Berlinale 2013: Frauen und Osteuropäer zuerst

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Berlinale/ Marc Ohrem

Berlinale-Chef Kosslick: "Unabhängige Filmemacher sind auf dem Vormarsch"

Hollywood-Stars neben Independent-Filmen, Schwerpunkt Osteuropa und ein Jurypräsident aus Hongkong: So will sich vom 7. Februar an die Berlinale 2013 präsentieren. Direktor Dieter Kosslick stellte das Programm des 63. Filmfests in der deutschen Hauptstadt vor.

Berlin/Hamburg - Ein Mix aus Filmproduktionen der großen Studios und Independent-Filmen soll die 63. Berlinale prägen. "Wir haben große Hollywood-Filme und neue Leute ins Programm aufgenommen", sagte Festivaldirektor Dieter Kosslick am Montag in Berlin bei der Vorstellung des neuen Programms. Unabhängige Filmemacher seien "auf dem Vormarsch", auch kämen viele Filme aus Osteuropa.

Der Eröffnungsbeitrag "The Grandmaster" ("Der Großmeister") stammt allerdings aus China. Der in Hongkong arbeitende Regisseur Wong Kar-wai hat das epische Martial-Arts-Drama gedreht. Es läuft außer Konkurrenz - denn der Regisseur ist auch Jurypräsident der diesjährigen Berlinale.

Der Wettbewerb des Filmfests, das vom 7. bis zum 17. Februar stattfindet, dreht sich um gesellschaftliche Themen. "In vielen Filmen stehen Frauen im Vordergrund und viele Filme sind auch von Frauen", sagte Kosslick - eine klare Abgrenzung zum Festival in Cannes, das zuletzt in der Kritik stand, weil alle Wettbewerbsfilme von Männern gedreht waren. "Elle s'en va" ("Sie geht fort") zum Beispiel zeigt eine reife Frau, gespielt von Catherine Deneuve, die ihr altes Leben spontan hinter sich lässt.

Andere Filme zeigen ein Roma-Schicksal in Bosnien-Herzegowina ("An Episode in the Life of an Iron Picker" - "Eine Geschichte aus dem Leben eines Schrottsammlers" von Danis Tanovic) oder das Problem der Landnahme in einer US-Kleinstadt ("Promised Land" - "Das gelobte Land"). Neben den Filmländern Frankreich und den USA sind im Berlinale-Rennen Regisseure aus Osteuropa stark vertreten. Zu sehen sind unter anderem Filme aus Russland, Rumänien, Kasachstan und Polen.

Ein politisches Zeichen setzt die Berlinale mit dem Wettbewerbsfilm "Pardé" ("Geschlossener Vorhang") des verfolgten iranischen Regisseurs Jafar Panahi und seines Kollegen Kambozia Partovi. Panahi hat in seiner Heimat Arbeitsverbot. "Er hat trotzdem einen Spielfilm gemacht", sagte Kosslick. Und: "Wir wissen, dass es fast unmöglich ist." Dennoch hoffe er, dass Panahi zur Berlinale kommen könne. Der Regisseur hatte 2006 mit "Offside" den Silbernen Bären gewonnen. Vor zwei Jahren war Panahi, der sich offen zur Opposition im Iran bekennt, Berlinale-Jurymitglied, durfte aber nicht nach Berlin reisen.

Clooney ist "jederzeit willkommen"

Auf der Berlinale, zu der jedes Jahr Zehntausende Besucher kommen, werden diesmal 404 Filme präsentiert - fünf mehr als im Vorjahr. Um den Goldenen Bären konkurrieren 19 Filme. Deutschland ist an fünf dieser Filme beteiligt, doch nur der Western "Gold" mit Nina Hoss in der Hauptrolle gilt als deutscher Wettbewerbsbeitrag. Neben Jury-Präsident Wong werden unter anderem Hollywood-Schauspieler Tim Robbins, der deutsche Regisseur Andreas Dresen, die dänische Filmemacherin Susanne Bier und die griechische Regisseurin Athina Rachel Tsangari über die Vergabe der Goldenen und Silbernen Bären entscheiden.

Den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk erhält erstmals ein Dokumentarfilmer: Der Franzose Claude Lanzmann wird für seine zahlreichen Filme zum Holocaust geehrt. Mit der Berlinale-Kamera ehrt das Festival in diesem Jahr die italienische Schauspielerin Isabella Rossellini und den deutschen Filmemacher Rosa von Praunheim. Die Auszeichnung wird Filmschaffenden verliehen, die sich besonders um die Berlinale verdient gemacht haben.

Neu im Programm der diesjährigen Berlinale ist die Reihe "Native", die insgesamt 24 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilme indigener Völker auf der ganzen Welt zeigt. Der regionale Fokus liegt auf Ozeanien, Australien, Nordamerika und der Arktis.

Die Retrospektive widmet sich dem "Weimar Touch". Sie spürt den Einflüssen des Weimarer Kinos auf den internationalen Film nach 1933 nach. Die Schauspielerin Isabella Rossellini wird in diesem Rahmen den Film "Casablanca" präsentieren.

Als Stargäste werden unter anderem die drei großen Damen des französischen Films, Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Isabelle Huppert, erwartet. Außerdem haben sich die US-Schauspieler Nicolas Cage, Ethan Hawke, Matt Damon und Anne Hathaway angekündigt. Fans deutscher Filmidole können sich auf Nina Hoss, Martina Gedeck und erstmals auch Til Schweiger freuen. Ob der US-Star George Clooney, der sich derzeit in Berlin aufhält, auftauchen wird, ist ungewiss. "Er ist jederzeit willkommen", sagte Kosslick.

feb/dpa/dapd/AFP

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