Berlinale 2012: Goldener Bär für "Caesar Must Die"

Der Goldene Bär geht nach Italien: Für ihren Film "Caesar Must Die" gewannen die Regiebrüder Paolo und Vittorio Taviani überraschend den Hauptpreis der 62. Berlinale. Christian Petzold wurde für "Barbara" mit dem Silbernen Regie-Bären ausgezeichnet.

Berlin - 18 Filme hatten im Wettbewerbsprogramm der 62. Berlinale um den Goldenen Bären konkurriert. Gewonnen haben ihn die italienischen Regiebrüder Paolo und Vittorio Taviani. Ihr Schwarzweiß-Film "Caesar Must Die" ("Cäsar muss sterben") wurde am Samstagabend mit dem Hauptpreis der Internationalen Filmfestspiele Berlin ausgezeichnet.

Paolo Taviani (80) und Vittorio Taviani (82) haben mit ihrem Werk ein Filmessay über Strafgefangene in Rom gedreht, die im Gefängnis Shakespeares Stück "Julius Cäsar" proben und auf die Theaterbühne bringen. Es ist ein Film, der den Zuschauer tief in die Seele der Menschen blicken lässt.

Sichtlich berührt bedankten sich die Brüder auf der Bühne des Berlinale-Palastes bei den mitspieldenden Häftlingen. "Es ist für die Häftlinge ein paar Tage wieder möglich gewesen, wieder zu leben. Wir grüßen sie", sagte Paolo Taviani. Er hoffe, dass die Kinobesucher merkten, dass auch Schwerverbrecher Menschen seien und blieben.

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Berlinale 2012: Gewinner, Bären und die High Heels von Charlotte Gainsbourg
Die Berlinale-Jury unter Vorsitz des britischen Regisseurs Mike Leigh verbeugen sich mit ihrer überraschenden Entscheidung vor den Regie-Altmeistern Taviani, zu deren Werk Filme wie "Mein Vater, mein Herr", "Die Nacht von San Lorenzo" und "Good morning, Babylon" gehören. Bereits zum achten Mal wurde damit ein italienischer Film mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Zuletzt erhielt 1991 Marco Ferreri für "Das Haus des Lächelns" den Preis.

Christian Petzold: "Das ist ein Hammer"

Die internationale Jury hat auch alle weiteren Preisträger der Berlinale bekannt gegeben. Zwei Preise gingen nach Deutschland: Christian Petzold erhielt für sein DDR-Drama "Barbara" mit Nina Hoss in der Hauprolle den Preis für die beste Regie. Der Kameramann Lutz Reitemeier wurde seine Arbeit an dem chinesischen Historiendrama "Land es weißen Hirsches" ("Bai Lu Yuan") von Wang Quan'an geehrt.

Petzold erzählt in seinem Film "Barbara" die Geschichte einer Ärztin, die nach einem abgelehnten Ausreiseantrag Anfang der 1980er Jahre illegal die DDR verlassen will. "Ich freu' mich unglaublich, das ist ein Hammer", sagte Petzold bei der Verleihung.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) gratulierte den deutschen Berlinale-Gewinnern Christian Petzold und Lutz Reitemeier zu ihren Silbernen Bären. Petzolds Film "Barbara" habe auch ihn tief beeindruckt, der Preis sei eine hochverdiente Auszeichnung, sagte Neumann. "Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Unterdrückungsmechanismen in der DDR werden Alltag, Angst und Einsamkeit eindrucksvoll und berührend inszeniert", sagte der Staatsminister.

Auch der Silberne Bär an Kameramann Lutz Reitemeier für dessen herausragende künstlerische Leistung in dem chinesischen Film "Land des weißen Hirschen" sei eine verdiente Bestätigung, sagte Neumann. Reitemeier zeichne sich durch seine ästhetische und präzise Bildsprache aus.

Die Auszeichnungen im Überblick:

Goldener Bär für den besten Film: "Caesar must die" (Italien) von Paolo Taviani und Vittorio Taviani

Silberner Bär/Großer Preis der Jury: "Just The Wind" (Ungarn / Deutschland / Frankreich) von Bence Fliegauf. Der Film handelt von der Verfolgung von Angehörigen der Roma-Minderheit in Ungarn.

