DDR-Drama: Deutschland schickt "Barbara" ins Oscar-Rennen

Die Hoffnungen ruhen auf einem DDR-Drama. Christian Petzolds "Barbara" wurde zum deutschen Kandidaten für den Auslands-Oscar gekürt. Die Produktion setzte sich unter anderem gegen einen Film von Til Schweiger durch.

Oscars 2013: "Barbara" tritt für Deutschland an Fotos
Hans Fromm

Berlin - Sie galt als Favoritin und wurde diesem Ruf auch gerecht: "Barbara" ist von German Films, der Dachorganisation für die Auswahl der deutschen Bewerber um die Oscars, als Kandidat für die Rubrik "bester fremdsprachiger Film" ausgewählt worden. "Der Film 'Barbara' überzeugt durch seine große formale Klarheit und eine starke Frauenfigur, die im Widerspruch zwischen individueller Freiheit und sozialer Verantwortung ihre persönliche Entscheidung trifft", begründete der Jury-Vorsitzende Stefan Schubert die Wahl.

"Barbara" (Buch und Regie: Christian Petzold) erzählt von einer Ärztin, die ihre Flucht aus der DDR vorbereitet, sich jedoch immer stärker in einem Netz von Beziehungen verfängt, bis sie nicht mehr weiß, ob sie das Land wirklich verlassen will. Bei der Berlinale 2012 war der Film umjubelt worden, Christian Petzold wurde mit dem silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet.

Unter den Bewerbern, die "Barbara" ausgestochen hat, waren Leander Haußmanns "Hotel Lux" und "Schutzengel" von Til Schweiger. Ebenfalls zur Auswahl standen drei weitere in Ostdeutschland spielende Filme: das Neonazidrama "Kriegerin" von David Wnendt, der Skater-Film "This Ain't California" sowie das Fluchtdrama "Wir wollten aufs Meer". Mit Ulrike Schamoni ("Abschied von den Fröschen"), Margarethe von Trotta ("Hannah Arendt") und Anna Justice ("Die verlorene Zeit") waren auch drei Regisseurinnen in der letzten Runde vertreten.

Die Auslandsvertretung des deutschen Films schlägt jedes Jahr einen Kandidaten vor, der für Deutschland ins Oscar-Rennen geht. Nicht alle schaffen es allerdings unter die letzten fünf, die dann wirklich auch von der Academy nominiert werden.

Bislang haben vier deutsche Filme den Oscar in der Kategorie Auslandsfilm gewonnen: Volker Schlöndorffs "Blechtrommel" (1979), István Szabós "Mephisto" (1981), Caroline Links "Nirgendwo in Afrika" (2002) und zuletzt "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck (2006). Im vergangenen Jahr war "Pina" von Wim Wenders nominiert, allerdings nicht als Auslandsfilm, sondern als Dokumentation.

Ein Expertengremium der Oscar-Akademie in Beverly Hills trifft aus den weltweiten Einreichungen eine Vorauswahl. Im vergangenen Jahr hatten 63 Länder Filme für den Auslands-Oscar vorgeschlagen. Die endgültigen Nominierungen werden am 15. Januar verkündet, die Verleihung ist am 24. Februar.

hpi

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. was fü eine...
Schroekel 30.08.2012
Zitat von sysopDie Hoffnungen ruhen auf einem DDR-Drama. Christian Petzolds "Barbara" wurde zum deutschen Kandidaten für den Auslands-Oscar gekürt. Die Produktion setzte sich unter anderem gegen einen Film von Til Schweiger durch. "Barbara" von Christian Petzold wird deutscher Oscar-Anwärter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,853003,00.html)
...schwache Entscheidung. Ein ganz und gar trockener, emotionsloser, wenn nicht gar kalter Film, ohne jede Chance bei der Academy in LA. Es hätte andere mit größeren Chancen gegeben.
2. optional
rob_t 30.08.2012
Wie kann man einen Film ins Rennen schicken, den vielleicht 100.000 Besucher gesehen haben? Warum werden denn automatisch immer Ost-Stasi und Dritte Reich Filme mit dem Prädikat "wertvoll" versehen? Das Leben der Anderen war echt gut und erfolgreich, weil super Schauspieler und spannendes Drehbuch. Warum setzt man dem internationalen Publikum jedes Jahr die gleiche gequirllte Sch**** vor? Bedeutungsschwanger, historisch aufarbeitend, lange Redepausen - wer will das wirklich sehen? Das deutsche Kino ist sowas von tot! Genau wie die subventionierte TV-Landschaft mit seinem schlechten Drehbüchern und Allerweltsschauspieler. Es lebe die Amerika und GB! Die wissen wie man es macht. Und meistens sehen die Schauspielerinnen auch noch gut aus! Deutschland gib auf! Du kannst es einfach nicht! Erbärmlich. Wir sollten uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren: Autos und Maschinen bauen!
3. umso mieser
fatrick 30.08.2012
umso mieser fallen die Bewertungen fuer die anderen Streifen aus , die sich gegen diesen Schinken nicht platzieren konnten.....um bei den Kinostarts im Vorweihnachtszeitraum ab zu sahnen .to bad
4. optional
johnnywaters 30.08.2012
Ich schließe mich Schroekel an (Kommentar #1). Ist dieses Land wirklich so langweilig? Haben wir nichts außer Mauer- und WW II Filmen, um es nach Amerika zu schicken? Warum Petzold, der davon redet, wie toll Benno Führmann in ein Auto ein- und wieder aussteigen kann, "wie ein Cowboy". Warum wird diese kalte, undurchsichtige, maskenhafte, daher schlechte Schauspielerei weiterhin als Aushängeschild einer ganzen Branche protegiert, finanziert und propagiert? Wer lebt denn so, wie diese Figuren? Wessen Geschichte erzählen sie eigentlich, außer die des subventionierten, elitären deutschen Kinobetriebs, der um sich selbst kreist. Da wäre Schweiger mit Keinohrhasen die bessere Wahl gewesen.
5. optional
fagus 30.08.2012
Wann kommt das Drama über den zufriedenen DDR-Bürger, der nach der Wende seine zuvor angesehene Arbeitsstelle verliert, dessen Kinder in den Westen auswandern und der am Ende einsam, arbeitslos und verlassen sehen kann, wo er bleibt. Wahrscheinlich nie.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Kino
RSS
alles zum Thema Kino
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 17 Kommentare