Biopic über Neil Armstrong "America first", wenigstens auf dem Mond

Zu nationalistisch - oder nicht patriotisch genug? In den USA wird über die Filmbiografie "Aufbruch zum Mond" mit Ryan Gosling als Neil Armstrong gestritten. Doch so einfach ist die Beurteilung nicht.

Universal Pictures

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So schnell kann es gehen: Eben war "Aufbruch zum Mond" noch von rechter Seite als unpatriotisch kritisiert worden, da der Film nicht zeigt, wie bei der Mondlandung die US-Flagge gehisst wird. Kurze Zeit später wird er von linksliberaler Seite als "versehentliches rechtes Fetisch-Objekt" verpönt.

Statt einen Start-Ziel-Sieg von den Filmfestspielen von Venedig bis zu den Oscars einzufahren, hat sich "Aufbruch zum Mond" so zu einem der umstrittensten Filme der vergangenen Monate entwickelt. Er ist zugleich einer der interessantesten.

In seinem ersten Film nach dem Erfolgsmusical "La La Land" erzählt Damien Chazelle von den individuellen wie auch den kollektiven Opfern, derer es bedurfte, bis am 21. Juli 1969 die Apollo 11 auf dem Mond landen und Neil Armstrong ihn als erster Mensch betreten konnte. Für die individuellen Opfer, namentlich die von Armstrong, findet Chazelle zusammen mit Drehbuchautor Josh Singer ("Spotlight", "Die Verlegerin") eine psychologische Erklärung. Einige Jahre vor den Apollo-Missionen war Armstrongs einzige Tochter Karen im Alter von zwei Jahren an einem Gehirntumor gestorben.

"America first!" auf dem Mond

Unfähig, gemeinsam mit seiner Frau Jane und ihren zwei Söhnen zu trauern, versteift sich Armstrong (gespielt von Ryan Gosling) auf seine Karriere als Astronaut. Sie wird für ihn sowohl zur Antithese zu Karens Tod - er überwindet schließlich die Beschränkungen irdischen Lebens - als auch zur Würdigung ihres Lebens. In einem entscheidenden Moment dichtet "Aufbruch zum Mond" Armstrong eine rundheraus sentimentale Geste, mit der er dem kleinen Mädchen gedenkt, an.

Diese Psychologisierung verblüfft - weil sie von der offiziellen Biografie Armstrongs, die als Buchvorlage diente, nicht gedeckt ist. Aber auch, weil Hollywood solche Erklärungsmuster eigentlich nur für Frauenfiguren vorsieht. Nur zwei Beispiele aus artverwandten Filmen: Sowohl in "Arrival" als auch in "Gravity" war es das Gedenken an die tote Tochter, das Amy Adams bzw. Sandra Bullock zu Höchstleistungen antrieb. Dass Neil Armstrong hier eine ähnliche Trauerarbeit zugedacht wird, macht aus ihm auf ganz anderer Ebene einen "First Man". Im All hört dich keiner weinen.

Für die überindividuellen Opfer finden Chazelle und Singer hingegen keine rechte Erklärung. Immer wieder geht ein Testflug grauenhaft schief und kehrt ein Kollege nicht ins NASA-Training zurück. Ist die Raumfahrt die zahllosen Toten und nicht zuletzt die Milliarden an Dollar wirklich wert? Wohin soll der "gewaltige Sprung für die Menschheit" genau führen? In den Führungsebenen der NASA werden solche Fragen mit Verweis auf die Erfolge der Sowjets weggewischt. Wenn schon nicht der erste Satellit und das erste Lebewesen im All, dann wenigstens auf dem Mond "America first"!

Einer statt aller

Diesem Triumphalismus widerspricht der Film nicht, weshalb er sich auch so unverhofft gut in die Trump'sche Agenda einfügt - zu der neuerdings auch wieder bemannte Raumfahrt gehört. Die rechtskonservativen Empörungsrufe nach der Premiere in Venedig, die sich ohne Kenntnis des Films daran abarbeiteten, dass das Hissen der US-amerikanischen Flagge fehlt, sind nach dem Kinostart entsprechend leise geworden.

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"Aufbruch zum Mond": Ein fürchterlich stiller Held

Durchsetzungskraft ist Ehrensache, Kooperation zählt nichts. In "Aufbruch zum Mond" werden die kollektiven Anstrengungen der verschiedenen Apollo-Missionen zu Gunsten von Armstrongs singulärer Heldenrolle in den Hintergrund gedrängt. Buzz Aldrin, charismatischer wing man des spröden Armstrong, wird zum geltungsüchtigen Fatzke degradiert (hatte hier jemand noch eine Rechnung mit dem zweiten Mann auf dem Mond offen?); und auch die schwarzen NASA-Mathematikerinnen, die Theodore Melfis Filmhit von 2016 so mitreißend feierte, werden wieder zu "Hidden Figures" gemacht.

An anderer Stelle ist "Aufbruch zum Mond" jedoch offen und durchlässig. Als der Start der Apollo 11 näher rückt, erklingt für ein paar Takte Gil Scott-Herons "Whitey on the Moon", eine ebenso giftige wie groovende Erinnerung an die Anliegen der Bürgerrechtsbewegung.

Danach ist der Film nicht mehr der, der er war. Während Scott-Herons Musik bis weit in die Gegenwart nachhallt, wirkt "Whiteys" Mission bereits im Moment ihrer Erfüllung aus der Zeit gefallen.

