"Baader-Meinhof-Komplex": Schelte von Buback, Lob von Schleyer

Schon vor der dem offiziellen Start sorgt Bernd Eichingers "Baader-Meinhof"-Film für Kontroversen. Die Söhne zweier RAF-Opfer loben und schelten, Politiker und Medienexperten beanstanden einen Mangel an Geschichtsbewusstsein.

München - Der RAF-Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" hat bei Opfern und Zeitzeugen eine hitzige Debatte über die blutige Darstellung der Zeitgeschichte ausgelöst. Michael Buback, der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, meldete Zweifel an, ob der Film ernsthaft versuche, die historische Wahrheit abzubilden.

Darstellerin Sandra Borgmann in "Der Baader-Meinhof-Komplex": "Brutal und blutrünstig
Constantin Film

Darstellerin Sandra Borgmann in "Der Baader-Meinhof-Komplex": "Brutal und blutrünstig

Lob gab es dagegen vom Sohn des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, Jörg Schleyer - auch wegen der sehr harten Darstellung der Attentate.

Es sei ein großartiger Kinofilm, der die RAF endlich als das zeige, was sie gewesen sei: "eine gnadenlose, mitleidslose Mörderbande", sagte Schleyer der "Bild"-Zeitung, nachdem er den Film, der kommende Woche in die Kinos kommt, gesehen hatte.

Zuvor habe er Bedenken gehabt, die aber ausgeräumt worden seien. Der Film beschädige das Andenken der Opfer nicht. Es habe zwar geschmerzt, den Überfall auf seinen Vater mit anzusehen. "Aber nur so kann ein Film auch jungen Leuten vermitteln, wie brutal und blutrünstig die RAF in jener Zeit vorging", sagte Schleyer.

Buback dagegen kritisierte die Geheimhaltungspolitik der Macher. "Es bedrückt mich, dass wir als Angehörige von den für das Filmprojekt Verantwortlichen nicht über das Vorhaben informiert wurden", sagte er der "Hörzu". "Ich muss also rätseln, ob überhaupt - und wenn ja: in welcher Weise - die Ermordung meines Vaters und seiner beiden Begleiter im Film gezeigt wird. Es ist bitter, dass so wenig Rücksicht auf die Angehörigen genommen wird, die somit ein weiteres Mal in eine Opferrolle geraten."

Zum Zeitpunkt des Interviews hatte Buback den Film noch nicht gesehen. "Es wäre gut zu wissen, ob es im RAF-Film um den ernsthaften Versuch geht, die historische Wahrheit abzubilden, oder eher darum, einen Action-Film zu präsentieren", sagte er.

Produzent Bernd Eichinger verteidigte in der "Hörzu" die brutale Inszenierung des Attentats auf Buback: "Ich weiß, dass das für Michael Buback sicher eine schwierige Sache sein wird. Die Szene in einer abgeschwächten Form zu zeigen, hätte aber bedeutet, die Tatsachen zu verfälschen und zu verharmlosen. Das wäre auch sicher nicht im Sinne von Herrn Buback", sagte Eichinger.

Auch der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum, zur RAF-Zeit Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, kritisierte den Film. "Durch die Action-Dramaturgie entsteht die Gefahr, in den Aktivitäten der RAF nur eine Serie von Gemetzeln zu sehen", schreibt der FDP-Politiker in der "Zeit". "Mitunter entsteht der irrige Eindruck, die Republik habe sich tatsächlich im Kriegszustand mit etwa 30 Terroristen befunden." Zudem vermisse er einen Blick auf die Zeitumstände.

Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister widersprach der Auffassung, der Film entmystifiziere die RAF. Er füge bis auf "einige moderne Schauspielerleistungen und eine etwas elegantere Inszenierung" bisherigen RAF-Filmen "nichts Wesentliches" hinzu, sagte er dem "Deutschlandradio Kultur". "Es ist ein sehr passabler Film, so kann man es zusammenfassen. Er überrascht nicht, weder im Positiven noch im Negativen."

Die Ulrike-Meinhof-Darstellerin Martina Gedeck erklärte der Nachrichtenagentur AP, sie habe Probleme mit den Dreharbeiten in Stammheim gehabt. "Es war schon etwas seltsam, mit Wohnwagen und dem ganzen Stab im Gefängnis herumzustehen, während die Leute hinter den Gittern sehr viel geschrien haben. Ich fand das extrem unangenehm und eigentlich nicht in Ordnung, dass wir dort gedreht haben."

dan/AFP

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