Apokalyptische Komödie Keine Panik, ist nur ein Weltuntergang

Um diesem Spießer seine Langweiligkeit auszutreiben, braucht es schon die Apokalypse: Steve Carrell findet in "Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt" ausgerechnet mit Keira Knightley als Indie-Girlie eine Partnerin für die Katastrophe. Wer soll denn das glauben? Wir nicht!

Von Lisa Goldmann


Als der Radiosprecher die Meldung vom baldigen Ende der Welt verkündet, sitzen Dodge und Linda im Auto. Ohne ein Wort zu sagen, öffnet Linda die Wagentür, steigt aus und geht. Bis zum Ende der Welt wird Dodge sie nicht wieder sehen. Man kann Linda (Nancy Carell) gut verstehen: Dodge (Steve Carell) ist ein Langweiler. Es fällt schon schwer, einen Kinobesuch mit ihm durchzustehen, die letzten drei Wochen auf Erden möchte man wirklich nicht mit ihm verbringen.

Der Meteorit Matilda wird auf die Erde stürzen, alle Rettungsversuche sind gescheitert. Der Nachrichtenkanal versucht, die Normalität so lange wie möglich aufrecht zu halten, doch in der Bevölkerung beginnt die Zivilisationsfassade langsam zu bröckeln. Einige verfallen in Panik, die meisten versuchen, all das nachzuholen, was sie bisher versäumt haben.

In Dodges Versicherungsagentur wird den wenigen verbliebenen Mitarbeitern der Chefposten angeboten, den jetzt keiner mehr haben will. Für die große Endzeit-Party bei Dodges Freuden hat Karen (Melanie Lynskey) all die Klamotten angezogen, die bisher ungetragen in ihrem Schrank hingen und verkündet stolz, ab jetzt alles zu essen, worauf sie Lust hat. Das ist harmlos, aber als Zuschauer von "Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt" stellt man sich doch all die Fragen, die ein guter Endzeitfilm aufwirft: Was würde ich tun, wenn die Welt bald untergeht? Was bereue ich, getan und vor allem nicht getan zu haben? An wessen Seite möchte ich sterben? Und wie weit sind die Antworten auf diese Fragen von meinem jetzigen Leben entfernt?

Roadtrip durch die Apokalypse

Doch Hauptfigur Dodge weiß in den letzten Wochen seines Lebens nichts mit sich anzufangen. Er ist gefangen in seiner Passivität, geht immer noch brav zur Arbeit und hat auf Sex und Drogen so gar keine Lust.

Auch ein gemeinsamer Roadtrip mit seiner süßen, 20 Jahre jüngeren Nachbarin Penny (Keira Knightley) kann diesen Dodge nicht hinter dem Ofen vorlocken. Sie will zu ihrer Familie nach England, er kennt jemanden mit einem Privatflugzeug, und so verlassen sie die Stadt. Das ungleiche Paar tingelt durch ein apokalyptisch angehauchtes Amerika. Die beiden begegnen lebensmüden Truckdrivern und paramilitärischen Überlebenseinheiten.

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Apokalypsen-Komödie: Ein Prosit auf den Weltuntergang
Steve Carell als verklemmter Spießer - hier würde der Spaß eigentlich erst anfangen. Es ist Carells Paraderolle. Der Komiker hat sie entwickelt in Judd Apatows erster Komödie "Jungfrau (40), männlich, sucht" (2005) und gepflegt unter anderem in "Date Night" (2010) als Vorstadt-Gatte von Tina Fey und jüngst als langweiliger Noch-Ehemann in "Crazy Stupid Love" (2011).