Ganz mit seinem Modell heroischer Männlichkeit mag Chazelle aber noch nicht brechen, und in mancher Perspektive ließe sich "Aufbruch zum Mond" gemeinsam mit "Whiplash" und "La La Land" zu einer Streber-Trilogie bündeln. Allen drei männlichen Hauptfiguren ist gemein, dass sich gleichberechtigte Partnerschaft und beruflicher Erfolg für sie auszuschließen scheinen, sie das eine für das andere meinen aufgeben zu müssen. Nicht von ungefähr evoziert der Originaltitel "First Man" den ersten Mann gleich Menschen Adam, den Eva auch mal besser in Ruhe gelassen hätte.

Doch "Aufbruch zum Mond" findet zugleich einen kritischen Blick auf sein Einsamer-Wolf-Gebaren: Durch die großen, erzürnten Augen von Claire Foy als Armstrongs Ehefrau Janet sieht er auf einen Mann, der als letzter dafür Worte finden könnte, was er dort oben auf dem Mond nun wirklich geleistet hat. Die Bilder dazu haben Chazelle und sein Kameramann Linus Sandgren gefunden. Der Rest jedoch ist Schweigen.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Jetzt_mal_ernsthaft 09.11.2018
1. Langweilig
Vor allem ist dieser Film einfach langweilig. Keinerlei Spannung wie in Apollo 13 und leider auch keine Darstellung der einzelnen Etappen auf dem Flug zum Mond. Man kann nix lernen und auch nix mitfühlen. Wir haben mehrmals auf die Uhr geschaut. Erwähnenswert im Spiegel vermutlich nur weil er vom Mutterkonzern/Anteilseigner herausgegeben wird. Bin mal gespannt, ob mein Kommentar trotz meiner Kritik veröffentlicht wird.
xxgreenkeeperxx 09.11.2018
2. sehenswert
Für mich ist der Film die konsequente Fortsetzung von "Der Stoff aus dem die Helden sind". Darin wird in der gleicher Art das Mercury-Programm behandelt. Menschlich sicher interessant aber eben leider auch etwas langatmig. Ryan Gosling spielt den ersten Menschen auf dem Mond schon sehr überzeugend wie ich finde, vor allem was seinen Schmerz über den frühen Tod seiner Tochter betrifft, der ja dann scheinbar auch gleichzeitig zur Motivation wird jedes Risiko einzugehen um das Apollo-Programm auf den Mond zu bringen. Und die Figur des Buzz Aldrin finde ich passt in der Darstellung zum eher introvertierten Armstrong sehr gut. Er sagt halt immer das was eigentlich alle denken. Das solche Typen in Deutschland als "geltungssüchtige Fatzke" gelten, ist in bestimmten Köpfen wohl der Präsidentschaft eines Mr. Trump geschuldet. Dabei ist das in meinen Augen keine schlechte Eigenschaft. Mir sind solche Leute jedenfalls lieber als die, die immer nur um den heißen Brei herumreden nur weil sie nicht anecken wollen um sich ihre Karriere nicht zu zerstören. Und in den USA würdigt man solche Charaktere eben auch, denn ohne sie gebe es nun mal keinen Fortschritt. Na ja und das Armstrong am Ende die Landefähre mit dem letztem Tropfen Sprit im Tank per Hand noch sicher landet, sollte man jetzt auch nicht unbedingt den SoftwareprogrammIrern in die Schuhe schieben, deren Produkt bei der Landung dauernd Fehlermeldungen erzeugte, so dass es zu einem Sicherheitsrisiko für die Besatzung wurde. Aber eins muss ich leider auch sagen wenn man den russischen Film "Spacewalker" zum Vergleich nimmt, der ja auch ein Thema der Raumfahrt in diesem Zeitraum behandelt, dann haben die Russen das Rennen um den besseren Film diesmal in allen Kategorien für sich entschieden.
idreamedmusic 09.11.2018
3. Grandios
Finde den Film schwer zu empfehlen, da ich denke, dass ihn viele als langweilig empfinden werden da es doch, trotz Mondlandung, irgendwie ein stiller Film ist. Ich fand ihn grandiose und perfekt for Ryan Goslings stoische Art zu spielen. Ob jetzt zu viel oder zu wenig Patriotismus; ich fand es gut dass das Aufstellen der Flagge nich prominent gezeigt wird. Das macht das Erreichte universeller auch wenn das space race zum großen Teil auch Teil des Kalten Krieges war. Am Ende ist es ein visuell großartiges Portrait von Armstrong, einem nicht immer sympatische Protagonisten, und dem schieren Wahnsinn, der es gewesen sein muss, sich damals ins All schießen zu lassen.
quark2@mailinator.com 09.11.2018
4.
Ja, Spacewalker ist wirklich ein toller Film, zumal ich aus der Geschichte meiner Familie kommend sagen kann, daß viele Dinge sehr realistisch dargestellt sind. Für mich, zusammen mit Apollo 13, absolut am oberen Ende der Skala, was diese Art Filme angeht. Es waren Zeiten, als der Begriff "bleeding edge" wirklich noch verdammt real war. Mir wird heutzutage die Watteschicht schon zu dick :-). Ich finde aber auch, daß Apollo 13 eh der bessere Stoff ist. Der Mensch zeigt seine Größe immer dann, wenn irgendwas nicht funktioniert :-).
PeaceNow 10.11.2018
5. Wie viele Jahre oder gar Jahrzehnte
will man uns denn noch die Lüge der angeblichen ersten Mondlandung auftischen? Auch die Medien versagen hierzu bei der Aufklärung und Wahrheitsfindung seit Jahrzehnten, obwohl Zeugen und Whistleblower schon lange Beweise für die Hollywood fake Mondlandung liefern, welche bis heute ignoriert wird. Die mediale Unterdrückung dessen beweist das die MSM mit den Vertuschen unter einer Decke stecken.
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