Rassismus-Vorwürfe Obama mischt sich in Oscar-Debatte ein

Bei den Oscars sind wieder nur weiße Schauspieler nominiert, nun schaltet sich US-Präsident Barack Obama in die Rassismusdebatte ein: Die weißen Oscars seien Teil eines größeren Problems.

US-Präsident Obama: Oscar-Vergabe ist Teil eines "größeren Problems"
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US-Präsident Obama: Oscar-Vergabe ist Teil eines "größeren Problems"


"Ich denke, wenn die Geschichte aller erzählt wird, führt das zu besserer Kunst." Mit diesem Statement äußerte sich US-Präsident Barack Obama am Mittwoch bei mehreren US-Fernsehsendern zur laufenden Oscar-Debatte. Die Filmindustrie müsse das tun, "was jede Industrie tut, nämlich nach Talenten Ausschau halten, jedem eine Chance geben."

Die Diskussion darüber, ob schwarze Schauspieler bei der Nominierung diskriminiert werden, sei Teil eines "größeren Problems" in den USA, sagte Obama - und schob die Frage hinterher: "Stellen wir sicher, dass jeder eine faire Chance bekommt?"

Die diesjährigen Oscar-Nominierungen hatten für Empörung gesorgt, weil die Filmakademie keinen einzigen schwarzen Schauspieler und keine schwarze Schauspielerin berücksichtigte - obwohl mehrere zuvor zu den Favoriten gezählt worden waren.

Der Regisseur Spike Lee, der vergangenes Jahr einen Oscar für sein Lebenswerk gewann, kritisierte in einem offenen Brief die rein weiße Kandidatenauswahl und kündigte an, die diesjährige Oscar-Gala aus Protest zu boykottieren. Auch Filmstar Will Smith, der als einer der übergangenen Favoriten in diesem Jahr gilt, will wie seine Frau Jada Pinkett Smith nicht zu der Gala erscheinen.

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Vergangene Woche hatte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences dann mit der Ankündigung neuer Regeln auf die anhaltende Debatte reagiert. Es seien historische Maßnahmen geplant, um mehr Minderheiten in die rund 7000 Mitglieder starke Organisation aufzunehmen und den Frauenanteil bis 2020 zu verdoppeln. Bei der jährlichen Berufung neuer Mitglieder soll aus einem vielfältigeren Pool geschöpft werden.

Über die Oscar-Nominierungen und später auch Gewinner entscheiden die rund 7000 Filmschaffenden der Oscar-Akademie. 94 Prozent seien weiß, 77 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liege bei 62 Jahren, ermittelte die "Los Angeles Times" im Jahr 2012. Schon 2015 war die Nominierungspraxis heftig unter dem Hashtag #oscarssowhitekritisiert worden.

cbu/dpa



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