Berlin - 18 Filme hatten im Wettbewerbsprogramm der 62. Berlinale um den Goldenen Bären konkurriert. Gewonnen haben ihn die italienischen Regiebrüder Paolo und Vittorio Taviani. Ihr Schwarzweiß-Film "Caesar Must Die" ("Cäsar muss sterben") wurde am Samstagabend mit dem Hauptpreis der Internationalen Filmfestspiele Berlin ausgezeichnet.
Paolo Taviani (80) und Vittorio Taviani (82) haben mit ihrem Werk ein Filmessay über Strafgefangene in Rom gedreht, die im Gefängnis Shakespeares Stück "Julius Cäsar" proben und auf die Theaterbühne bringen. Es ist ein Film, der den Zuschauer tief in die Seele der Menschen blicken lässt.
Sichtlich berührt bedankten sich die Brüder auf der Bühne des Berlinale-Palastes bei den mitspieldenden Häftlingen. "Es ist für die Häftlinge ein paar Tage wieder möglich gewesen, wieder zu leben. Wir grüßen sie", sagte Paolo Taviani. Er hoffe, dass die Kinobesucher merkten, dass auch Schwerverbrecher Menschen seien und blieben.
Christian Petzold: "Das ist ein Hammer"
Die internationale Jury hat auch alle weiteren Preisträger der Berlinale bekannt gegeben. Zwei Preise gingen nach Deutschland: Christian Petzold erhielt für sein DDR-Drama "Barbara" mit Nina Hoss in der Hauprolle den Preis für die beste Regie. Der Kameramann Lutz Reitemeier wurde seine Arbeit an dem chinesischen Historiendrama "Land es weißen Hirsches" ("Bai Lu Yuan") von Wang Quan'an geehrt.
Petzold erzählt in seinem Film "Barbara" die Geschichte einer Ärztin, die nach einem abgelehnten Ausreiseantrag Anfang der 1980er Jahre illegal die DDR verlassen will. "Ich freu' mich unglaublich, das ist ein Hammer", sagte Petzold bei der Verleihung.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) gratulierte den deutschen Berlinale-Gewinnern Christian Petzold und Lutz Reitemeier zu ihren Silbernen Bären. Petzolds Film "Barbara" habe auch ihn tief beeindruckt, der Preis sei eine hochverdiente Auszeichnung, sagte Neumann. "Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Unterdrückungsmechanismen in der DDR werden Alltag, Angst und Einsamkeit eindrucksvoll und berührend inszeniert", sagte der Staatsminister.
Auch der Silberne Bär an Kameramann Lutz Reitemeier für dessen herausragende künstlerische Leistung in dem chinesischen Film "Land des weißen Hirschen" sei eine verdiente Bestätigung, sagte Neumann. Reitemeier zeichne sich durch seine ästhetische und präzise Bildsprache aus.
Die Auszeichnungen im Überblick:
Goldener Bär für den besten Film: "Caesar must die" (Italien) von Paolo Taviani und Vittorio Taviani
Silberner Bär/Großer Preis der Jury: "Just The Wind" (Ungarn / Deutschland / Frankreich) von Bence Fliegauf. Der Film handelt von der Verfolgung von Angehörigen der Roma-Minderheit in Ungarn.
Silberner Bär für die beste Regie: Christian Petzold für "Barbara" (Deutschland)
Silberner Bär für die beste Darstellerin: Rachel Mwanza in "War Witch" (Kanada) von Kim Nguyen
Silberner Bär für den besten Darsteller: Mikkel Boe Fölsgaard in "Die Königin und der Leibarzt" (Dänemark / Tschechische Republik / Deutschland / Schweden) Nikolaj Arcel
Silberner Bär für das beste Drehbuch: Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg für "Die Königin und der Leibarzt" (Dänemark / Tschechische Republik / Deutschland / Schweden) von Arcel
Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung - Abteilung Kamera: Lutz Reitemeier für "White Deer Plain" von Wang Quan'an
Alfred-Bauer-Preis (für einen Spielfilm, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet - in Erinnerung an den Gründer des Festivals): "Tabu" (Portugal / Deutschland / Brasilien / Frankreich) von Miguel Gomes
Silberner Bär für eine Lobende Erwähnung: "Sister" (Schweiz/Frankreich) von Ursula Meier
Bester Erstlingsfilm (von einer weiteren Jury vergeben; mit 50.000 Euro dotiert): "Kauwboy" (Niederlande) von Boudewijn Koole
Internationale Kurzfilmjury:
Goldener Bär für "Rafa" (Portugal / Frankreich) von Joao Salaviza
Silberner Bär für "Gurehto Rabitto" (Frankreich) von Atsushi Wada
lgr/dapd/dpa/AFP
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