Bayerischer Filmpreis Stehende Ovationen für Bruno Ganz - und die Frauen

Nicht einmal ein Viertel der deutschen Filme werden von Frauen gemacht. Beim Bayerischen Filmpreis in München wurden nun gleich fünf Regisseurinnen ausgezeichnet.

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Die Filme "Willkommen bei den Hartmanns", "Toni Erdmann" und "Vorwärts immer" sowie der Schauspieler Bruno Ganz sind die großen Gewinner des diesjährigen Bayerischen Filmpreises.

Der Film- und Theaterdarsteller Ganz wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen beklatscht, als er am Ende der Gala den Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten erhielt. "Fulminant war schon Ihre Theaterkarriere, und einzigartig ist Ihr Wirken auf der Leinwand. Sie haben die wunderbare Gabe, uns Zuschauer sofort in ihren Bann zu ziehen", sagte Bayerns Medienministerin Ilse Aigner (CSU) in ihrer Laudatio. Ganz zeigte sich sichtlich gerührt und genoss den langanhaltenden Applaus im Münchner Prinzregententheater.

Die Flüchtlingskomödie "Willkommen bei den Hartmanns" wurde mit dem wichtigen Produzentenpreis ausgezeichnet. Der Film greife "das in Deutschland allgegenwärtige Flüchtlingsthema temporeich und humorvoll, immer aber auch mit einem kritischen Blick" auf, teilte die Jury vor der Preisverleihung mit. Der Produzentenpreis ist mit 200.000 Euro dotiert. Der Film gewann außerdem die Online-Abstimmung für den diesjährigen Publikumspreis. "Das ist sehr berührend, denn es ist ein ehrlicher Preis, der kommt direkt aus den Kinosälen", sagte Regisseur Simon Verhoeven in seiner Dankesrede.

Auszeichnung von fünf Regisseurinnen als Gleichberechtigung bejubelt

Zu den Gewinnern des Abends gehört auch der Film "Toni Erdmann": Schauspielerin Sandra Hüller erhielt den Preis als beste Darstellerin, Maren Ade für die Regie. Letzterer ging außerdem an vier weitere Regisseurinnen - einer der Höhepunkte der Gala. "Nur 15 Prozent aller Kinofilme in Deutschland werden von Frauen gedreht", sagte Regisseurin Caroline Link in ihrer Laudatio. Das Publikum bejubelte die Auszeichnung von gleich fünf Frauen als Zeichen für die Gleichberechtigung in der Filmbranche.

Die Jury vergab in diesem Jahr außerdem einen Sonderpreis an die Macher von "Snowden". Zur Begründung hieß es, der Film sei "ein hervorragend gemachter Politthriller", der zudem zu großen Teilen in Bayern entstanden sei. Drehorte waren neben München auch die evangelische Akademie in Tutzing.

Den Preis für den besten Darsteller erhielt Jörg Schüttauf für seine Rolle in "Vorwärts immer", auch Regisseurin Franziska Meletzky erhielt für die DDR-Komödie einen Preis. Die besten Nachwuchsdarsteller sind Lea van Acken ("Das Tagebuch der Anne Frank") und Jannis Niewöhner ("Jonathan" und "Jugend ohne Gott"). Als bester Jugendfilm wurde das Roadmovie "Tschick" ausgezeichnet.

Der Bayerische Filmpreis "Pierrot" gehört zu den wichtigsten und begehrtesten Auszeichnungen der deutschen Filmbranche. Er ist mit Preisgeldern bis zu 310.000 Euro dotiert und wird jährlich im Januar im Prinzregententheater in München verliehen.

kry/dpa



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quark2@mailinator.com 21.01.2017
1.
Also 6 Menschen werden ausgezeichnet, davon 5 Frauen. Das wird als geschlechtergerecht dargestellt und statt das man sich über Kunst unterhält, dreht sich wieder alles um Quoten. Mir ist es egal, ob Mann oder Frau, es sollen die objektiv Besten ausgezeichnet und unabhängig ihres Geschlechts geehrt werden. Und wenn das 6 Männer sind, dann ist das auch OK. Als müsse man sich als Mann nicht genauso durchsetzen, ohne Beauftragte und Quoten und Beauftragte und spezielle Förderung. Diese dauernde Bevorzugung eines Geschlechts ist einfach diskriminierend. Gäbe es ein Männerministerium und tausende männliche Gleichstellungsbeauftragte, wäre das auch sichtbarer. Statt dessen bestielt man die Männer, indem man Leistungen einfach nach Titel als gleichwertig bezeichnet. Was gut ist, setzt sich auch ohne Förderung durch.
Sponatiker 21.01.2017
2. Als ob die deustche Filmindustrie nicht genug Probleme hat
Es wird viel staatliches Geld ausgegeben, doch die Resultate sind miserabel. Es gibt viel zu viel Korruption, es wird immer wieder mittelmaß gefördert. Und so sieht es dann auch aus. Jetzt kommen also auch noch Quotenfrauen..... ich bin dafür die Gelder für diese Industrie ganz zu streichen, vieleicht setzt sich ja dann etwas mehr Qualität durch. Schon Filme auf Holywood-Niveau(und die sind beileibe nciht besodners toll) wäre eine Steigerung der Qualität.
nofreemen 21.01.2017
3. schlechte Wahl
Man kann ja alles rechtfertigen, aber das Quoten der Maßstab aller Dinge sein soll, ist total falsch. Punkt.
vulcan 22.01.2017
4.
Wieso soll das ein Zeichen für die Gleichberechtigung sein? Das kann ja eigentlich nur der Fall sein, wenn die Entscheidungen aus politischen Gründen getroffen wurden. Ansonsten nicht. Würde mich heutzutage allerdings auch nicht wundern, ehrlich gesagt. Dieser ganze Quoten- und Beauftragtenquatsch nervt langsam in erschreckendem Maße. Mir wär's jedenfalls peinlich, wenn ich (und jeder sonst auch) genau wüßte, dass ich den Job, die Auszeichnung, die Kandidatur...was immer... nur aufgrund von Quote oder anderen Ungerechtigkeiten bekommen habe. Scheint aber Frauen nicht zu stören - man hat sich dann trotzdem 'durchgesetzt', 'die Wahl gewonnen' ..... oder eben Preise abgesahnt. Das sich mit solchen Geschichten diese Preisverleihungen selbst ad absurdum führen, scheinen sie nicht unbedingt zu merken. Wenn es denn tatsächlich eine "Gleichberechtigungs-political-correctness-Blödsinnsentscheidung" war. Wenn nicht, gibts da auch keine 'Gleichberechtigung' zu bejubeln - wobei Gleichberechtigung im Übrigen 3:3 gewesen wäre und nicht 5:1. Vom Anteil der Frauen in der Branche ausgehend, noch nicht einmal 3:3.
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