"Battlefield Earth" Sektenpropaganda vom Ober-Alien?

Mit "Battlefield Earth" hat sich Hollywood-Star John Travolta in den USA heftige Kritik eingehandelt: Dem Schauspieler und bekennenden Scientologen wird vorgeworfen, mit dem Science-Fiction-Spektakel versteckte Botschaften der Sekte zu verbreiten.

Von Martin Paetsch


Auf den ersten Blick ist "Battlefield Earth" nicht der Stoff, aus dem Skandale gemacht sind. Der gerade in den US-Kinos angelaufene 70-Millionen-Dollar-Streifen spielt im Jahr 3000: Böse Aliens, angeführt vom fiesen Obermotz Terl (John Travolta), besetzen die Erde und versklaven die Menschheit. Es folgt der genreübliche Befreiungskampf, der Anlass für das ebenfalls übliche Special-Effects-Spektakel bietet.

Travolta in "Battlefield Earth": Unterschwellige Botschaften?
REUTERS

Travolta in "Battlefield Earth": Unterschwellige Botschaften?

Ein simpler Plot, der den Film schnell in Vergessenheit gerieten ließe - wenn der Hauptdarsteller nicht John Travolta hieße und die Vorlage nicht von L. Ron Hubbard stammen würde. "Battlefield Earth" beruht auf dem 1982 veröffentlichten gleichnamigen Roman des Science-Fiction-Autors und Scientology-Gründers. Großen Anteil an der erstmaligen Verfilmung eines Hubbard-Werkes hatte als Co-Produzent der bekennende Scientologe Travolta, der gerne betont, dass für ihn damit ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen sei.

Die offenkundige Nähe zu Scientology rief schon im Vorfeld die Sektenkritiker auf den Plan. Die Anti-Scientology-Organisation F.A.C.T.Net etwa beschuldigte die Filmemacher, unterschwellige Botschaften in "Battlefield Earth" eingearbeitet zu haben, um unter den Kinogängern neue Mitglieder für die Sekte zu werben. Scientology sei nicht nur der wahre Geldgeber für den Warner-Brothers-Film, sondern habe auch massiven Einfluss auf das Skript und die Produktion genommen.

Die Verantwortlichen weisen solche Vorwürfe weit von sich: Es gebe "keine Verbindung" zwischen dem Film und Scientology, beteuerte Travolta, der bereits mit "Phenomenon" in den Verdacht der Sektenpropaganda geraten war. Auch der Regisseur von "Battlefield Earth", Roger Christian, bestritt jede Affinität zur Sektenphilosophie: Er sei kein Scientologe, sondern Buddhist, zitierte ihn "USA Today". "Wenn ich als Regisseur unterschwellige religiöse Botschaften in den Film einarbeiten würde, glauben Sie nicht, dass sie ihre Wurzeln eher im Buddhismus hätten?"

Zumindest im Internet ist die Trennung zwischen der Romanverfilmung und der Sekte nicht so scharf, wie gerne betont wird. Von der offiziellen Film-Homepage Battlefieldearth.net bringt ein Mausklick den Besucher zur Internetseite Battlefieldearth.com, wo L. Ron Hubbard nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als "Künstler, Entdecker, Philosoph" gepriesen wird. Betreiber des Webangebotes ist, wen wundert's, ein von Scientologen geleitetes Unternehmen namens Author Services Inc., das mit der Lizenzierung von Hubbards Science-Fiction-Werken betraut ist.

Dass sich trotz der Proteste der Anti-Scientology-Aktivisten die Empörung in den USA bislang in Grenzen hielt, liegt wohl auch daran, dass dem Science-Fiction-Streifen mangels Qualität eine nicht allzu große Überzeugungskraft zugesprochen wird. Die US-Kritiker ließen an "Battlefield Earth" kein gutes Haar: Das Skript sei "zutiefst blöde und deprimierend klischeehaft", urteilte "USA Today". Und die "Los Angeles Times" befand, dass der Hubbard-Streifen im Genre der postapokalyptischen Abenteuerfilme sogar Kevin Costners "Waterworld" wie ein Meisterwerk aussehen ließe.

"Entgegen den Befürchtungen der Sektenhasser hat 'Battlefield Earth' nichts an sich, was schwache Kinobesucher in die offenen Arme der Scientologen treiben könnte", fasste das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" zusammen. Und tatsächlich sieht es so aus, als würde sich die Entrüstung über "Battlefield Earth" in den USA bald wieder legen - schließlich wird im gelobten Land der Meinungsfreiheit mit Scientology vergleichsweise tolerant umgegangen.

In Deutschland dagegen gilt die Sekte als sozial unverträglich. Schon "Phenomenon" wurde deshalb hier zu Lande deutlich kritischer beäugt als in den Staaten: Medienwächter vermuteten 1996 in der einfältigen Erleuchtungsgeschichte Parallelen zur Scientology-Philosophie und forderten eine eingehende Überprüfung des Films. Mit "Battlefield Earth", der im Oktober in Deutschland anlaufen soll, wird Ober-Alien Travolta wohl einen noch schwereren Stand haben.



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