante Studie über Politik, die eine wichtige Diskussion angestoßen hat. Und für zwei Oscars nominiert ist: Als "Bester Film" und in der Kategorie "Bester Song" – für das soulige Rapstück "Glory".

Lesen Sie in unserer Kritik, wie "Selma" den Zuschauer eindrucksvoll das Entstehen einer neuen medialen Öffentlichkeit nachvollziehen lässt.

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Timbuktu

Die Schrecken der Scharia

Die Islamisten kämpften gegen Musik und Fußball, führten Zwangsehe und Ganzkörperschleier ein: Nach wahren Begebenheiten erzählt der Film "Timbuktu", wie der Terror in die Wüstenstadt kam. Dafür könnte der mauretanische Regisseur Abderrahmane Sissako den Oscar für den besten fremdsprachigen Film bekommen.

Lesen Sie in unserer Kritik, auf welchen wahren Begebenheiten "Timbuktu" beruht.

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Wild Tales

Jetzt reicht’s aber endgültig!

Der argentinische Episodenfilm "Wild Tales" zeigt Menschen, die sich nichts mehr gefallen lassen wollen - und dafür auch drastische Konsequenzen in Kauf nehmen. Klingt schlimm, ist aber sehr unterhaltsam. Und könnte dem argentinischen Regisseur Damián Szifrón einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film bescheren.

Lesen Sie in unserer Kritik, wie Szifrón Schrecken mit Humor verbindet.

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Seite 1
Fred Widmer 25.02.2015
1. Ich habe das Buch gelesen. Im Original. 2x
Ich habe "das Buch" sehr genau gelesen. Wenn das Buch in den USA ein "Bestseller" ist - und nicht etwa aus medizinischen Gründen - dann ist das Land abzuschreiben. Chris Kyle ist im Grunde ein Psychopath, für den das Töten von Menschen - spezifisch mit Gewehren - eine Art "inner healing" ist. Er brauchte das unbedingt. Es ist völlig klar, daß er das nach seinem "Dienst" nicht durchhalten wird, nur die "Simulation" auf seinem Schießplatz ist öde. Aber das kommt im Film nicht vor. CK hatte das Glück, dass seine perverse "healing-strategie" zur richtigen Zeit am richtigen Ort als "Heldentat" durchgehen konnte. Warum Eastwood, der offensichtlich etwas weich in der Birne geworden ist, nicht als das erkennt, was es ist, braucht man nicht zu fragen. Es wäre aber eine Chance gewesen, die gesamte Kolonialkriegsproblematik der USA aufzuweisen und gerade solche "Heldengeschichten" ad absurdum zu führen. Das hat er nicht hinbekommen, leider.
twister-at 25.02.2015
2. Andere Ansicht
1. Eastwood hat ja Selbstjustiz und das stupide "wir sind die Guten"-Denken oft glorifiziert bzw. bei dessen Glorifizierung mitgewirkt 2. Eastwood will dadurch die Debatte anstoßen, dass er eine eindeutige Position einnimmt Der "Trick" mit den legitimen Zielen funktioniert insofern auch, als dass er eben die anderen Ziele ausblendet, so wie der Sniper auch Zweifel usw. ausblendet und an dem "Hurrah Patriotismus" a la Navy CIS festhält. Das ist das Schöne z.B. an mancher Serie - sie bedient quasi nebenher eine Diskussion. So z.B. gerade "Good Wife" als die beiden Chefanwälte, die ihrerseits die Junganwälte über den Tisch gezogen haben, sich ganz als gekränkte Unschuld gerieren weil sie jetzt ihrerseits in die Röhre schauen. Das wird gar nicht thematisiert, aber vom Zuschauer durchaus mitbekommen und entsprechend eben diskutiert.
Kaygeebee 25.02.2015
3.
Die USA greifen ohne Grund ein Land an, welches ihnen nichts getan hat, bringen dort hunderttausende von Menschen um und haben dann sogar noch den Nerv einen Film zu drehen, welcher sich darum dreht, wie sehr der Krieg ihre Soldaten belastet... Kennt jemand den fiktiven Film "Stolz der Nation" aus "Inglourious Basterds"? In dem erschießt ein Scharfschütze der Wehrmacht auch über 200 Menschen und wird als Held gefeiert. Nur war das eine zynische Parodie, jetzt sind wir bei "American Sniper" angekommen.
killing joke 25.02.2015
4. Erzählung der amerikanischen Weltsicht?
Hat Eastwood hier eine Abbildung des amerikanischen Selbst- und Weltbildes abgeliefert? Hoffentlich nicht... Eine Weltmacht, die das barbarischen Desaster des Irakkrieges in keiner anderen Kollektiverzählung verarbeiten kann, als in einem autistischen Videospiel des "good guy" gegen die "bad guys" wäre sehr besorgniserregende Sache!
Jan2607 25.02.2015
5.
Eric L. Haney hat in seinem Buch "Inside Delta Force" gut beschrieben, was das Problem von Scharfschützen ist. Es handelt sich um 2 Nebenwirkungen: 1. Das sogenannte "Massaker von München-Syndrom", bei dem der Scharfschütze so lange das Ziel und dessen Angewohnheiten beobachtet, bis er sich mit diesem identifiziert. Wenn dann die Zeit für den Schuss gekommen ist, kann er nicht mehr abdrücken. So geschehen in München '72, daher der Name. 2. Das sogenannte Texas Tower Syndrom, bei dem der Scharfschütze süchtig nach Töten wird. Irgendwann kann er nicht mehr aufhören - genauso wie Drogensüchtige. Die Top-Spezialeinheiten dieser Erde, wozu auch die Delta Force und SEAL Team 6/DEVGRU gehören, nehmen Personen mit solchen Eigenschaften gar nicht erst aus. Bei den restlichen SEAL Teams (die nicht ganz so hohe psychische als auch physische Anforderungen haben) hingegen kann es vorkommen, dass sich dort Sniper mit dem Texas Tower Syndrom befinden. Kyle gehörte SEAL Team 3 an. Leider suggeriert der Artikel, dass die im Film geschilderten Ereignisse nur ausgedacht seien. In Wahrheit beruht er jedoch auf Tatsachen. Der Autor dieses Artikels geht davon aus, dass es kein Schwarz-Weiß gibt (was meiner Meinung nach auch richtig ist), jedoch bleibt in einer hochgefährlichen Situation im Krieg kein Platz, um sich darüber Gedanken zu machen. Hier im sicheren Deutschland mag man sich gar nicht vorstellen, dass eine Mutter mit ihrem Baby auf Soldaten zuläuft, um dann eine Handgranate zu zünden. Dies ist jedoch im Irak/in Afghanistan sicher keine Seltenheit. Was soll also der Scharfschütze auf dem Dach machen? Zuschauen? Oder die Mutter und das Kind töten, und seine Kameraden schützen? Wenn es nach dem Autor ginge, dann vermutlich zuschauen...
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