"Avatar" in Neuseeland: James Cameron baut sich sein Pandora

Ein Paradies namens Pandora, hier auf der Erde: Für die Fortsetzungen des Blockbusters "Avatar" hat US-Regisseur James Cameron in Neuseeland ein gigantisches Gelände gekauft, seine Version des Film-Planeten Pandora. Dort will er nun wohnen - und bekommt gleich Ärger mit den Nachbarn.

Hamburg/Martinborough - Pandora? Astronomen verstehen darunter einen der 62 bekannten Monde des Planeten Saturn. Bildungsbürger wissen, dass in der griechischen Mythologie so die erste Frau auf Erden hieß, die in ihrer Büchse Übel mitbrachte. Und Millionen von Kinogängern kennen Pandora als Schauplatz von James Camerons Mega-Blockbuster "Avatar", als einen fiktiven Film-Planeten fern unserer Welt. Das stimmt jetzt so nicht mehr. Denn der US-Regisseur hat die paradiesische Wildnis nun auch auf der Erde entdeckt - im Süden der Nordinsel Neuseelands.

Dort will er die Fortsetzungen seines 3-D-Science-Fiction-Märchens "Avatar" drehen, einer recht schlichten Parabel à la Winnetou, in der er die kriegerische Ausbeutung fremder Welten zum Thema macht. In dem Film muss sich ein Volk edler Wilder, die blauhäutigen Na'vi, gegen eine Invasion der Menschen verteidigen, die es auf Rohstoffe abgesehen haben. Eine gewisse Parallele zu Camerons Ankunft in Neuseeland ist nun nicht ganz von der Hand zu weisen: Seine neuen Nachbarn fürchten, auch er könnte sich wie ein Eroberer verhalten.

Cameron hat in der Region South Wairarapa am See Pounui ein riesiges Anwesen gekauft. Laut " New York Times" investierte der Filmemacher schätzungsweise rund 16 Millionen Dollar, um für die Dreharbeiten der "Avatar"-Fortsetzungen gut tausend Hektar Ackerland zu erwerben; zehn Quadratkilometer - eine Fläche, größer als tausend Fußballfelder. Der Regisseur plant Branchenkreisen zufolge, ab Herbst drei weitere "Avatar"-Filme zu drehen - laut "Showbiz 411" alle gleichzeitig - und alle mit Sigourney Weaver, wie die Schauspielerin dem Hollywood-Branchendienst verriet. Er selbst hat bisher von einer Trilogie gesprochen, aber weitere Teile in Erwägung gezogen.

Ab Herbst verlegt Cameron nun sogar seinen Lebensmittelpunkt an den künftigen Drehort, wo er die Hälfte des Jahres auch mit seiner Familie residieren will. Die Wildnis am See Pounui könnte man in Anlehnung an das Film-Pandora übrigens wirklich paradiesisch nennen: Die Artenvielfalt der Vegetation fasziniert jedenfalls die Biologen, besonders die endemischen Myrtengewächse, Kanuka und Manuka genannt. Cameron freut sich allerdings eher auf den See selbst. "Ich kann es kaum erwarten, die Tauchflasche anzuwerfen und da runter zu kommen", soll er laut "New York Times" kundgetan haben.

Peter Jacksons neuer Nachbar

Einige Einheimische sehen weniger Grund zur Freude. Sie fürchten, dass Camerons Investionen sie womöglich - auf indirektem Wege - aus ihrer Heimat vertreiben könnten. "Mr. Cameron hat das Land, das seit 2004 auf dem Markt ist, viel zu teuer bezahlt", sagte der US-Zeitung zufolge einer von Camerons neuen neuseeländischen Nachbarn. "Ich hoffe, das wirkt sich nicht auf unser aller Abgaben aus."

Und schon jetzt hat Cameron seine neuen Nachbarn bitter enttäuscht. Eine kleine Halle nahe dem See, die von der lokalen Bevölkerung gern für Hochzeitsempfänge genutzt wird, hat er kurzerhand geschlossen. Die Frage danach, ob er sie nicht wieder öffnen könne, scheint ihn eher kalt zu lassen. Seine Antwort darauf lautete: "Das wird meine Filmwerkstatt."

Neuseeländische Blogger beobachten dagegen argwöhnisch Camerons Pläne, auf seinem neu erworbenen Ackerland eher Feldpflanzen anbauen zu wollen - und nicht, wie bislang üblich, weiter Viehwirtschaft dort zu betreiben. Seine Frau Suzy Amis halte ihn und die Kinder schließlich dazu an, sich vegetarisch zu ernähren. Beim Kauf des Grundstücks musste sich Cameron jedenfalls dazu verpflichten, das Gelände anteilig als Farm zu bewirtschaften. "Ja, der am Set bekanntermaßen laute und aggressive Herr Cameron scheint Vegetarier zu sein. Huh", ätzt das Blog Opinion Dominion.

Adrienne Staples, Bürgermeisterin des Distrikts South Wairarapa, gibt sich dennoch diplomatisch. Sie hoffe, dass Cameron auf die Einheimischen zugehen werde, wie sie gegenüber der "New York Times" betonte. Schließlich habe er dies einst versprochen.

