Berlinale 2006 Goldener Bär für bosnischen Film "Grbavica"

Die Berlinale-Jury hat bei ihrer Preisverleihung ein politisches Zeichen gesetzt und außerdem deutsches Kino gestärkt: Den Goldenen Bären bekam das aufrüttelnde Drama "Grbavica" der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic. Bei den Silbernen Bären räumte deutsche Filmprominenz ab.


Berlin - Spannung bis zuletzt: Erst bei der Abschlussgala der 56. Berliner Filmfestspiele im Berlinale Palast wurde die "Katze oder vielmehr der Bär aus dem Sack" gelassen, wie Moderator Heino Ferch bemerkte. Die Gewinner der Berlinale-Preise wurden bekannt gegeben: Die höchste Auszeichnung, der Goldene Bär, ging an den Film "Grbavica" der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic. Der Film spielt im Sarajevo nach dem Krieg und erzählt die Geschichte einer vergewaltigten Frau und ihrer Tochter. Die zwölfjährige Sara glaubt, dass ihr Vater ein Kriegsheld ist - doch die bittere Wahrheit über den Krieg und die Umstände ihrer Geburt ist eine ganz andere. Der Film ist eine Ko-Produktion aus Bosnien-Herzegowina, Österreich, Deutschland und Kroatien.

Begehrte Kinotrophäe: Der Goldene Bär ging an den bosnischen Film "Grbavica"
Berlinale

Begehrte Kinotrophäe: Der Goldene Bär ging an den bosnischen Film "Grbavica"

"Ich hoffe, dass dieser Film die Situation der vergewaltigten Frauen verändert. Sie sind von der Gesellschaft vergessen worden und leben am Rand der Gesellschaft. Sie sind physisch und psychisch zerstört und leben von durchschnittlich 15 Euro Sozialhilfe im Monat. Ich hoffe, dass diese Ungerechtigkeit sich ändern wird", sagte Jasmila Zbanic bei der Preisverlehung.

Gleich drei Silberne Bären schickte die Berlinale-Jury nach Deutschland: In der Kategorie beste Schauspieler wurden Sandra Hüller und Moritz Bleibtreu ausgezeichnet. Bleibtreu wurde für seine Rolle in Oskar Roehlers Romanverfilmung "Elementarteilchen" geehrt. Hüller erhielt den Preis für ihre Rolle in Hans-Christian Schmids Drama "Requiem". Bei der Entgegennahme des Preises rang Bleibtreu unächst sichtlich um Fassung: "Ich bin echt fertig", sagte er.

Der Schauspieler Jürgen Vogel erhielt einen Silbernen Bären für seine Gesamtleistung als Hauptdarsteller, Produzent und Co-Autor des Films "Der freie Wille", der die Geschichte eines Triebtäters erzählt. Silberne Bären für die beste Regie gingen an Michael Winterbottom und Mat Whitecross für das politisch-brisante Doku-Drama "The Road to Guantánamo". In dem Film geht es um die Wege dreier Muslime aus Großbritannien, die ohne Anklage zwei Jahre in dem US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba eingesperrt waren.

Den Silbernen Bären für die beste Filmmusik erhielten der Film "Isabella" (Hongkong/China) und der Komponisten Peter Kam. Ein Silberner Bär als großer Preis der Jury ging zu gleichen Teilen an die iranische politische Fußballkomödie "Offside" von Jafar Panahi und die dänische melancholische Komödie "En Soap" von Pernille Fischer Christensen, die auch den Preis für den Besten Erstlingsfilm erhielt. "En soap" beschreibt das tragikomische Verhältnis zwischen einem transsexuellen Mann und seiner in destruktive Affären verstrickten Nachbarin.

Bei den 56. Internationalen Filmfestspielen in Berlin konkurrierten insgesamt 25 Streifen um die Gunst der Jury. Der nach dem Festival-Begründer benannte Alfred-Bauer-Preis ging an den argentinischen Film "El custodio" von Rodrigo Moreno. Damit wurde eine Spielfilmleistung geehrt, die neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet.

Bei der diesjährigen Berlinale wurden rund 360 Filme aus mehr als 50 Ländern gezeigt. Mehrere Tausend Filmemacher, Produzenten, Journalisten und Filmfans tummelten sich auf der Berlinale. Mehr als 18.00 Fachbesucher und rund 3800 Journalisten hatten sich akkreditiert. Insgesamt zeigte die Berlinale 2006 mehr als 50 deutsche Produktionen.

fok/dpa/ap/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.