"Baader-Meinhof-Komplex" Ponto-Witwe geht gerichtlich gegen RAF-Kinofilm vor

Ärger wegen Ungenauigkeiten: Die Witwe des von der RAF ermordeten Banker Jürgen Ponto bemängelt Fehler in Bernd Eichingers Kinofilm "Der Baader-Meinhof-Komplex". Jetzt will sie sogar vor Gericht gehen.


Nach Informationen des SPIEGEL will Ignes Ponto gerichtlich gegen die Münchner Produktionsfirma Constantin Film vorgehen und so erreichen, dass die Szene der Ermordung ihres Mannes Jürgen Ponto zukünftig nicht mehr gezeigt werden darf. Das Kinowerk verfälsche die wahre Geschichte.

Ignes Ponto bei der Beerdigung ihres Mannes: Eine außergerichtliche Einigung mit Constantin Film scheiterte bislang
AP

Ignes Ponto bei der Beerdigung ihres Mannes: Eine außergerichtliche Einigung mit Constantin Film scheiterte bislang

Jürgen Ponto, Vorstandssprecher der Dresdner Bank, wurde damals in seiner Villa in Oberursel von Mitgliedern der RAF erschossen. Die im Film deutlich dröhnenden Schüsse seien in Wirklichkeit durch Schalldämpfer erstickt worden. Der getroffene Ponto stürzte, anders als im Film gezeigt, vornüber auf den Boden und lag an anderer Stelle. Die Fensterläden waren zum Tatzeitpunkt wegen einer bevorstehenden Reise geschlossen und verdunkelten den Raum, der auf der Leinwand lichtdurchflutet gezeigt wird.

Vor allem aber suggeriere der Film, dass Ignes Ponto während der Ermordung ihres Mannes auf der Terrasse saß. Tatsächlich sei sie im Nachbarraum gewesen und habe letztlich miterleben müssen, wie auf ihren Mann gefeuert wurde. Schwerstverletzt sei er in ihren Raum gekommen und schließlich vor ihr zusammengebrochen.

Eine außergerichtliche Einigung mit Constantin Film scheiterte bislang. Bernd Eichinger, Drehbuchautor und Produzent des Filmes sagte dem SPIEGEL: "Die Szene ist nach Abwägen aller uns zur Verfügung stehenden Informationen entstanden. Hätte sich für uns aus den Recherchen ergeben, dass Frau Ponto die Tötung ihres Mannes aus nächster Nähe mitansehen musste, hätten wir das natürlich so gedreht. Das hätte – und ich weiß, das klingt jetzt zynisch – die Dramatik des Films sogar erhöht."

sto



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