Silberner Bär für die beste Regie: Christian Petzold für "Barbara" (Deutschland)

Silberner Bär für die beste Darstellerin: Rachel Mwanza in "War Witch" (Kanada) von Kim Nguyen

Silberner Bär für den besten Darsteller: Mikkel Boe Fölsgaard in "Die Königin und der Leibarzt" (Dänemark / Tschechische Republik / Deutschland / Schweden) Nikolaj Arcel

Silberner Bär für das beste Drehbuch: Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg für "Die Königin und der Leibarzt" (Dänemark / Tschechische Republik / Deutschland / Schweden) von Arcel

Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung - Abteilung Kamera: Lutz Reitemeier für "White Deer Plain" von Wang Quan'an

Alfred-Bauer-Preis (für einen Spielfilm, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet - in Erinnerung an den Gründer des Festivals): "Tabu" (Portugal / Deutschland / Brasilien / Frankreich) von Miguel Gomes

Silberner Bär für eine Lobende Erwähnung: "Sister" (Schweiz/Frankreich) von Ursula Meier

Bester Erstlingsfilm (von einer weiteren Jury vergeben; mit 50.000 Euro dotiert): "Kauwboy" (Niederlande) von Boudewijn Koole

Internationale Kurzfilmjury:

Goldener Bär für "Rafa" (Portugal / Frankreich) von Joao Salaviza

Silberner Bär für "Gurehto Rabitto" (Frankreich) von Atsushi Wada

lgr/dapd/dpa/AFP

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
Waldesmeister 18.02.2012
Zitat von sysopAFPDer Goldene Bär geht nach Italien: Für ihren Film "Cäsar muss sterben" gewannen die Regiebrüder Paolo und Vittorio Taviani den Hauptpreis der 62. Berlinale. Christian Petzold wurde für "Barbara" mit dem Silbernen Regie-Bären ausgezeichnet. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,816182,00.html
Naja. War eigentlich klar, dass wieder ein total irrer Film, den keine Sau kennt und den sich sowieso niemand anschaut, ja der wahrscheinlich nicht einmal im internationalen Kinoprogramm laufen wird, gewinnt. Alles wie gewohnt.
2. TAVIANI-FILMe sind TOP 1 A-zurblau mit Sternchen.*******
gemamundi 18.02.2012
Zitat von WaldesmeisterNaja. War eigentlich klar, dass wieder ein total irrer Film, den keine Sau kennt und den sich sowieso niemand anschaut, ja der wahrscheinlich nicht einmal im internationalen Kinoprogramm laufen wird, gewinnt. Alles wie gewohnt.
Von Kino haben Sie offenbar NULL Ahnung - = - Ein Film der TAVIANI - Brüder soll zu den sogenannten Unbekannten zählen ? International und weltweit bekannt.... Oder redet hier ein Limo-Trinker über erstklassige Rotweine und Champagner .... ???? Selten SO amüsiert - wie die BÄRLINA sagen = Bong Amüsemang ! Danke ! .... :-)
3. Ohhhh....
supercat71 18.02.2012
Zitat von WaldesmeisterNaja. War eigentlich klar, dass wieder ein total irrer Film, den keine Sau kennt und den sich sowieso niemand anschaut, ja der wahrscheinlich nicht einmal im internationalen Kinoprogramm laufen wird, gewinnt. Alles wie gewohnt.
Tut mir für sie wirklich leid. Das kommt eben dabei heraus, wenn Mike Leigh Jury Präsident ist und nicht Dieter Bohlen.
4.
mark-h13 18.02.2012
Zitat von WaldesmeisterNaja. War eigentlich klar, dass wieder ein total irrer Film, den keine Sau kennt und den sich sowieso niemand anschaut, ja der wahrscheinlich nicht einmal im internationalen Kinoprogramm laufen wird, gewinnt. Alles wie gewohnt.
Zunächst einmal gab es nur 18 Wettbewerbsfilme, alle ausnahmslos total "irre", aus denen der Siegerfilm ausgewählt werden konnte. Persönlich bin ich nicht so wirklich begeistert, weil es spannendere (also noch "irrere") Filme im Wettbewerb gab. Eine Erklärung bitte: was genau ist das "internationale Kinoprogramm". Wie sieht das aus? Wodurch definiert sich das? Wo laufen die gewöhnlich? Multiplexe, Programmkinos?
5.
JRömer 18.02.2012
Zitat von gemamundiVon Kino haben Sie offenbar NULL Ahnung - = - Ein Film der TAVIANI - Brüder soll zu den sogenannten Unbekannten zählen ? International und weltweit bekannt.... Oder redet hier ein Limo-Trinker über erstklassige Rotweine und Champagner .... ???? Selten SO amüsiert - wie die BÄRLINA sagen = Bong Amüsemang ! Danke ! .... :-)
Ja exakt - und danke für die Einschätzung: Man sehe sich einfach mal jenes unvergleichliche sardinische Emanzipationsdrama an: "Padre, padrone" und da die Szene als der Junge gegen des Alten Befehl das Radio lauter dreht und Mozarts Adagio des Klarinettenkonzerts KV 622 ertönt.... Die Tavianis haben schon vor 35 Jahren Filmgeschichte geschrieben! Wunderschön, dass sie´s gerade wieder gatan haben!
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