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28. August 2018, 12:25 Uhr

Actionkomödie "Bad Spies"

Das macht Männern sichtlich Angst

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Die Story ist abstrus und macht trotzdem Spaß - nicht zuletzt wegen der Hauptdarstellerinnen Mila Kunis und Kate McKinnon. Ein amüsant-zoologischer Blick auf die Männerdomäne des Agentenfilms.

Angenommen, sie wären eine Frau, die dringend eine Festplatte in der Größe eines halben Kinderriegels verstecken müsste. Und angenommen, diese Festplatte würde mehr oder weniger über eine den Globus ins völlige Inferno stürzende Anschlagsserie entscheiden, dann machen sie das am besten so: Sie klemmen sich diese Festplatte zwischen die Schamlippen.

Aus Sicht dieser Frau ist das deshalb eine gute (sogar geniale) Idee, weil die Männer, die diese Festplatte aus den unterschiedlichsten Gründen gut gebrauchen könnten - je nachdem, ob sie bei der CIA, beim MI6, beim FSB oder bei irgendeinem Terrorring angestellt sind -, allein deshalb nie im Leben auf diesen Schutzraum kommen würden, weil sie das Wort Vagina längst ins Kellerarchiv der eigenen Urängste hineinverdrängt haben. Bevor Mann es ausgesprochen kriegt, ist der Erdball zehnmal geplatzt.

Man kann das in "Bad Spies" einmal schön sehen: Audrey (Mila Kunis) und Morgan (Kate McKinnon) sitzen mit dem CIA-Agenten Sebastian (Sam Heughan) in einem Auto und kurven hektisch durch Amsterdam. Audrey erzählt von der in ihr versteckten Festplatte, Morgan explodiert vor Hochachtung gegenüber ihrer blitzgescheiten besten Freundin und Sebastian verschlägt es schlagartig die Sprache. Der weibliche Körper als strategisch einsetzbares Spionagewerkzeug, das stößt den Mann nicht nur vor den Kopf, das macht ihm auch sichtlich Angst.

Wie es zu diesem Moment kommt, um den es in dieser Agentenfilmparodie von Susanna Fogel vielleicht am allermeisten geht, ist schnell gesagt: Audrey wird von ihrem Freund verlassen und muss kurz darauf feststellen, dass der eigentlich ein verdeckter (und elegant von Balkonen herunterhüpfender) Spezialagent bei der CIA ist. Und weil Drew (Justin Theroux), so heißt er, aufflog, bittet er Audrey, die tagsüber in Pelikanbluse in einem Biomarkt arbeitet, nach Wien zu fliegen, um dort in einem Café die bereits erwähnte Festplatte entgegenzunehmen. Er liebe sie noch, und er brauche sie jetzt. Und Audrey liebt Drew und tut ihm deshalb den Gefallen. Begleitet wird sie von Morgan, die mal was mit Edward Snowden hatte und sich deshalb schon ein bisschen auskennt im Agentenbusiness.

Aus der Wienreise wird dann schnell eine Europareise. Es geht nach Tschechien, wo es aussieht wie im Kalten Krieg, und endet in Berlin, wo es aussieht wie kurz nach der Wende. Der Spionagetrip wird immer mehr zum Touri-Trip. Geprügelt und geschossen wird stets vor maßlos klischierten Europakulissen, die derart aberwitzig vor kultureller und historischer Ignoranz triefen, dass sie tatsächlich wieder witzig sind. Von null auf hundert sind Audrey und Morgan mittendrin in einem geopolitischen Weltverschwörungsgewurschtel.


"Bad Spies"
USA 2018
Regie: Susanna Fogel
Drehbuch und Roman: Susanna Fogel, David Iserson
Darsteller: Mila Kunis, Kate McKinnon, Justin Theroux, Gillian Anderson, Sam Heughan, Hasan Minhaj, Ivanna Sakhno, Paul Reiser
Produktion: Lionsgate
Verleih: StudioCanal Deutschland
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 30. August 2018


Jenseits des völligen Abersinns der Erzählung, der völlig unverhältnismäßigen Explosionen, Sterberaten und Nahkampffigurationen, macht es aber vor allem Spaß zu sehen, wie lässig Fogel nebenbei eine geschlechterpolitische Agenda in ihren Film einhäkelt. Selbstverständlich ist das straßendienstliche Spionagegeschäft durch die Filmgeschichte hindurch ein männliches. Genau das wird in "Bad Spies" auch noch mal hyperexponiert, wenn Drew zu Beginn des Films eine Handgranate in der Mikrowelle anwärmt und damit ein ganzes Gründerzeitgebäude wegpustet.

Der Witz dieses Films besteht nun aber gar nicht darin, diesen männlichen Handlungsraum erobern zu wollen, es geht nicht darum, ihn zu verweiblichen oder zu egalisieren. Es geht vielmehr darum, diesen Raum, in dem Männer hüpfen und schießen und sich ducken und gelegentlich dazusagen, dass sie in Harvard studiert haben, zu bereisen - als Touristinnen. "Bad Spies" ist im Grunde der zoologische Blick auf ein Männergenre und eben deshalb auch so relaxed im Umgang mit dessen Stilelementen.

Dass die Frauen am Ende auch die besseren Agenten sind, weil sie ihren Körper auf eine Weise einzusetzen wissen, die sämtliche männliche Souveränität zum Einsturz bringt, wie ebendiese ein Gründerzeitgebäude, hat auch gar nichts mit einem programmatisch anvisierten Triumph im Geschlechtermachtkampf zu tun (diese Frage hat "Bad Spies" schon hinter sich gelassen), sondern ist schlicht der Nebeneffekt einer Erlebnisreise.

Im Video: Der Trailer zu "Bad Spies":

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