Gala in Berlin Ehren-Bambi für Schweinsteiger - und die ganze Mannschaft

Die Bambi-Verleihung hatte in diesem Jahr politische Momente: Die Nationalmannschaft bekam einen Bambi für ihre Vorbildrolle, Komiker Bülent Ceylan ging in seiner Laudatio auf die Stimmung in Deutschland ein.

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Der Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger nahm bei der Gala in Berlin als erster den begehrten Medienpreis Bambi entgegen. "Dankeschön, danke, danke, danke!", rief er sichtlich glücklich. Er bekam den Ehrenpreis der Jury. In seiner Ansprache machte der Fußballstar Kindern und Jugendlichen Mut, sich nach Niederlagen nicht unterkriegen zu lassen.

"Zuerst kommen immer die Tränen und dann die Bambis, letztendlich", sagte der 32-Jährige.

Für ihre schauspielerischen Leistungen wurden bei der Gala im Theater am Potsdamer Platz Anna Maria Mühe und Devid Striesow ausgezeichnet.

Mühe konnte sich damit gegen Karoline Herfurth und Sonja Gerhardt durchsetzen. Sehr bewegt nahm sie die Auszeichnung für ihre Rolle in dem NSU-Drama "Die Täter - Heute ist nicht alle Tage" entgegen. In dem Film spielt sie die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe. Striesow erhielt den Preis für seine Rolle in dem Kinofilm "Ich bin dann mal weg", der Verfilmung von Hape Kerkelings Pilger-Bestseller.

In der Kategorie Film National gewann die Hitler-Satire "Er ist wieder da" den Bambi. "Der Film ist heute aktueller denn je, glaube ich", sagte Hauptdarsteller Oliver Masucci. "Diese braune Soße, die sich durch Europa ergießt, die macht mir Sorgen." Regisseur David Wnendt lässt in seinem Kinofilm "Er ist wieder da" nach dem gleichnamigen Roman den Nazi-Diktator Adolf Hitler im heutigen Deutschland wieder auferstehen.

"Deutschland steht bei uns drauf, aber Multikulti steckt drin"

Nicht nur Schweinsteiger, sondern die gesamte Nationalmannschaft bekam einen Bambi - für die politische Botschaft seines Teams überreichte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem Fußball-Bundestrainer Joachim Löw die Trophäe. "Sie zeigen, wie Integration ganz praktisch funktioniert", sagte der Grünen-Politiker mit Blick auf die deutschen Fußballweltmeister, die internationale Wurzeln haben.

Löw habe es geschafft, Menschen aus aller Welt zusammenzuschweißen, sagte Kretschmann. Was er und die Nationalmannschaft geleistet hätten, sei gelebte Vielfalt und gelungene Integration. Löw bedankte sich für den "wunderbaren Preis". Er würdigte sein Team als Musterbeispiel. "Deutschland steht bei uns drauf, aber Multikulti steckt drin."

Es war nicht die einzige politische Botschaft bei der Verleihung: Komiker Bülent Ceylan, der einen Bambi in der Kategorie Comedy erhielt, ging in seiner Dankesrede auch auf die gegenwärtige Stimmung in Deutschland ein. "Wir dürfen uns von diesen scheiß Terroristen niemals das Lachen nehmen lassen und auch nicht die Lust auf solche Veranstaltungen hier", sagte er.

Einige Preisträger standen bereits im Voraus fest, darunter der Bambi für Musiker Udo Lindenberg in der Kategorie Musik National. Er bekam seine Trophäe von dem britischen Rockstar Sting überreicht. "Rock 'n Roll hält uns frisch!", sagte Lindenberg in seiner Laudatio. "Ich bin schon 100 Jahre in der Branche. Es ist Exzess ohne Ende", sagte der 70-Jährige mit gewohnter Coolness, Hut und Sonnenbrille.

Die 68. "Bambi"-Verleihung hat am Donnerstagabend viele Promis nach Berlin gelockt. Den musikalischen Auftakt machte der britische Sänger Robbie Williams. Der vom Burda-Verlag vergebene Preis gehört zu den begehrtesten Auszeichnungen der Show-Branche.

kry/dpa/AFP

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Chefredakteur 17.11.2016
1. Oh wie peinlich!
Man gibt ein "Sportler" Bambi!!! Wie peinlich! Der arme Schweini ist ja genug durch seine fußballerische "Nichts können" gezeichnet und jetzt auch noch das! Bitte den armen Mann in Ruhe lassen, der ist auch schließlich ein Mensch! Das größte Problem an den Deutschen ist, dass sie sich unter die Arme greifen wollen, aber dabei einen so schlimm für die ganzes Leben blamieren! Pfui, weg mit euch und eure Bambi!
maxuli 18.11.2016
2. Horst Köhler
Ein Highlight war die Laudatio von Horst Köhler. Wurde aber hier nicht erwähnt!
sonic29 18.11.2016
3.
" überreichte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem Fußball-Bundestrainer Joachim Löw die Trophäe. "Sie zeigen, wie Integration ganz praktisch funktioniert", sagte der Grünen-Politiker mit Blick auf die deutschen Fußballweltmeister, die internationale Wurzeln haben. Löw habe es geschafft, Menschen aus aller Welt zusammenzuschweißen, sagte Kretschmann. Was er und die Nationalmannschaft geleistet hätten, sei gelebte Vielfalt und gelungene Integration. Löw bedankte sich für den "wunderbaren Preis". Er würdigte sein Team als Musterbeispiel. "Deutschland steht bei uns drauf, aber Multikulti steckt drin." Bei soviel wohlfeiler Phrasendrescherei verzeihe man mir den Sarkasmus: Fußball-Millionäre aus unterschiedlichen Nationen in einer Mannschaft friedlich spielen zu lassen ist natürlich ein Löw'scher Geniestreich - das klappt ja nirgendwo sonst. Man schaue sich nur einmal die desolaten Zustände bei ManU oder Bayern München an.. Da ist mir um die Integration schwerreicher Zuwanderer zumindest nicht mehr bange! Im Ernst: Die Implikation, dieses "Erfolgsrezept" sei auf unsere Gesellschaft im Ganzen übertragbar, sollte dem Laudator und der Jury eigentlich nur peinlich sein. Und: Haben sich da nicht Menschen, die an Brennpunkten ehrenamtlich die Versäumnisse der eigentlich zuständigen Behörden abarbeiten, wesentlich verdienter um die Integration gemacht? Unfreiwillige Kabarettnummern wie diese machen Sendungen dieser Art schlicht unerträglich. Immerhin: Bülent Ceylan hat absolut recht!
franz.v.trotta 18.11.2016
4.
"Deutschland steht bei uns drauf, aber Multikulti steckt drin." -- "Multi-Kulti" war bis vor kurzem noch ein Schimpfwort, mit dem die Grünen bekämpft wurden. Heute ist es Staatsdoktrin. Was für eine Entwicklung.
der_durden 18.11.2016
5. Sie haben recht, die Rede Köhlers war herausragend.
Zitat von maxuliEin Highlight war die Laudatio von Horst Köhler. Wurde aber hier nicht erwähnt!
Sie haben recht und es überrascht, dass diese Laudatio, bzw. der Meinungs-/Redebeitrag Köhlers hier keine Erwähnung fand. Die Ansprache Köhlers war wirklich herausragend.
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