Antisemitismus-Vorwürfe FSK stoppt "Tal der Wölfe"-Film

Ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag sollte der als antisemitisch kritisierte türkische Actionfilm "Tal der Wölfe - Palästina" in deutschen Kinos starten. Nach einem Einspruch der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft hat die Verleihfirma den Kinostart nun vorerst abgeblasen.

Szene aus "Tal der Wölfe - Palästina": "Antiamerikanisch, antiisraelisch, antisemitisch"
Pana Film

Szene aus "Tal der Wölfe - Palästina": "Antiamerikanisch, antiisraelisch, antisemitisch"


Köln/Hamburg - Nach Protesten gegen den als antisemitisch kritisierten Film "Tal der Wölfe - Palästina" wird das Werk nun doch nicht an diesem Donnerstag in deutschen Kinos anlaufen. Das sagte eine Sprecherin der Kölner Verleihfirma Pera Film der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) habe den Action-Film aus der Türkei nicht freigegeben, sagte die Sprecherin nach einer FSK-Entscheidung vom Vorabend.

"Das offizielle Schreiben liegt uns noch nicht vor, aber wir werden uns erst mal an die Entscheidung halten. Der Film wird definitiv nicht am Donnerstag starten", sagte die Sprecherin. Pera Film wolle nun zunächst die Gründe der FSK genau prüfen. "Wir sehen dann weiter", sagte sie.

Pera sei die einzige Verleihfirma für "Tal der Wölfe" in Deutschland. Der mit zehn Millionen Dollar Produktionskosten teuerste türkische Film aller Zeiten behandelt den israelischen Angriff auf das türkische Hilfsschiff Mavi Marmara vom Mai 2010. Soldaten hatten bei dem Einsatz gegen die Flotte, die die Gaza-Blockade aufbrechen wollte, neun türkische Aktivisten getötet.

Der Film verbreite antiamerikanische, antiisraelische und antisemitische Stereotypen mit volksverhetzendem Charakter, hatte der "Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus" in Berlin gewarnt. Er sollte an diesem Donnerstag in mehreren Kinoketten anlaufen, just zum Internationalen Tag des Holocaust-Gedenkens (27. Januar). Dies hatten Politiker von CDU, SPD, den Grünen und der FDP als geschmacklos und unverantwortlich bezeichnet.

Den Stoff für das Drehbuch des ersten "Tal der Wölfe"-Kinofilms, der 2006 in Deutschland anlief, lieferte ein Vorfall im Norden des Irak, bei dem amerikanische Besatzungstruppen 2003 elf türkischen Soldaten Säcke über den Kopf zogen, sie verhörten und demütigten. Der Action-Held Polat Alemdar durfte sie rächen. Obwohl es damals zu heftigen Verstimmungen zwischen Ankara und Washington kam - der Film war an antiamerikanischen und antisemitischen Klischees kaum zu überbieten - sind die Macher bis heute stolz, dass ihr Gewaltfilm von mehr als 4,2 Millionen Menschen gesehen wurde. "Palästine" ist bereits der vierte Film der erfolgreichen Reihe.

feb/dpa

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