Der konziliante Ton von Frau Staples ist leicht zu erklären. Sie dürfte - genau wie die Regierung und viele Bürger des Inselstaats - große, vor allem wirtschaftliche Hoffnungen mit Camerons Ankunft verbinden. Neuseelands zweitgrößte Tageszeitung, die "Dominion Post", schätzt, dass bereits die Dreharbeiten für den ersten "Avatar"-3-D-Film rund 362 Millionen Dollar ins Land spülten. Zudem seien Hunderte, oft hochqualifizierte Arbeitsplätze in der digitalen Filmbearbeitung entstanden - insgesamt hätte "Avatar" in Neuseeland Jobs für 1500 Menschen geschaffen.

Die Film-Infrastruktur des Landes hat bereits einen gigantischen Aufschwung erlebt, als sich Camerons Kollege Peter Jackson, der selbst Neuseeländer ist, die eindrucksvolle Natur seiner Heimat als Kulisse für die Tolkien-Trilogie "Der Herr der Ringe" auserkoren hat. Jackson, dessen Studios in Wellington Cameron vermutlich ebenfalls nutzen wird, arbeitet aktuell an der Verfilmung des Tolkien-Romans "Der kleine Hobbit", die nun definitiv als Dreiteiler in die Kinos kommen soll.

Doch wie Cameron jetzt stieß auch Jackson damals nicht nur auf Gegenliebe, weil er sich bei Schauspielerverträgen nicht an geltende Standards gehalten haben soll. Der Streit eskalierte, die australische Gewerkschaft Media Entertainment and Arts Alliance (MEAA) rief sogar zum internationalen Boykott des Films auf. Jackson drohte daraufhin, die Dreharbeiten aus Neuseeland abzuziehen und Mittelerde nach Osteuropa zu verlegen. Im Umgang mit widerständischen Einheimischen könnte Jackson seinem Kollegen Cameron also auch Nachbarschaftshilfe leisten, wenn der ab Herbst zu drehen beginnt.

bos

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Unternehmer - bashing
muwe6161 02.08.2012
Völlig normal. Kurz schütteln, weitermachen.
2. Neuseeland ist größer ...
hadembeck 02.08.2012
.. als die Nordinsel. Wairarapa liegt im Süden der Nordinsel und somit im Herzen NZs und nicht im Süden.
3. trotzdem...
AndyDaWiz 02.08.2012
...trottelig von Cameron (zB das Dingens mit der Halle). Muss ja nun nicht sein....
4.
PrettyHateMachine 02.08.2012
Zitat von AndyDaWiz...trottelig von Cameron (zB das Dingens mit der Halle). Muss ja nun nicht sein....
König der Welt halt, steckste als Normalsterblicher nicht drin ;-) Aber noch 3 Avatar-Filme? Der erste hatte doch schon keine gescheite Handlung. Naja, so sind Regisseur und Schauespieler ein paar Jahre beschäftigt, von der Peripherie ganz zu schweigen.
5. Da stimmt was nicht ...
spon-facebook-531699464 02.08.2012
Zitat von sysopPete Nikolaison/The New York Times / Redux /laifEin Paradies namens Pandora, hier auf der Erde: Für die Fortsetzungen des Blockbusters "Avatar" hat US-Regisseur James Cameron in Neuseeland ein gigantisches Gelände gekauft, seine Version des Film-Planeten Pandora. Dort will er nun wohnen - und bekommt gleich Ärger mit den Nachbarn. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,847116,00.html
[QUOTE=sysop;10675031]Dort will er nun wohnen - und bekommt gleich Ärger mit den Nachbarn. Als Quelle wir ein nicht genannter Nachbar zitiert wird. Auf der Basis entsteht ein Artikel, der irgendwie etwas nach Neid-Artikel klingt. Ich selbst bin vor einigen Jahren nach Neuseeland ausgewandert und habe dort auch ein Haus gekauft und daher was gelernt. Der Wert eines Hauses definiert sich durch die Verkaeufe von Haeusern und Grundstuecke in der Naehe. Wenn also wirklich das Grundstueck "uebersteuert" verkauft wurde, würden die Werte der anliegenden Grundstuecke steigen. Insofern werden Nachbarn darueber nicht ungluecklich sein. Die Abgaben bestimmen sich auf Grund des ursprünglichen Kaufpreises des eigenen GHauses. Zugerechnet werden eigene Anbauten und ein alle paar Jahre genutzter Korrekturfaktor, der aber minimal ist. Wer also ein Haus besitzt was er vor 40 Jahren kaufte, extrem geringe Abgaben zu zahlen. Ein Verkauf eines Grundstuecks zu einen hohen Preis in der Naehe haette kurzfristig garkein, und mittelfristig nur geringe Auswirkungen auf die Abgabenlast. Ausserdem ist anzumerken, dass wenn iN Neuseeland ein Ausländer ein Grundstueck aber einer bestimmten Groesse (die hier weit Überschritten wurde) kaufen will, wird eine Regierungserlaubnis benoetigt. Diese hat Cameron wohl offensichtlich erhalten, also ist die geplante Nutzung auch im Rahmen der Vorschriften. Und dazu gehoert sehr strenge Auflagen, was man anpflanzen darf (so darf in keiner Form nicht heimische Pflanzen und Baeume angepflangt werden). Also verglichen mit den versuchten kauf von George Lucas in Marin County (Kalifornien) und den dortigen Widerstand der Nachbarn, scheint mir das dort alles doch arg zivilisiert abzulaufen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Kino
RSS
alles zum Thema James Cameron
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare
Fotostrecke
Avatar: Ein Themenpark zum Filmhit