Carells Figuren waren lustig, eben weil sie so unglaublich langweilig waren und deswegen in viele ihnen unangenehme und unpassende Situationen gerieten. In "Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt" aber geht etwas schief, genauer gesagt zwei Dinge: Weil der Film nicht nur Komödie, sondern auch großes Drama sein will - es geht schließlich um die Auslöschung der gesamten Menschheit - darf Dodge nicht mehr nur der unbeholfene Spießer sein, er muss auch den tragischen (und romantischen Helden) geben. Für Lächerlichkeit und Slapstick ist da kein Platz. Wenn man die aber abzieht, bleibt nur noch ein langweiliger Langweiler.

Carell scheitert an den dramaturgischen Herausforderungen seiner Rolle, sein Gesicht versteinert und er verfällt in Regungslosigkeit. Es hätte auch wirklich ganz großer, nuancenreicher Schauspielkunst bedurft, um bei dieser "Dramödie" mithalten zu können - der Film wechselt im Minutentakt zwischen komisch und traurig.

Außerdem wird Dodge mit Penny eine Partnerin an die Seite gestellt, die so gar nicht dazu geeignet ist, irgendetwas aus ihm herauszukitzeln: Penny ist ein überdrehtes Indie-Girl, das sich auch kurz vor Armageddon nicht von ihren Schallplatten trennen kann und unter einer putzigen Form der Narkolepsie leidet. Wenn sie erst einmal schläft, wacht sie so schnell nicht mehr auf. Doch leider scheint Keira Knightley wenig Interesse an ihrer Figur zu haben - und noch weniger an Steve Carells Dodge.

Es muss schon die ganze Welt untergehen, damit so ein Paar zusammenfindet.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
veleg 20.09.2012
1. der film ist ganz gut
halt keine comedy, kein drama und keine romanze sondern irgendwo dazwischen, vom styl her irgendwo zwischen casablanca und lost in translation obwohl man sagen muss das diese beiden classiker immer noch deutlich besser sind. Die Schauspielerische leistung ist auch nicht so schlecht, gerade die leblosen gesichter geben dem film eine tiefe die bei einem überambitionierten spiel oft verloren geht.
Palisander 20.09.2012
2. Das ist ja das neue Thema nach
dem Lars von Trier letztes Jahr mit Melancholia gestartet ist. Liegt wohl an 2012. Ich gebe meinem Vorkommentator recht. Der Film hat zwischenzeitlich einige Längen und kommt manchmal nicht aus den Hufen, aber alles in allem habe ich mich kaum gelangweilt und es gibt einige lustige Randfiguren. Ausserdem gibt es einen wirklich guten Soundtrack.
doytom 20.09.2012
3. Steve Carrell ist ein brillianter US-Comedian
Zitat von sysopUniversal PicturesUm diesem Spießer seine Langweiligkeit auszutreiben, braucht es schon die Apokalypse: Steve Carrell findet in "Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt" ausgerechnet mit Keira Knightley als Indie-Girlie eine Partnerin für die Katastrophe. Wer soll denn das glauben? Wir nicht! http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,855893,00.html
Schon im amerikanischen Ableger der Comedyserie `The Office` brillierte Steve Carrell als vermeintlich `bester Boss` den man sich wünschen kann am Arbeitsplatz als Gegenpol zum steiff wirkenden `Stromberg` und beweist das die amerikanische Comedy-Szene viel weiter entwickelt ist als in Deutschland. Steve Carrell ist ein brillianter US-Comedian mit einem anspruchsvollen Humor und ich freue mich jedesmal Steve Carrells neuste Werke auf der Leinwand zu bewundern.
snickerman 21.09.2012
4. *stöhn*
Wenn ich noch einmal höre, amerikanische Comedy wäre so viel toller als die hiesige, dem verpasse ich dermaßen eine, dass er in das Land seiner Träume katapultiert wird!
Knighter 21.09.2012
5. hm
mag ja sein, aber amerikanische comedy ist halt trotz aller schwächen einfach um längen besser als wie deutsche. hierzulande kann ohnehin nur politisches kabarett ertragen werden, was einem sonst so zugemutet wird ist einfach nur erbärmlich...
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