München "Aus dem Nichts" gewinnt Bayerischen Filmpreis

Hollywood-Flair in München: Werner Herzog, Diane Kruger und Fatih Akin wurden am Freitag beim Bayerischen Filmpreis gefeiert. Doch auch die heimische Filmszene ging nicht leer aus.

Fatih Akin, Diane Kruger
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Fatih Akin, Diane Kruger


Der Bayerische Filmpreis ist zwar nicht der Oscar, doch am Freitag konnten Fatih Akin und Diane Kruger in München schon einmal den großen Auftritt proben. Für ihren Film "Aus dem Nichts" wurden sie mit den Preisen für die beste Regie und die beste Darstellerin ausgezeichnet. Das NSU-Drama gewann erst kürzlich einen Golden Globe für den besten nicht-englischsprachigen Film und ist auch der deutsche Oscar-Kandidat.

Dementsprechend unruhig wurde es am Abend am roten Teppich, als Kruger mit leichter Verspätung auflief. Als sie eintraf, wurde die 41-jährige Hollywood-Schauspielerin sofort von Fans und Journalisten belagert. Sie bahnte sich gehetzt ihren Weg zum Eingang des Münchner Prinzregententheaters. Warum "Aus dem Nichts" das Zeug zum Oscar habe? "Wenn ich das wüsste, hätte ich ihn", sagte die Deutsch-Amerikanerin.

Entspannter schritt da schon Akin (44) über den Teppich. Er sei ein "Meister seines Faches", sagte die Jury des Bayerischen Filmpreises. "Aus dem Nichts" mache politischen Terror zu einer persönlichen Angelegenheit. "Sein Film fasst uns an, wie uns Nachrichten niemals berühren können, denn zurück bleibt eine Frau, der man alles Glück, alle Hoffnung genommen hat."

"Wie Bud Spencer und Terence Hill"

"Ich habe das allerbeste Team, die allerbesten Schauspieler und Schauspielerinnen", sagte Akin, nachdem er seinen Preis entgegengenommen hatte, und richtete das Wort an Kruger im Publikum: "Als Kind auf der Schule wollte ich immer Bud Spencer sein und habe mir einen Terence Hill gewünscht. Du und ich sind wie Bud Spencer und Terence Hill."

"Er ist für mich der Traumregisseur", sagte Kruger wenig später und erwiderte damit das Kompliment, bevor sie ihren Preis auf der Bühne entgegennahm. "Ich werde dir nie vergessen, dass du mir solche Flügel gegeben hast."

"Labyrinthisch" schätzte der Filmemacher Werner Herzog die Chancen von "Aus dem Nichts" für den Oscar ein. "Aber ich bin stimmberechtigtes Mitglied der Academy und ich habe da relativ klare Vorstellungen", sagte er auf dem roten Teppich wissen, den er mit Bayerns stellvertretender Ministerpräsidentin Ilse Aigner beschritt. Wenig später verlieh die CSU-Politikerin dem 75-Jährigen den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten für sein Lebenswerk.

"Sie sind eine schöpferische Urgewalt", sagte Aigner in ihrer Laudatio zu Herzog. "Ein besessener Sucher, ein genialer Erfinder." Herzog besitze die Gabe, seine Mitmenschen für Geschichten zu begeistern. "Sie sind ein Visionär und ein Meister der Grenzüberschreitung." Das Publikum bejubelte Herzog mit Standing Ovations und langem Applaus.

"Figuren, die die Fans lieben"

Der hoch dotierte Produzentenpreis ging an die Macher der Filme "The Happy Prince" und "Grießnockerlaffäre". Die drei Produzenten hätten auf ihre jeweils eigene Weise überzeugende Gesamtwerke geschaffen und teilten sich den Preis von 200 000 Euro, wie die Jury mitteilte.

"The Happy Prince" (Regie: Rupert Everett), der erst im Mai in die deutschen Kinos kommt, erzählt von den letzten Lebensjahren des irischen Schriftstellers Oscar Wilde. Die Produzenten Philipp Kreuzer und Jörg Schulze hätten laut Jury mit einem internationalen Team "inhaltlich ebenso wie künstlerisch überzeugt und ein herausragendes Kinoerlebnis gewährt".

In der "Grießnockerlaffäre" sei es Produzentin Kerstin Schmidbauer, dem Schauspielensemble und Regisseur Ed Herzog gelungen, ein "köstlich zugespitztes Drehbuch und lakonische Dialoge" zu einer stimmigen Einheit zu verknüpfen.

Auch der erfolgreichste deutsche Film des vergangenen Jahres ging nicht leer aus. Der Regisseur Bora Dagtekin wurde für die Erfolgskomödie "Fack Ju Göthe 3" mit dem undotierten Publikumspreis ausgezeichnet. "Ihr habt Figuren geschaffen, die die Fans lieben", sagte Produzentin Lena Schömann in Richtung der Schauspieler Jella Haase und Max von der Groeben.

cop/dpa



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